Kunstmittel oder Beleidigung? Vier Stimmen zum Blackfacing in der „Heiligen Johanna der Schlachthöfe“

Ich schreibe diesen Blogpost, weil ich mir eine Diskussion wünsche. Das Theatertreffen zeigt zehn bemerkenswerte Inszenierungen aus dem deutschsprachigen Raum, die im jeweils vorangegangenen Jahr ausgewählt worden sind. In diesem vorangegangenen Jahr 2012 war neben der Premiere der „Heiligen Johanna der Schlachthöfe“ noch etwas anderes in den Feuilletons und in der Netzwelt bemerkenswert: Die Debatte um das Theatermittel des „Blackfacing“ auf deutschen Bühnen. Sie war laut geworden als Dieter Hallervorden und ein schwarz angemalter Joachim Bliese Anfang 2012 mit rassistischen Plakaten Werbung für das Theaterstück „Ich bin nicht Rappaport“ am Berliner Schlosspark-Theater gemacht haben. Im Zuge der Debatte bildete sich die Aktivisten-Gruppe Bühnenwatch, die „sich zum Ziel gesetzt hat, rassistische Praktiken an deutschen Bühnen zu beenden“, so steht es auf ihrer Webseite. Sie beobachtet die Vorkommnisse und greift immer wieder in die Diskussion ein.

Zum Theatertreffen 2013 ist „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ in der Inszenierung von Sebastian Baumgarten vom Schauspielhaus Zürich eingeladen. Auf der Seite der Berliner Festspiele zu dem Brechtschen Wirtschaftsklassiker kündigt ein Foto die Aufführung an, auf dem eine schwarz geschminkte weiße Schauspielerin in der Rolle der Frau Luckerniddle zu sehen ist – Blackfacing par excellence. Bis jetzt hat es noch keine Diskussion darum im Rahmen des Theatertreffens gegeben, und das, obwohl die öffentliche Debatte noch so jung ist. Wo ist diese Diskussion? Ich unternehme den Versuch, vier verschiedene Stimmen hier zu Wort kommen zu lassen, Simone Dede Ayivi und Atif Hussein von Bühnenwatch, Sebastian Baumgarten, Regisseur, und Andrea Schwieter, Dramaturgin bei der „Heiligen Johanna der Schlachthöfe“, in genau der Reihenfolge, in der ich die Gespräche geführt habe.
Heute Abend findet übrigens um 22.30 Uhr das Publikumsgespräch zur Inszenierung in der Bornemann Bar/Oberes Foyer im Haus der Berliner Festspiele statt, Eintritt frei.

Simone Dede Ayivi, Kulturwissenschaftlerin und Theatermacherin, Teil des 2012 gegründeten Kollektivs Bühnenwatch:

Wenn ich das Ankündigungsbild für „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ auf der Homepage der Berliner Festspiele sehe, mit diesem „Ganzkörper-Blackfacing“, dieser schwarz angemalten Frau, fühle ich mich schon ausgeladen! Da komme ich gar nicht auf die Idee, mir das Stück anzusehen. Auch am Neuen Theater Halle, wo das N-Wort groß über dem „Othello“ in der Inszenierung von Wolfgang Engel stand, war das für mich gleichbedeutend mit: Ich als schwarze Person bin nicht eingeladen. Es ist schon ein aggressiver Akt, die ganze Zeit auf den Vorankündigungen ein schwarz angemaltes Gesicht zu sehen, wie es ja beim Berliner Schlosspark-Theater war. Man stieg in die U-Bahn und da hing dann gleich Joachim Bliese mit diesem schwarzen Gesicht, das war wirklich beleidigend. Beim Theatertreffen ist es jetzt auch so: In der Vorankündigung auf der Homepage der Berliner Festspiele ist sofort ein Bild mit dieser Frau zu sehen! Was sagt es eigentlich über die Kulturszene in diesem Land aus, wenn es nicht möglich ist, zehn bemerkenswerte Inszenierungen zu finden, die alle zehn ohne Blackfacing auskommen? Ich kann mir auch vorstellen – aber das ist meine persönliche Verschwörungstheorie –, dass die Stimmung zur Zeit so ist, dass gerade wegen der Debatte solche Inszenierungen eingeladen werden. Als Provokation oder aus Protest. Weil die Jury meint, dass man mit einer solchen Einladung die Kunstfreiheit rettet, die angeblich eingeschränkt wird, wenn man sich gegen rassistische Darstellungen auf der Bühne entscheidet.

Atif Hussein 
ist Szenograph und Regisseur und Teil von Bühnenwatch:

Blackfacing ist ein vergiftetes Mittel. Nicht nur aufgrund der Geschichte, sondern auch aufgrund der Gegenwart, es erfüllt ja nicht nur in der Gegenwart den Zweck der rassistischen Karikatur oder Propaganda, (dafür ist es ja erfunden worden), sondern es betreibt zusätzlich Exklusion. Schwarze Schauspielerinnen und Schauspieler und diejenigen of colour werden im deutschsprachigen Raum systematisch von den Bühnen fern gehalten. Wenn Michael Klammer, einer der wenigen schwarzen Schauspieler, den Wurm in „Kabale und Liebe“ am Maxim Gorki Theater spielt, dann sagen einige, das hätte eine Bedeutung! Was denn für eine?! Erstens hat es in der Inszenierung von Florian Fiedler nicht die geringste Bedeutung, und zweitens, welche sollte es denn auch haben?! Aber das ist das Paradoxe: Wenn die Figur, weil sie so geschrieben ist, angeblich verlangt, dass Darsteller schwarz angemalt werden, dann soll es nur dazu dienen, die Figur kenntlich zu machen, aber wenn ich einen schwarzen Schauspieler als Hamlet besetze, dann hat das auf einmal eine Bedeutung! Das große Problem ist, dass immer davon ausgegangen wird, dass Weiße unmarkiert sind, aber alles andere kenntlich gemacht werden muss, denn es weicht eben davon ab. Es gibt ja nicht nur Blackfacing, es gibt auch Yellowfacing, Brownfacing, Redfacing … Dadurch, dass Sebastian Baumgarten generell auf Verkleidung und Verfremdung setzt, wird es schwer, diese Kritik anzubringen. Denn es wird immer das Argument kommen „Aber die sind ja alle verkleidet“. Daran merkt man auf der einen Seite wie komplex es ist, und auf der anderen Seite wie kompliziert es ist, in die Köpfe reinzukriegen, was da eigentlich gemacht wird. Ich höre schon Sätze wie: „Ja, die Luckerniddle (die schwarz geschminkte Figur (Anm. d. Redaktion) ist bei uns eine Schwarze, weil: … Wie „weil“? Alles was nach dem Doppelpunkt kommen kann, ist ja schon Quatsch!

Das erneute Auftauchen von Blackfacing ist, besonders vor dem Hintergrund der im vergangenen Jahr geführten Debatte, jedes Mal wieder ein Schlag ins Gesicht. Es gab mehrere Inszenierungen im deutschsprachigen Raum, die, nachdem im vergangenen Jahr die Diskussion erneut hochkochte, das Mittel des Blackfacing noch einmal neu eingesetzt haben. Da war zum Beispiel die „Lulu“-Inszenierung an der Deutschen Staatsoper von Andrea Breth vor einem Jahr zu den Festtagen der Staatsoper, und Jürgen Flimm, der Intendant, erklärte, das liege an der „Werktreue“, der man sich verpflichtet fühlt. Was natürlich totaler Quatsch ist bei der Inszenierung. 
Die meisten Inszenierungen, in denen versucht wurde, Blackfacing ironisch einzusetzen, sind daran grandios gescheitert. Zwei Inszenierungen aus den letzten zwölf Monaten fallen mir ein, die auf die Debatte reagiert haben: die eine war „Unschuld“ von Michael Thalheimer am Deutschen Theater und die andere war „Die Liebe zu den drei Orangen“ von Sergej Prokofjew an der Deutschen Oper.

Sebastian Baumgarten, Regisseur der „Heiligen Johanna der Schlachthöfe“:

Für mich ist es wichtig, deutlich zu machen, dass das System, in dem wir leben, rassistische Bedingungen produziert. Wir haben uns gefragt, wie kann man heute noch eine Arbeiterklasse auf der Bühne darstellen? Denn der Kapitalismus funktioniert heute global, anders als zu Zeiten Brechts. Es ging uns bei der Gestaltung der Figuren um ein bewusstes Spiel mit Zeichen, um in die relativ historische Anlage des Stoffes bei Brecht eine globalisierte Welt mit hineinlegen zu können.

Die Spielweise funktioniert über Überzeichnungen, die auf allen Ebenen stattfinden, ich habe unter anderem das Blackfacing bewusst als Mittel der Darstellung benutzt und zwar der überhöhten Darstellung. Das ist ein Mittel der Kunst. Im Wesentlichen ist die Debatte ja total interessant: Wieso ist es nicht selbstverständlich, dass in unseren Ensembles eine globalisierte Gesellschaft abgebildet wird? Was hat das mit der deutschen Gesellschaft zu tun?! Aber wenn ich jetzt auf der Bühne für bestimmte Stoffe in sehr konkreten Zusammenhängen bestimmte ästhetische Mittel aus moralischen Gründen nicht mehr zeigen kann, die ich aber eigentlich zeigen möchte, dann ist das allerdings ein Problem. Das ist die Freiheit der Kunst, und da muss ich es einfach mit Schiller halten, da ging es in der Welt des Scheins immer um eine radikale Ansage der Unmoral auch in der Darstellung.

Es geht um die Frage der Darstellung, und wir reden ja nicht nur über Blackfacing, man könnte mir auch Antisemitismus vorwerfen, wenn einer der Kapitalisten eine Szene lang mit einem jüdischen Akzent spricht. Die ganze Arbeit funktioniert darüber, dass man mit diesen popkulturellen Klischees eine Narration startet, an deren Ende man doch auch mit Brecht die Verhältnisse, die er da beschreibt, desavouiert.

Wenn auf der Bühne eine Karikatur entsteht und sich der Kollege oder die Kollegin, die farbig ist, darüber beklagt, hat sie oder er mehr als Recht. Das Entscheidende ist, dass die Person, die auf der Bühne steht und den Russen oder die Afrikanerin mit voller Emotionalität spielt, keine Karikatur spielt. Eine überhöhte Darstellung ist keine Karikatur, dann gäbe man die Figur auf, und da wäre ich der erste, der als Regisseur dafür sorgt, dass das nicht passiert. Sobald eine Karikatur daraus wird, ist jede Kritik angebracht. Und da muss man dafür sorgen, dass da mit Verantwortung umgegangen wird. Weil es durchaus ein überhöhtes Mittel ist, das auch ein Unbehagen auslösen kann. Das ist uns aber klar. Würde ich mit psychologischem Realismus in der Figurengestaltung arbeiten, würde ich das Mittel des Blackfacing natürlich gar nicht benutzen, aber bei mir funktioniert die Spielweise ganz anders.
Die Heilige Johanna der Schlachthöfe ist ein Stück über den Kapitalismus! Und die Bedingungen, unter denen Formen von Rassismus entstehen, die kommen aus den an Mehrwert orientierten ökonomischen Strukturen. Und dadurch, dass wir Brecht machen und diese Verhältnisse angreifen, haben wir dazu eine ganz klare Haltung.

Andrea Schwieter, Dramaturgin der Inszenierung „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“  bei der Inszenierung von Sebastian Baumgarten:

Brechts Kapitalismusbild von 1929 ist nicht mehr eins zu eins auf heute übertragbar: Arbeiterklasse und Chefetage sind in den seltensten Fällen noch im selben Gebäude anzutreffen. Im Zuge der Globalisierung wird Arbeit zunehmend in andere Länder und Kontinente ausgelagert. Der Kapitalismus funktioniert heute, im Unterschied zu damals, global. Es ging darum zu zeigen: Wer leidet unter dem absoluten Megakapitalismus? Und das ist tatsächlich die „Dritte Welt“. Es geht uns bei der Darstellung der Afrikanerin um eine globale Repräsentation, wir sprechen explizit nicht vom „Migranten“. Es geht um die Repräsentation von Kontinentalbeziehungen und nicht um die Repräsentation von Beteiligten innerhalb der Arbeiterklasse mit migrantischem Hintergrund!
Zusätzlich ist es ja so, dass die Figur der Frau Luckerniddle zu den Kommunisten überwandert und eigentlich auch eine Form von intellektueller Anführerin und Klassenkämpferin wird. Sie wird das Gegenteil einer Unterdrückten.

 

Kommentieren

  1. ach so, „die afrikaner“ als die neue arbeiterklasse, um brecht zu „aktualisieren“. diesen unendlich paltten bzw saudummen gedanken hatten schon dutzende andere „kapitalismuskritische“ regisseure und dramaturgen davor.

    • Wird hier gerade von Regie und Dramaturgie argumentiert, warum die Figur „schwarz“ sein muss? Ist die Frage nicht, warum das Mittel des blackfacings legitim ist? Also warum spielt nicht (wenn überhaupt) eine farbige Schauspielerin die Figur, warum muss sich jemand schwarz anmalen?

      • Hier auch für Sie ein wenig Material zur Wissensvermehrung: http://www.derbraunemob.de/shared/download/warum_keine_farbigen.pdf

        Es muß sich eine weiße Schauspielerin Schwarz anmalen, damit weiterhin Schwarze Schauspieler und Schauspielerinnen und Schauspieler und Schauspielerinnen of Color von der Bühne fern gehalten werden. Denn, wenn Sie als weiße Theaterkünstlerin, weiße Theaterproduzentin das Privileg haben als unmarkiert zu gelten, dann werden Sie dieses Privileg nicht abgeben, im Gegenteil Sie werden es erbittert verteidigen. Denn dieses Privileg garantiert Ihnen Macht.

  2. Wird durch das blackfacing evt. auch eine Diskussion möglich, die nicht entsteht, wenn eine farbige Schauspielerin besetzt wird? Werden nicht dadurch gerade die rassistischen Praktiken der Gesellschaft dargestellt? Und werden die Verletzungen farbiger Zuschauer in Kauf genommen, um aber auf schmerzlichere Weisen auf ein Problem aufmerksam zu machen?

    • Hier ein wenig Material zur Bildung frei Haus: http://www.derbraunemob.de/shared/download/warum_keine_farbigen.pdf

      Und dann: Nein, durch diese rassistische Praxis wird nur erneut wieder rassistische Diskriminierung produziert. Und: Ja, es werden Verletzungen an Nicht-Weißen Menschen billigend in Kauf genommen, aber nicht, „um aber auf schmerzlichere Weisen auf ein Problem aufmerksam zu machen“, sondern um unter Beweis zu stellen, daß die Diskurs-Hoheit auch weiterhin bei der weißen Mehrheit liegt.

    • Die Verletzungen Schwarzer (als eine solche verbitte ich mir die bezeichnung „Farbig“), werden ja im deutschen Theater grundsätzlich in Kauf genommen, um irgendwas rüberzubringen, wasn nichts mit Rassismus zu tun hat und auch nichts dazu tut über diesen aufzuklären. Die Diskussion, mit Verlaub ist bereits 50 Jahr alt und ich werde es sehr, sehr müde, sie zu führen… Wie man am Schweigen der Jury zu diesem Aspekt der Inszenierung ja sieht, ist hier eine Diskussion über rassistische Stereotype jenseits von „es war nicht so gemeint“ wohl kaum das Ziel, zumindest nicht das Resultat der Inszenierung sondern einzig und allein der Verdienst derer, die nicht Schweigend und unreflektiert wegschauen, sondern immer ihre Zeit und Ressourcen opfern, um gegen solche, durch Steuergelder finanzierte Unsäglichkeiten zu Protestieren. Wie auch sonst gerne, wenn weiße deutsche Theatermacher_innen zu schwarzer oder wie hier auch gelber Schminke greifen, handelt es sich dabei einzig und allein um die Verwechslung von Kritischer Auseinandersetzung und blöder Reproduktion. Das hätte jede/r der/die will auch schon nach „Unschuld“ Brett Bailey, oder Scheck verstehen können. Aber dafür müsste mensch halt zuhören…

  3. Despite the fact that this is a German site, I would like to comment in English as I can express myself better in this manner.As visiting theatre practitioner from South Africa, I would first like to express my appreciation for the great care and trouble that is taken by the Berliner Festspiele to organise Theatertreffen. I also have to express my appreciation and awe for discussions and blogs such as these. This is a clear indication about the status that theatre has in this country and serves as great inspiration. However, I am sad to say, that I was quite disappointed in some of the responses during the panel discussion of Die heilige Johanna… When I saw the advertisement for this production I was aware of the fact that blackfacing was going to be employed. As a South African, this device does strike me as unusual, but seeing that we live in the 21st century and seeing that Germany has a sophisticated theatre culture, I assumed that the device was going to be used ironically or as commentary-it is Brecht after all… What surprised me was Ms Schwieter’s response to an audience’s question about the use of the blackfacing, which she repeats in this blog: surely you cannot really mean that blackfacing the actress symbolises a representaion of the so-called Third World? Personally I interpreted blakcface device as in context with the American culture of blackfacing, used by many black comedians in the 30’s as a manner of „blackening“ themselves more as a political commentary. Or….as Mr Baumgarten suggested, that it is part of the pop culture ideology. Perhaps it would have served the production more if the construction of identities were foregrounded more, „putting on“ the identities as commentary on common views held in some parts of the world rather than earnestly using the device to represent „the third world“. And off course, sometimes it is just hard to express a concept in words when one is part of the production and for that reason, I will give Ms Schwieters the benefit of the doubt but want to urge the company to give these politically charged choices more thought when explaining them to the public.

    • Here’s my English-language commentary as well http://www.theatertreffen-blog.de/tt13/die-heilige-johanna-der-schlachthoefe/blackface-fail/

      I also specifically want to address this conflagration that you point out of „blackfacing“ with „representing the victims of globalised capitalism“. As I understand the tradition, blackfacing (or yellow facing, etc.) doesn’t represent people of color so much as represent a specific, biased, and usually racist view of people of color. So this apparently earnest usage of these techniques without questioning their implementation and interpretation, especially considering that the ensemble includes a Latin American actress who also presents a Mexican stereotype, comes across as ignorant.

    • Blackfacing in the American context goes back a lot farther than that and is a lot more problematic too. American blackfacing started well before slavery was abolished in the USA, as a part of minstrel shows, in the 1800s: the performers were all white, and they put on blackface to mark and perform their perceptions of different groups of blacks (for instance, Southern slaves, and Northern ex-slaves). These weren’t viewed at the time, by white audiences, as racist or particularly stereotyped; but of course, it was both of those things, not to mention a way to continue the system of oppression, slavery, and discrimination of the white majority against the people it was enslaving. Much later, after slavery was abolished, black Americans began to form their own minstrel troupes and they too used blackface because it was an accepted part of the minstrel form and a way for them to bring in white audiences. Blackfacing is an ultra-taboo thing in the USA for these reasons. It’s something that is not used or referenced lightly, because anyone who uses it knows s/he better have an airtight reason for doing it, thanks to the high tensions surrounding it. German directors clearly don’t feel that same pressure.

  4. Ich habe die Inszenierung nur zur ersten Hälfte gesehen, weil ich sie grauenvoll fand, deshalb eine eingeschränkte Sicht der Dinge.
    Für die erste Hälfte kann ich sagen: Ich sehe eine Überhöhung von allem, in der Spielweise, in den Zeichen, in den Bildern, Kostüm, Maske, Video, Bühne. Es entsteht ein extrem komplexes, übervolles Zeichensystem, das an vielen Stellen witzig ist, platt, humorvoll, Slapstick, emotional. Ich sehe Klischees – angefangen von dem „Frauchen“ auf hohen Schuhen, dem Chinesen der Nudelsuppe isst, die Afrikanerin, andere Welt = Lenin usw.. Ich sehe einen riesen Haufen Ironie in der Überhöhung der Zeichen. Und hier ist für mich nicht mehr die Frage, ob es als Karikatur gemeint ist oder nicht: Die Masse an Zeichen wird so plakativ, so grob-Collagig, dass es um Nuancen, um Feinheit, um Aufrichtigkeit – für mich – nicht mehr geht. Dadurch findet bei mir keine genaue Betrachtung mehr statt – ist das Blackfacing jetzt ironisch gemeint, oder ernst und wenn ja: auf welcher Ebene? Es ist alles nicht eins zu eins ernst zu nehmen. Es ist nichts wirklich ernst gemeint.
    Und das macht die Sache ungenau, unmutig, in der Konsequenz, in meiner Wahrnehmung, leider: rassistisch und sexistisch.
    In der ersten Hälfte.

    • In der zweiten Hälfte wird es nicht anders….Ich sehe ein grundsätzliches Problem der Inszenierung darin, dass der Versuch unternommen wird, die Darstellung der globalisierten Welt (und die Machenschaften des Kapitalismus darin), an den Figuren fest zu machen. So kann die Darstellung durch die Überhöhung nur zur Karikatur abkippen, und damit rassistisch werden! Die Behandlung der Globalisierung hätte doch auch in den graphischen Darstellungen des Wirtschaftssystems, die immer wieder im Hintergrund der Bühne eingespielt wurden, ihren Platz gefunden! Um die rassistischen Dynamiken des globalen Kapitalismus zu thematisieren, muss man sie doch nicht eins zu eins auf der Bühne reproduzieren.

  5. Heike Gehring bringt es für mich verblüffend einfach auf den punkt: blackfacing symbolisiert immer nur: blackfacing. thats the reference. so viel reflektion sollte man von theatermachern schon erwarten können. zumal in letzter zeit genügend möglichkeiten gab, sich ohne großen aufwand in diese richtung weiterzubilden. ansonsten klingen auch andere andeutungen von baumgarten durchaus besorgnis erregend: kapitalisten mit „jüdischen akzent“ zb. (was auch immer das sein soll!). gruselig. sich solch gefährlichen plattitüden zu sparen, ist meiner ansicht nach keine moralische frage, sondern eine politische.

  6. Herr Baumgarten, gibt es, wenn es einen „jüdischen“ Akzent gibt, auch einen buddhistischen, einen christlichen, einen muslimischen, einen hinduistischen, einen shintuistischen, einen koptischen, einen *beliebige Religion einsetzen* Akzent? Das würde mich sehr interessieren. Ich könnte es sehr gut für meine nächste Inszenierung gebrauchen. Arbeiten Sie denn manchmal auch als Sprach-Coach? Vielleicht könnten wir Sie als Experten engagieren …

  7. „Denn der Kapitalismus funktioniert heute global, anders als zu Zeiten Brechts.“
    „Der Kapitalismus funktioniert heute, im Unterschied zu damals, global.“
    Ich bin wahrscheinlich nicht die erste, die das anbringt, aber ich tu’s trotzdem mal: Mit der Geschichte des Kolonialismus (und deren Verbindung zu rassistischen Praktiken wie Blackface) sind die Beiden offenbar nicht vertraut? Und dann aber eine Inszenierung machen, die den „globalen Kapitalismus“ (für weiße) behandelt? Was soll man dazu sagen…

    • Es ist wirklich erschreckend, dass die Debatte nirgendwo in den Medien geführt wird, die eine größere Öffentlichkeit erreichen. Schließlich wird die ganze Inszenierung auch noch von 3sat übertragen. Ich wette, da fällt auch wieder kein Wort, oder 3sat?

      • Ich frage mich, was genau dem Regisseur vorgeworfen wird.
        1. Rassismus. 2. Nicht bedacht zu haben, dass „blackfacing“ negativ kritisiert würde. 3. Keinen schwarzen Schauspieler eingesetzt zu haben.
        Ich finde, aus der Inszenierung heraus wird deutlich, dass das Schwarzanmalen einfach in die Reihe der Stilmittel gehört, mit denen eine Verfremdung der (aller!) Figuren erfolgen sollte und keiner der genannten Vorwürfe durchgreift. Insofern fällt es mir schwer zu verstehen, warum bei dieser Inszenierung speziell aufgrund des blackfacing so eine Empörung herrscht. Blackfacing ist ohne Zweifel verachtenswert, wenn es dazu dient Minderheiten herabzuwürdigen, aber das war doch in der Inszenierung (aus meiner Sicht) gar nicht angelegt.
        Mir hat die Vorstellung gefallen und ich könnte verstehen, wenn sich die Leute vom Schauspielhaus wundern, über welchen Aspekt der Inszenierung hier diskutiert wird bzw. werden soll.

        • Also, ich versuch es mal:

          Ich wuerde Baumgarten nicht vorwerfen wollen, Rassist zu sein; das ist wirklich ein Holzhammer Argument. Aber er bedient sich, unbedachterweise (wie man aus seinem Kommentar ersehen kann), rassistischer Stilmittel. Und damit meine ich gar nicht schwarze Schminke als solche — da ist der Diskurs in Deutschland, denke ich schon, anders als in der englischsprachigen Welt. Aber die Darstellung als ganze ist ja mehr als nur die Schminke: da ist primitive Haltung, die Sprache, das Kostüm, usw. — da wird ein regelrechter Katalog von rassistischen Stereotypen durchexerziert OHNE dass die in irgendeinen Kontext gestellt werden. Und das eben gleiche trifft auch auf die „asiatischen“ Figuren zu.

          So, jetzt kann man, wie Sie, argumentieren, dass das doch nur konsequent waere, schliesslich seien ja alle Figuren so übersteigert oder verfremdet. Stimmt ja durchaus auch. Zwei Einwaende haette ich nur:

          – Erstens frage ich mich, was die Verfremdung in diesen Faellen ueberhaupt bewirken will. Diese Figuren sind bei Brecht ja gar nicht ethnisch irgendwie besetzt. Was Baumgarten da vollzieht, ist also nicht eine Verfremdung des Brechtschen Textes, sondern eine seiner eigenen Idee — der naemlich, das Stueck in die Neuzeit zu holen, und den Kapitalismus als globales System darzustellen (ein Thema, zu dem’s natuerlich auch noch viel zu sagen gaebe; aber geschenkt). Was aber geschieht denn mit dieser Aktualisierung, die Baumgarten ja wohl ernst meint, wenn sie dann auch nur in Form rassistischer Stereotypen auftaucht? Es ist eines, zu sagen: diese Brechtschen Figuren, die Kapitalisten sowohl als auch die Arbeiter, die Missionare wie auch die Heilige selbst, das sind doch alles nur Schablonen, nur negative oder positive Scheinbilder, und das zeigen wir jetzt auch. Es ist aber ein anderes zu sagen, diese Arbeiter, das sind Scheinbilder — und ausserdem nicht mehr repräsentativ; und deswegen globalisieren wir das jetzt; und dann sind sie aber in ihrer globalisierten Fassung noch immer nur Scheinbilder; und daher verzerren wir die jetzt sowohl als Arbeiter als auch als nicht-Weisse. Nochmals also: was will die Verfremdung da dann eigentlich erreichen? Und warum das letztlich als unmoeglich realisierte Update?

          – Zweitens: die Verfremdung aller anderen Figuren erfolgt ueber soziale Merkmale — durch uebersteigerte Verhaltensweisen. (Die Sprachfehler von Mauler und Cridle ausgenommen, die ich uebrigens aehnlich irritierend fand wie das Black- und Yellowfacing.) Die Kapitalisten sind so richtig fette Cowboy-Kapitalisten. Die Schwarzen Huete sind so richtig heuchlerische Missionare. Die Johanna ist so richtig naiv und heilig, und dann so eine richtige Eifererin. Und so fort. Was bei Mr Mulberry und der Frau Luckerniddle anders ist, ist dass die beiden SO RICHTIG stereotype Angehoerige ihrer jeweiligen ethnischen Gruppen sind. Wieso eigentlich? Keine andere Figur wird an ihrem Körper so festgemacht, wie diese beide — obwohl es doch um deren Körper UEBERHAUPT nicht geht. Bestenfalls ist das ein verwirrter inszenatorischer Ansatz. Oder nicht?

  8. Hier die Einlassung von Oliver Reese, Intendant am Schauspiel Frankfurt, zur Sache in der Festschrift „Fünfzig Theatertreffen“. S. 214: „Die Blackfacing-Deabatte kommt mir wirklich wie das Musterbild politischer Correctness vor – zwei extrem unterschiedliche ´Othello´-Inszenierungen, die Theatergeschichte geschrieben haben, sind der beste Beweis für ihre Überflüssigkeit. Denn Luk Perceval hat gezeigt, wie ein Othello ganz ohne Farbigen funktioniert (schwarz und weiß waren nur die Flügel, an denen und auf denen gespielt wurde – nämlich Klavier und Theater). Aber bei Gert Voss´ radikaler Darstellung des Othello unter Taboris Regie, schwarz angemalt, tänzelnd und mit kehlig aufgerauter Stimme, war es im Nachhinein fast wie ein Argument, wie überzeugend die theatrale Auseinandersetzung mit ganz fremden Elementen sein kann. Inklusive schwarzer Körperschminke. Als ich mit Andrea Breth über Blackfacing sprach, sagte sie (sehr überrascht, sinngemäß), dass wir dann künftig die Toten auf dem Theater auch richtig sterben lassen müssen.“
    Man beachte „die ganz fremden Elemente“ und die Assoziation schwarz und tot!!

    • Ich lese gerade die Festschrift, während ich an meiner BA-Arbeit zur Blackfacing-Debatte schreibe, und ärgere mich schwarz, um mal in dem von Herrn Resse und co. verwendetem Bild zu bleiben. Im ganzen Heft nur Stellungahmen von Leuten, die sich erkennbar über die Problematik noch nie wirklich Gedanken gemacht haben bzw die Verzerrung durch die eigene Perspektive komplett ausblenden. Gut, vor zwei Jahren hätte ich vermutlich auch noch so ähnlich geantwortet, da wird halt im mainstream noch nicht drüber reflektiert, aber dann muss man wenigstens auch jemanden wie bspw. Simone Dede Ayivi zu Wort kommen lassen, damit die weiße Dominanzperspektive (um es in critical whiteness- Termini) auszudrücken, mal hinterfragt wird und nicht als einzige allein stehenbleibt.

      Zu den von Herrn Resse angeführten Inszenierungen: Gert Voss hat ja in einem Interview ausführlich beschrieben, wie er mehrmals die Woche in den Wald ging und sich heiser schrie, um für Othello die richtige „schwarzafrikanische“ (aus der TH Kritik von S.Löffler) Stimm „farbe“zu bekommen, und vor jeder Probe stundenlang mit make-up experimentierte, um „den schwarzen Menschen“ in sich zu finden. Das waren halt die Neunziger, damals ist die Absurdität von so etwas noch niemand aufgefallen (Herrn Reese und Frau Breth heute anscheinend immer noch nicht) und galt auch wegen der Zadek-Inszenierung (der damals immerhin offen meinte, für ihn sei Othello das rassistischte Stück das es gebe, und genau so wolle er es auch inszenieren) als Mittel zur Veranschaulichung rassistischer Phantasien. Man stelle sich spaßeshalber mal vor, ein schwarzer Schauspieler würde sich derartigen Exerzitien unterziehen um „den Weißen“ in sich zu entdecken und dem Publikum dadurch etwas über dessen rassistische Projektionen zu erzählen! Und was Percevals Inszenierung betrifft, der hat damals ja exlizit im Programmheft geschrieben, dass er auf die schwarze Schminke verzichtet, weil er genau diese Praxis rassistisch und nicht mehr akzeptabel findet, daraufhin wurde er von Theater heute ziemlich deutlich zurechtgewiesen, dass das ja nun überhaupt nicht nachvollziehbar und nur die übliche übertriebene „politisch Korrektheit“ (auch so eine argumentative Allzweckwaffe) sei, gerade Zadek und Tabori hätten ja bewiesen, wie man eine mustergültige antirasistische Inszenierung mache…

      Aber ich vermute, als Intendant in Frankfurt ist man zu beschäftigt. um sich über so etwas Gedanken zu machen, da reicht es, sich gegenseitig zu bestätigen, dass die schwarzen KritikerInnen ja alle von Kunst und Theater sowas von keine Ahnung haben, hihi, die wissen ja noch nicht mal, dass man im Theater nur zum Schein stirbt, blöde Spielverderber, wollen uns Weiße etwa noch über Rassismus belehren, wo kämen wir denn da hin…

      O,k. ich hör jetzt lieber auf, aber das musste einfach mal raus.

  9. – Offener Brief –

    An

    Frau Intendantin Barbara Frey und Herrn Intendanten Thomas Oberender
    Frau Yvonne Büdenhölzer, Leiterin des Theatertreffens
    Herrn Vasco Boenisch, Juror
    Frau Anke Dürr, Jurorin
    Frau Ulrike Kahle-Steinweh, Jurorin
    Herrn Christoph Leibold, Juror
    Frau Daniele Muscionico, Jurorin
    Frau Christine Wahl, Jurorin
    Herrn Franz Wille, Jurorin
    Herrn Sebastian Baumgarten, Regisseur
    Frau Andrea Schwieter, Chefdramaturgin und stellv. Intendantin

    „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ von Berthold Brecht in der Inszenierung von Sebastian Baumgarten

    Berlin, 16. Mai 2013

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    wir schreiben Ihnen, um die Inszenierung des Stückes „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ im Hinblick auf die (Re)produktion und Unterstützung von rassistischen Bildern zu kritisieren.

    Die Absicht, Brechts Text neu zu lesen und mit den Mitteln des Theaters auf die historischen, politischen und sozialen Veränderungen der Welt zu reagieren, wird durch die Verwendung diffamierender, diskriminierender und stereotypisierender Zeichen konterkariert. An der Behauptung, Kapitalismus hätte früher keine globalen Ausmasse gehabt, wird unter anderem deutlich, dass sich Herr Baumgarten der historischen Bedeutung des Kolonialismus und dessen gegenwärtigen Auswirkungen nicht bewusst ist.

    Sie als Verantwortliche für diese politische und letztlich auch künstlerische Fehlleistung hatten mehrere Möglichkeiten, Ihre konzeptionellen, inszenatorischen und kulturpolitischen Entscheidungen zu überdenken und zu revidieren. Diese Möglichkeiten haben Sie nicht wahrgenommen und Kritik als haltlos zurückgewiesen. In Bezug auf den Rassismus der Inszenierung haben sich bereits mehrere kritische Stimmen gemeldet, z.B. Henrike Terheyden, Summer Banks und Eva Biringer auf http://www.theatertreffen-blog.de oder Holger Syme auf http://www.dispositio.net. Wir würden eine Diskussion und Annahme dieser Kritik sehr begrüßen.

    Die in der Inszenierung verwendeten Zeichen enthalten enormes Gewaltpotenzial. Es werden rassistische Stereotype und Stilmittel verwendet, ohne dass diese im Rahmen des Stücks kritisiert, besprochen oder kontextualisiert würden. Die Darstellung einer „Afrikaner_in“ durch das in den letzten Monaten ausführlich diskutierte und von Schwarzen Menschen immer wieder kritisierte Stilmittel Blackface ist nicht das einzige rassitsitsche Stilmittel der Inszenierung. Auch andere Kolonialfantasien werden wieder zum Leben erweckt, etwa wenn das Kostüm der Frau Luckerniddle durch ein künstliches, besonders großes Hinterteil ergänzt wird. Diese Zeichen sind weltweit Synonyme für jahrhundertelange Unterdrückung von Schwarzen Menschen und Menschen of Color durch Weiße. Sie stehen für Versklavung, Deportation, Mord, Völkermord, Ausbeutung, Landnahme, soziale Ausgrenzung und die Betonung der Weißen Vorherrschaft. Zu behaupten, diese Zeichen wären rein ästhetische und darüber hinaus neutral, bedeutet die Leugnung dieser (gemeinsamen) Geschichte.

    Die stereotypen Darstellungen beschränken sich allerdings nicht nur auf die rassistisch konnotierten Aspekte der Figur der Frau Luckerniddle. Auch die Darstellung des Hauswirts Mulberry fällt in diese Kategorie, ebenso der vorgeblich „jüdische Akzent“ des Graham. Eine kapitalismuskritische Intention der Inszenierung rechtfertigt nicht die Verwendung solch drastischer Stereotypen, die auf Machtverhältnissen beruhen, die längst noch nicht überwunden sind. Vielmehr steht die Wiederholung verletzender Klischees dieser Absicht entgegen. Einer selbstkritischen oder ironischen Verwendung solch aufgeladener Mittel fehlt bisher die Grundlage einer breiten kritischen Debatte. Einer solchen Debatte wird auch nicht zugearbeitet, wenn diese Klischees einfach nur wiederholt und nicht dekonstruiert oder kontextualisiert werden.

    Auf die Worte „Die Kunst ist frei“ darf kein „Aber“ folgen. Die Verantwortung, die Kulturschaffende tragen, lässt sich jedoch genauso wenig negieren. Theater findet nicht im luftleeren Raum statt – deshalb bleibt es notwendig, verantwortlich mit dessen Inhalten und Mitteln umzugehen und sich über mögliche gesellschaftliche Auswirkungen im Klaren zu sein. Die ungebrochene und unreflektierte Verwendung rassistischer Bilder wie in diesem Fall fördert innerhalb und außerhalb des Theaters nur eines – Rassismus.

    Grada Kilomba sagt über die kontinuierliche Verwendung rassistischer Zeichen und Sprache: „Es ist ein gutes Beispiel wie Rassismus durch eine Machtdefinition bewilligt wird, das heißt die, die Rassismus praktizieren, haben nicht nur den Glauben an das Richtige ihrer Sache, sondern auch das Privileg und die Macht zu definieren, ob bestimmte Begriffe und Zeichen rassistisch oder diffamierend gegenüber denen sind, die diskriminiert werden. Eine absurde Situation, da die Perspektiven, die Definitionen und das Wissen von denen, die Rassismus erleben, absolut irrelevant werden.“ (HINTERLAND MAGAZINE, Ausgabe #15)

    Es scheint uns, als habe Herr Baumgarten bei dieser Inszenierung weder Schwarze Menschen, noch Menschen of Color als potentielles Publikum mitgedacht.

    Herrn Oberender und Frau Büdenhölzer fordern wir auf, vor Ablauf des Theatertreffens eine Möglichkeit zur öffentlichen Diskussion der Vorgänge zu schaffen. Sie als Vertreter des von öffentlicher Hand geförderten Kunstbetriebs haben die Macht und die Mittel dazu. Nutzen Sie sie!

    Mit besten Grüßen,

    BÜHNENWATCH

  10. Diskussion „Zur Frage des Blackfacing“ am 12. Juni: Sonderveranstaltung im Haus der Berliner Festspiele anlässlich der Inszenierung „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ in der Regie von Sebastian Baumgarten am Schauspielhaus Zürich beim Theatertreffen 2013: Am 12. Juni 2013 von 16:30 bis 18:30 Uhr diskutieren Sebastian Baumgarten, die Aktivisten von Bühnenwatch und andere „Zur Frage des Blackfacing“. Es moderiert Tobi Müller. Der Eintritt ist frei.

    • Ich wäre sehr gern dabei, aber leider ist Berlin doch ein bisschen zu weit weg…

      Zur Diskussion allgemein: Ich glaube, es würde einiges erleichtern, wenn Regisseure wie Baumgarten nicht immer diese verkrampfte Antirassismusrechtfertigung bemühen würden, sondern mal klar und deutlich sagen: Ich möchte das so machen, ich finde das super, ich hab da Spass dran, das ist meine künstlerische Freiheit, da lass ich mir auch nicht reinreden. So wie sich Zadek ja auch ganz offen zu den eigenen rassistischen Phantasien bekannt und klipp & klar gesagt hat: Genau das möchte ich mit Othello auf die Bühne bringen. Das wäre mal ein ehrlicher Standpunkt, mit dem man sich auseinandersetzen könnte.

      Aber dieses „wir machen das ja nur, um den Rassismus zu kritisieren, das soll doch der Gesellschaft den Spiegel vorhalten“ usw., das ist für mich ungefähr so glaubwürdig, wie wenn in einer Aufführung von, sagen wir mal, „Bernarda Albas Haus“ die Schauspielerinnen permanent nackt rumrennen, und dass dann vom Regisseur begründet wird mit „Also, ist natürlich nur so, damit der Sexismus der Gesellschaft entlarvt wird, das soll die Degradierung der Frauen kritisieren…“