Weiber!

von Kristin Becker und Anna Postels

95 Jahre alt und trotzdem aktuell: „Der Weibsteufel“ des österreichischen Autors Karl Schönherr, inszeniert von Martin Kušej, zeigt eine überraschend emanzipierte Frau, die sich von den Männern nimmt, was sie will. Am Ende ist einer tot, der andere im Gefängnis, und die Frau erbt das Haus. Was haben diese Typen nur falsch gemacht? Das Dr.-Sommer-Team des tt-Blogs antwortet vertrauensvoll in der Ratgeberecke.

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Birgit Minichmayr ertanzt sich als "Weib" einen eigenen Weg. Foto: Georg Soulek

Lieber Ehemann,

das Stück ist zuende, Du bist tot, hast Dein Haus und vor allem Deine Frau verloren. Was ist schief gelaufen?

1. Du warst treusorgend und hast mit wirtschaftlichem Weitblick versucht, Deine Existenz aufzubauen und zu sichern. So weit, so gut. Aber Frauen wollen nicht nur das traute Heim, sondern auch einen Mann, der sie mit Worten und Taten verführt. Der mal Rosen mitbringt (oder wenigstens ein Gänseblümchen), für sie Bäume ausreißt (statt sie zu stapeln) und nicht nur seine Muskeln, sondern auch seinen Charme spielen lässt.

2. Und hast Du mal in den Spiegel geschaut? Dieser holzige Haarschnitt hätte dringend einer Überarbeitung bedurft, Trachtenjacken sind wirklich out und dieser weiße Männerschlüpfer sowieso. Außerdem – Überraschung – sind dauerverschwitzte Männerkörper nicht für jede Frau ein Aphrodisiakum. Ebenso wenig wie nasse Füße und kalte Hände! Damit will ein Frauenkörper nicht berührt werden.

3. Schon gar nicht, wenn dazu ein schnaufender Mann gehört, dem beim Liebesspiel (konnte man das bei Euch überhaupt so nennen?) regelmäßig die Puste wegbleibt. Öfters mal eine Runde Joggen durch den Wald hätten sicher nicht nur Deiner Konstitution und Kondition gut getan, sondern auch dem Koitus.

4. Apropos Liebesspiel – einfach oben drauflegen ist nicht nur uninspiriert, sondern einfach schlechter Stil. Du hättest Deine Frau ruhig mal fragen können, ob sie eigentlich überhaupt Lust hat, wenn Du gerade mal wieder soweit warst. Überhaupt wäre ein bisschen Interesse an ihren Bedürfnissen sicher der gemeinsamen Lust zuträglich gewesen.

5. Letzteres scheint ja ein Grundproblem Eurer Beziehung gewesen zu sein. Geld und Haus hin oder her: Wenn der Sex nicht stimmt (und fast nie stattfindet), kann es auf Dauer nichts werden. Vor allem wenn ein heißer Typ vor Eurer Haustür herumschleicht.

6. Womit wir beim Hauptthema wären: Deine Frau – auch nur zum Schein – an einen anderen, noch dazu gutaussehenden und potenten Mann zu verschachern, war eine verdammt dumme Idee. Schon mal was davon gehört, dass Frauen eigenständige und – hey – denkende und fühlende Wesen sind, die im Gegensatz zu Deiner immer wieder laut geäußerten Meinung auch bei Verehelichung nicht in den Besitz des Mannes übergehen?

Unser Rat: Junge, Junge, Du hast da einiges in den Sand gesetzt und leider mit fataler Konsequenz. Aber aus Fehlern lernt man bekanntlich. Im nächsten Leben wäre ein Grundkurs in Psychologie vielleicht ein guter Anfang.

Dr. Becker


Lieber Liebhaber,

Du fragst Dich, warum Du im Gefängnis sitzt und Deine heiße Affäre Dich verlassen hat? Das hast Du falsch gemacht:

1. Als Du die Frau kennen gelernt hast, hast Du gedacht, Du wärst ein toller Typ, groß und kräftig und in Uniform, klar, das mögen Frauen. Aber mit deiner plumpen Anmache „Ich bin ein bisschen scharf auf Sie“ hat Eure Beziehung gleich ungünstig begonnen. Anfängliche Grenzziehungen oder -übertretungen können nicht mehr rückgängig gemacht werden.

2. Du hast Dich von Deinem Trieb steuern lassen! Du fandest sie toll und wolltest sie haben. Als sie sich dann im Schlüpfer auf Deinen Schoß setzte, hat Dein Verstand ausgesetzt. Du bist ein Mann, der sich nur schlecht kontrollieren kann. Bei Deinem hitzigen Gemüt solltest Du Dir einen Entspannungssport suchen, vielleicht Yoga.

3. Mehrmals hast Du die Gefühle dieser Frau verletzt. In ihrem verletzbarsten Punkt hast Du sie getroffen, als Du die Truhe mit den Babysachen gegen ihren Willen geöffnet hast. Da hättest Du sensibel sein müssen! Auch wenn ihr Mann zeugungsunfähig gewesen sein sollte und ihr größter Wunsch ein Kind war –
Du warst da noch lange nicht die Lösung!

4. Apropos: Sie war mit einem anderen verheiratet! Klar, dein Jagdtrieb war genau deshalb geweckt, gegen so einen kleinen Mann, der sie noch nicht einmal befriedigen konnte, wolltest Du mühelos bestehen. Hast Du denn nicht gemerkt, dass sie Dich nur benutzt hat? Du hast sie aus der Lethargie ihrer Ehe herausgerissen, wahrscheinlich hat sie Deine Verehrung sogar genossen, aber eigentlich warst Du nur Mittel zum Zweck, um den Ehemann aus dem Weg zu schaffen.

5. Du bist ein einfach gestrickter Mann und im Grunde ziemlich jämmerlich, man muss es so klar sagen. Diese Frau war Dir intellektuell überlegen. Wahrscheinlich hat sie mit ihren Freundinnen über Dich gelacht und gesagt: „Männer sind ja so dumm, man könnte Türen einrennen.“

6. Du hast dich in Sie verliebt! Sie hat Dir einfach ein bisschen ihr schlankes Bein gezeigt und schon warst Du Hals über Kopf verschossen. Du hast ihr gesagt: „Wenn ihr Weiber einen habt, dann habt ihr ihn ganz“, das ist gut, weil Du da Dein Problem schon erkannt hast. Leider hat das die Situation nicht verändert. Du konntest trotzdem nicht mehr aufhören an sie zu denken und bist zum Liebestrottel geworden.

Unser Rat: Du musst sie Dir aus dem Kopf schlagen, denn es hat überhaupt keinen Sinn zu hoffen, dass sie auf Dich wartet. Sie hat von ihrem Mann das Haus geerbt und macht sich nun ein schönes Leben mit wechselnden Liebhabern, die jünger und knackiger sind als Du. Vielleicht probierst Du’s auch mal damit?

Dr. Postels

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