Ist das noch Theater, Herr Meyerhoff?

von Johannes Schneider

Um 0.30 Uhr, nach fünf Stunden Solo-Lesung der ersten drei Teile seiner autobiographischen Reihe „Alle Toten fliegen hoch“ und anschließendem Publikumsgespräch, nimmt sich Joachim Meyerhoff noch Zeit für den tt-Blog. Unausgesprochen im Mittelpunkt des Gesprächs steht die Frage, die Kollege Matthias Weigel in seinen „Pausentönen“ zu Meyerhoffs Premiere am Mittwoch angestoßen hat: Ist das noch Theater?

2005 haben Sie hier im Maxim-Gorki-Theater mit „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war?“ ein Stück inszeniert, das Ihre eigene Biographie thematisiert, damals allerdings noch mit Schauspielern und verteilten Rollen. Nun lesen Sie bei „Alle Toten fliegen hoch“, das sich ebenfalls stark aus Ihrer Biographie speist, nur noch vor. Wundert es Sie, dass Sie mit dieser viel weniger theatralen Form zum Theatertreffen eingeladen wurden?

Ich finde nicht, dass diese Form weniger theatral ist. (mehr …)

Pausentöne

von Matthias Weigel

Über fünf Stunden geht Alle Totel fliegen hoch 1-3 von und mit Joachim Meyerhoff, das heute im Maxim-Gorki-Theater in Berlin seine tt09-Premiere hatte. Theaterreporter Matthias Weigel berichtet wie Theaterkritiker früher: per Telefon. Lesen Sie die Telegramme aus den Pausen. (mehr …)

Ein schmaler Grat

von Kristin Becker

Der Schauspieler Joachim Meyerhoff erzählt in seinem mehrteiligen Soloprojekt „Alle Toten fliegen hoch“ aus seiner Biographie – nicht ohne einige Verschiebungen und Verfremdungen einzubauen. Selbst seine Dramaturgin Sibylle Dudek kennt nicht die ganze Wahrheit – und findet das gut so, wie sie auf dem Weg zum Berliner Maxim-Gorki-Theater berichtet, wo heute Abend die Teile 1 bis 3 ihre tt09-Premiere feiern.

Die Dramaturgin Sibylle Dudek

Hilft Joachim Meyerhoff beim theatererzählerischen Balanceakt: Die 31jährige Dramaturgin Sibylle Dudek, dieses Jahr Stipendiatin beim Internationalen Forum. Foto: Kristin Becker

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Seit Jahren beschäftigen Sie sich mit Ihrer Familiengeschichte: Wissen Sie überhaupt noch, was wahr ist und was nicht?

von Joachim Meyerhoff

Wir haben die Regisseure der zum tt09 eingeladenen Inszenierungen um einen kurzen Blog-Beitrag gebeten, indem wir ihnen eine Frage stellten. Joachim Meyerhoff, Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters seit 2005, gibt Einblicke in seine Erfindung der Wahrheit.

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Wer sich erinnert, kann etwas erzählen: Joachim Meyerhoff in "Alle Toten fliegen hoch Teil 3" am Burgtheater Wien. In Berlin bringt er alle drei Teile zusammen auf die Bühne. Foto: Reinhard Werner

Natürlich weiß ich ganz genau, was wahr ist und was nicht. Aber was das nun für eine Wahrheit ist, die ich für die tatsächliche halte, und was das für eine Unwahrheit ist, die ich für die erfundene halte, das weiß ich oft nicht. Ich habe für mich herausgefunden, dass sich meine Erinnerungen aus völlig unterschiedlichen Wahrheitsarten zusammensetzen. Der faktischen Wahrheit, die sich in unabänderlichen Tatsachen manifestiert – allen faktischen Wahrheiten voran der Tod geliebter Menschen und auch der eigene Tod, als unfassbare, absolute Wahrheiten. Dann gibt es aber auch noch eine atmosphärische Wahrheit. Meine Erinnerungen an bestimmte Stimmungen, Orte, Menschen, und eben sehr wichtig: die erfundene Wahrheit. (mehr …)