Artikel-Schlagworte: „Christoph Schlingensief“

Bemerkenswert gut gestimmt

von Blog-Redaktion

Es wurde gearbeitet, bis spät in die Nacht, es wurde zu jeder Tageszeit geschnitten, geschrieben, fotografiert, gefilmt und produziert, es wurde gefeiert, es wurde diskutiert und geplant. Der Theatertreffen-Blog, der in diesem Jahr zum ersten Mal die tt-Festivalzeitung ersetzte, begleitete das Theatertreffen 2009 in Text, Bild und Ton, mit Fotogalerien, Audioporträts, Nachtkritiken, Interviews, Beziehungstipps, einem ABC und sogar Selbstkomponiertem. Zum Abschluss des Festivals zieht die Blog-Redaktion Bilanz.

_mg_6104

Bis in die frühen Morgenstunden sorgte Blogger Johannes Schneider mit Ukulele und Köl'scher Mundart für Gruppenharmonie: bemerkenswert. Foto: Jan Zappner

Eine gewaltige Überdosis

Die Sicht durch ein beeindruckendes Riesenauge auf einen persönlichkeitsgespaltenen Josef K.. Die Kraft einer Birgit Minichmayr, mich allein mit ihrer Stimme von der Probebühne zu fegen. Eine bezaubernde Maren Eggert, die in der warmen Abendsonne sanft strahlte. Unser Mentor, der akribisch die maßlose Nutzung von Adjektiven abmahnte. Ein bemerkenswertes Team, in dem Streit nicht Untergang und Party nicht Ausschlafen bedeutete. Und – (mehr …)

Die Messe ist gelesen, es bleibt das Evangelium!

von Johannes Schneider

Das Theatertreffen ist vorbei, die Theaterferien stehen vor der Tür. Eine Möglichkeit, zumindest einige Themen des Treffens (Biographismus, Betroffenheit, Schlingensief) präsent zu halten: Man liest Christoph Schlingensiefs „Tagebuch einer Krebserkrankung“ So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein. Eine Empfehlung.

Generalprobe Kirche der Angst

Inszenieren, zelebrieren, schreiben: Schlingensief (hier in der "Kirche der Angst vor dem Fremden in mir") macht alles. Foto: Jan Zappner

Die Fragmente der Schlingensiefschen Tonbandprotokolle aus der Zeit seiner Krebserkrankung, die das Stück „Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir“ teilweise übermächtig emotionalisierten und die nun im Textkorpus des Buchs „So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein“ aufgegangen sind, wirken transkribiert und gedruckt deutlich weniger dramatisch: Die Krebsdiagnose („Wir haben den Befund und das ist große Scheiße“) liest sich lakonisch, die Aufzählung der möglichen Leidenswege („Operation, Chemo und Bestrahlung, oder eben erst Chemo, dann Operation, danach Bestrahlung und dann noch mal Bestrahlung … oder Chemo.“) erscheint in Schlingensiefs „Tagebuch einer Krebserkrankung“ (so der Untertitel) schlicht sachlich. (mehr …)

Ode an Peymann

von Kristin Becker

Gestern Abend hat uns Claus Peymann, Intendant des Berliner Ensembles, den Glauben an das deutsche Theater zurückgegeben. Im Preiskampf hat er mit überzeugenden Argumenten – wir hatten auch einige – die Gegner aus dem Feld geschlagen und am Ende triumphiert. Ein großer Auftritt.

_mg_6697_peymann_450px

Die 3Sat Preiskampf-Juroren Claus Peymann und Jenny Erpenbeck in Aktion. Foto: Jason Kassab-Bachi

Lieber Claus Peymann,

auch wenn es gestern Abend keinen Ringrichter gab, den Kampf hast Du nicht nur durch das kollektive K.O. Deiner Mitstreiter gewonnen, sondern auch klar nach Punkten. (mehr …)

Schizophren vereinigt

von Matthias Weigel

Vier Persönlichkeiten ergeben einen Franzkarl Moor. Vier Engelteufel toben in einer Person. In Nicolas Stemanns Inszenierung von Schillers „Die Räuber“ dividieren und multiplizieren vier Schauspieler die Zerrissenheit eines Menschen zwischen Freiheit und Bindung, Verantwortungslosigkeit und Liebesbedürfnis, Stolz und Opportunismus. Ein Abend gegen alle, ein kleines Resümee zur Halbzeit.

die-rauber_c-arno-declair_01_450px

Die Faust sprechen lassen: Die vier "Räuber" in Nicolas Stemanns zum tt09 eingeladener Inszenierung. Foto: Arno Declair

Man könnte Nicolas Stemanns Theater als einen Gegenentwurf zum Theater Jürgen Goschs sehen. Wo bei Gosch unkenntlich ist, inwieweit das Spiel überhaupt verabredet ist und ob der Begriff des Darstellens (noch) angebracht ist, ist Stemanns Inszenierung eine einzige große Verabredung, eine artifizielle Konstruktion. (mehr …)

Warum Afrika, Herr Schlingensief?

von Johannes Schneider und Matthias Weigel

Christoph Schlingensief will in Afrika (Burkina Faso, Kamerun, Mosambik?) ein Festspielhaus bauen, und die tt-Blog-Redaktion lässt dieses Thema nicht los. Nach Frank-Walter Steinmeier äußert sich nun auch der Initiator bei einem Gespräch im unteren Foyer, Haus der Berliner Festspiele, 3. Mai 2009.

[media id=50 width=430 height=320]

Liebe Theatergemeinde!

von Anna Postels

Hortensia Völckers als Podcast. Die Direktorin der Kulturstiftung des Bundes hielt am 1. Mai die Eröffnungsrede des Theatertreffens: was das Theaterspielen an der Erika-Mann-Schule in Berlin-Wedding verändert hat, warum das Theater die „menschliche Urveranstaltung“ ist und wie Christoph Schlingensiefs Glaube an „gemeinschaftliche Aufmerksamkeit“ verstanden werden kann. Für alle, die nicht dabei waren, ist die Rede hier noch einmal exklusiv und komplett nachzuhören.

Hortensia Völckers. Foto: Jan Zappner

"An welches Theater glauben wir?" fragt sich Hortensia Völckers. Foto: Jan Zappner


Das Kreuz mit der Kunst

von Kristin Becker

112-mal kommt Gott in seinem „Tagebuch einer Krebserkrankung“ vor. Wesentlich öfter als Joseph Beuys. Christoph Schlingensief ist kein Atheist, sondern, wie er selbst sagt, „praktizierender Christ“. Er zahlt Kirchensteuer und würde dem Papst gerne mal die Meinung sagen. In unserem Lagebericht zur Theologieverträglichkeit seiner Kunst sind sich zwei Priester uneins. Hören Sie unter dem Beitrag außerdem, was Schlingensief selbst über Himmel, Glaube, Blasphemie, das göttliche Prinzip und den Vatikan sagt.

Foto: Jan Zappner

Fast echt: Der Altarraum der Oberhausener Herz-Jesu-Kirche als Nachbau in Christoph Schlingensiefs „Kirche der Angst“. Foto: Jan Zappner

„Jesus ist trotzdem nicht da, und Gott ist auch nicht da, und die Mutter Maria ist auch nicht da.“ Es scheint schlecht bestellt um Glauben und Gottvertrauen in Christoph Schlingensiefs Inszenierung „Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir“. Angesichts seiner Krebserkrankung sind alle Gewissheiten in Frage gestellt, und die Wut auf die Unerklärlichkeit und Ungerechtigkeit des Schicksals bricht sich in einem brachialen Oratorium Bahn. (mehr …)

Warum Afrika, Herr Steinmeier?

von Johannes Schneider

Bei einer Podiumsdiskussion zum Thema „Politik und Privatheit“ trafen am 2. Mai im Rahmenprogramm des Theatertreffens zwei zusammen, die gemeinsam etwas vorhaben: Christoph Schlingensief will in Afrika ein Opernhaus errichten, Außenminister Frank-Walter Steinmeier will ihn dabei unterstützen. Aber warum eigentlich?

Bis gestern war diese Information irgendwie schillernd gewesen: Christoph Schlingensief möchte ein Opernhaus in Afrika bauen, auf einem grünen Hügel irgendwo in Tansania oder Burkina Faso, und sein prominentester Fürsprecher ist der Außenminister und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier persönlich.

Steinmeier und Schlingensief

Privates Nachdenken im öffentlichen Raum, Deutschland, Haus der Berliner Festspiele, oberes Foyer: Podiumsdiskussion unter anderem mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier, Regisseur Christoph Schlingensief und "kulturzeit"-Moderatorin Tina Mendelsohn. Fotos: Jan Zappner

Im Kopf erstanden die herrlichsten Bilder, wie diese Konsensfindung wohl abgelaufen sein könnte – bei irgendeinem Empfang in irgendeinem Garten, oder an irgendeiner Bar nach irgendeinem Podium, auf jeden Fall irgendwas mit Sektflöten in der Hand: „Wir haben da unten immer geklaut, und jetzt klauen wir eben transparent, und wir dürfen da klauen, denn da kommen wir her“, hätte Schlingensief seinen ganz eigenen Kulturimperialismus definiert. (mehr …)

Wie ein Bahnmitarbeiter zum Bühnenpriester wurde

von Kristin Becker und Anna Postels

Eugen Dittrich hat sein Leben lang bei der Deutschen Bahn gearbeitet. Dann hat er das Theater entdeckt, oder besser: das Theater ihn. Zur Zeit spielt er in Christoph Schlingensiefs „Kirche der Angst“ den Oberpriester. Wie es dazu kam, hat der 69-jährige Mainzer Kristin Becker und Anna Postels erzählt. Zum Anhören des Podcast unter den Fotos auf „Play now“ klicken.

Eugen Dittrich als Schlingensiefs Oberpriester und privat. Foto: Jan Zappner

Vorher-Nachher-Bilder: Eugen Dittrich, der Oberpriester der „Kirche der Angst“, in seinen zwei Gewändern. Fotos: Jan Zappner

Bekenntnisse am Eingang

von Blog-Redaktion

Überall sein, wenn alles los geht: Die Blog-Redaktion verteilte sich beim Start des Berliner Theatertreffens vor dem Eingang des Hauses der Berliner Festspiele, hielt Ausschau nach Prominenz diverser Provinienz, saß in der Aufführung von Christoph Schlingensiefs „Kirche der Angst vor dem Fremden in mir“ auf Bank XV und wartete am Ausgang auf die Kollekte der Eröffnungs-Erkenntnisse. (mehr …)