Die Messe ist gelesen, es bleibt das Evangelium!

von Johannes Schneider

Das Theatertreffen ist vorbei, die Theaterferien stehen vor der Tür. Eine Möglichkeit, zumindest einige Themen des Treffens (Biographismus, Betroffenheit, Schlingensief) präsent zu halten: Man liest Christoph Schlingensiefs „Tagebuch einer Krebserkrankung“ So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein. Eine Empfehlung.

Generalprobe Kirche der Angst

Inszenieren, zelebrieren, schreiben: Schlingensief (hier in der "Kirche der Angst vor dem Fremden in mir") macht alles. Foto: Jan Zappner

Die Fragmente der Schlingensiefschen Tonbandprotokolle aus der Zeit seiner Krebserkrankung, die das Stück „Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir“ teilweise übermächtig emotionalisierten und die nun im Textkorpus des Buchs „So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein“ aufgegangen sind, wirken transkribiert und gedruckt deutlich weniger dramatisch: Die Krebsdiagnose („Wir haben den Befund und das ist große Scheiße“) liest sich lakonisch, die Aufzählung der möglichen Leidenswege („Operation, Chemo und Bestrahlung, oder eben erst Chemo, dann Operation, danach Bestrahlung und dann noch mal Bestrahlung … oder Chemo.“) erscheint in Schlingensiefs „Tagebuch einer Krebserkrankung“ (so der Untertitel) schlicht sachlich. (mehr …)

Das Kreuz mit der Kunst

von Kristin Becker

112-mal kommt Gott in seinem „Tagebuch einer Krebserkrankung“ vor. Wesentlich öfter als Joseph Beuys. Christoph Schlingensief ist kein Atheist, sondern, wie er selbst sagt, „praktizierender Christ“. Er zahlt Kirchensteuer und würde dem Papst gerne mal die Meinung sagen. In unserem Lagebericht zur Theologieverträglichkeit seiner Kunst sind sich zwei Priester uneins. Hören Sie unter dem Beitrag außerdem, was Schlingensief selbst über Himmel, Glaube, Blasphemie, das göttliche Prinzip und den Vatikan sagt.

Foto: Jan Zappner

Fast echt: Der Altarraum der Oberhausener Herz-Jesu-Kirche als Nachbau in Christoph Schlingensiefs „Kirche der Angst“. Foto: Jan Zappner

„Jesus ist trotzdem nicht da, und Gott ist auch nicht da, und die Mutter Maria ist auch nicht da.“ Es scheint schlecht bestellt um Glauben und Gottvertrauen in Christoph Schlingensiefs Inszenierung „Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir“. Angesichts seiner Krebserkrankung sind alle Gewissheiten in Frage gestellt, und die Wut auf die Unerklärlichkeit und Ungerechtigkeit des Schicksals bricht sich in einem brachialen Oratorium Bahn. (mehr …)

Der Ton zum Film

von Elise Graton und Jan Zappner

Gestern Abend war die Aufführung von Christoph Schlingensiefs „Eine Kirche der Angst“ ja regelrecht ausverkauft. Dennoch konnten viele der an der Kasse leer ausgegangenen Besucher dank einer vor Ort von ZDF und 3Sat organisierten Videoübertragung einen Eindruck vom Stück bekommen. Ein Stimmungsbericht.

 

Wie ein Bahnmitarbeiter zum Bühnenpriester wurde

von Kristin Becker und Anna Postels

Eugen Dittrich hat sein Leben lang bei der Deutschen Bahn gearbeitet. Dann hat er das Theater entdeckt, oder besser: das Theater ihn. Zur Zeit spielt er in Christoph Schlingensiefs „Kirche der Angst“ den Oberpriester. Wie es dazu kam, hat der 69-jährige Mainzer Kristin Becker und Anna Postels erzählt. Zum Anhören des Podcast unter den Fotos auf „Play now“ klicken.

Eugen Dittrich als Schlingensiefs Oberpriester und privat. Foto: Jan Zappner

Vorher-Nachher-Bilder: Eugen Dittrich, der Oberpriester der „Kirche der Angst“, in seinen zwei Gewändern. Fotos: Jan Zappner

Bekenntnisse am Eingang

von Blog-Redaktion

Überall sein, wenn alles los geht: Die Blog-Redaktion verteilte sich beim Start des Berliner Theatertreffens vor dem Eingang des Hauses der Berliner Festspiele, hielt Ausschau nach Prominenz diverser Provinienz, saß in der Aufführung von Christoph Schlingensiefs „Kirche der Angst vor dem Fremden in mir“ auf Bank XV und wartete am Ausgang auf die Kollekte der Eröffnungs-Erkenntnisse. (mehr …)

Bedienungsanleitung für Kirchengänger

von Johannes Schneider

Mit Christoph Schlingensiefs Krebs-Oratorium „Die Kirche der Angst vor dem Fremden in mir“ ist dem Publikum gleich zu Anfang des diesjährigen Theatertreffens eine echte Aufgabe gestellt: „Irritiert“, „fassungslos“, „verstört“ verließen die Rezensenten die Premiere bei der Ruhrtriennale im vergangenen Jahr.

Generalprobe zur Kirche der Angst von Christoph Schlingensief. Fotos: Jan Zappner

Reguläre Karten für die 260 Plätze pro Vorstellung gibt es natürlich nicht mehr. Christoph Schlingensiefs „Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir“ ist eines der begehrtesten Stücke beim Theatertreffen – und eines mit den wenigsten Plätzen. Um doch noch ein paar Menschen reinzuquetschen, wurden auch für die Generalprobe Karten ausgegeben. Und auch wir vom tt-Blog durften dabei sein. Auf der Bühne neben Christoph Schlingensief himself auch eine Masse an Schauspielern, Sängern, Chören und Statisten mit merkwürdigen Kleidern und Frisuren. Fotos: Jan Zappner

Die theaterkritischen Zugriffe schienen durch die biographische und religiöse Intensität von Schlingensiefs „Kirche“ außer Kraft gesetzt: „Schlingensief macht sich unangreifbar, weil der (kranke) Mensch Schlingensief inszeniert ist“, befand Dirk Pilz in der Berliner Zeitung. „Da will einer was wissen von Gott, und er geht den direkten Weg, bedient sich der Rituale, die in der Amtskirche oft so abgespielt wirken“: Rüdiger Schaper verstand die Inszenierung im Tagesspiegel gar als religiöses Meisterwerk.

Mit entsprechend großer Spannung wird das Stück nun beim Theatertreffen erwartet. Aus der Blog-Redaktion werden, nach überstandener Generalprobe, hier die FAQ (frequently asked questions) des verunsicherten Premierenpublikums beantwortet: (mehr …)

Lassen Sie sich zwangskonvertieren!

von Matthias Weigel

Die erste Inszenierung naht. Die Karten sind längst ausverkauft. Das macht aber vielleicht gar nichts…

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Alle Anhänger können außerdem am 2. Mai um 20.15 Uhr auch 3sat gucken.

Public Viewing im Kirchenschiff

von Jan Zappner