6. Mai 2010 - 16:22 uhr

Wünsch dir was

von Barbara Behrendt

Eine noch ausgeruhte Redaktion: Shane Anderson, Judith Liere, Kai Krösche, Anna Pataczek, Barbara Behrendt, Alexandra Müller, Elisabeth Hamberger, Kim Keibel (v.l.). Foto: Kim Keibel

Bestimmte Räumlichkeiten verlangen einen bestimmten Verhaltenskodex. Wenn man als Blogredaktion schon im Intendantenzimmer konferiert und wenn dieses Zimmer auch noch eben solches ist, in dem sonst die Theatertreffen-Jury tagt – da passt man sich an. Und überlegt ganz selbstverständlich: Wen hätte man selbst zum Theatertreffen 2010 eingeladen? Welche Produktionen fehlen im Programm? Christoph Schlingensiefs Ready-Made-Oper „Mea Culpa“ über die existenziellen Themen Krankheit, Schuld, Leben, Sterben und Tod fand sofort Fürsprecher. Die intelligente, verstörende Auseinandersetzung junger Israelis, Palästinenser und Deutscher mit der Geschichte ihres Landes in Yael Ronens „Dritte Generation“ wäre auch bei unserem Wunsch-TT-2010 dabei gewesen. Weitere Stimmen fielen auf das Herbert-Achternbusch-Drama „Susn„, inszeniert von  Thomas Ostermeier und Antú Romero Nunes‘ radikale Identitätssuche in „Invasion„. Die ungewöhnliche, englischsprachige Performance „An Anthology of Optimism“ von Pieter de Buysser und Jacob Wren wurde ebenfalls vermisst. Von einem „Krisen-Tableau“ kann man bei unserer Top-Five-Auswahl nicht gerade sprechen, und wenn, dann nur im Zusammenhang mit einer Anthologie des Optimismus. Aber eine Gemeinsamkeit hat unsere Wunschtüte  doch mit der  Wahl der realen Jury: Fünf sind klar, aber „die fünf, die die zehn dann voll machen, hätten auch andere sein können.“ Sagt Jurorin Eva Behrendt. Bei uns finge jetzt das Feilschen an.

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Bisher 2 Kommentare

  1. Avatar Shane Anderson sagt:

    This juror would like to be more transparent with his selection and would like to make his nomination speech available for the public at large.

    Begin transmission:

    **********

    As a member of this jury, my selection, hands down, is Pieter de Buysser and Jacob Wren’s „An Anthology of Optimism,“ which promotes the healthiest, most fascinating approach to today’s world – namely, critical optimism – and which does so in a way that is neither obtrusively didactic nor pedantic. The lecture/performance was so tender, thoughtful and beautiful, that I can’t remember the last time I left the theater more aware, more inspired and more willing to question my own perceptions. Isn’t that what defines great art? Creating awe and yet establishing some orientation in/to the world?

    **********

    End transmission

  2. Avatar hans sagt:

    Also was mich nach diesem Beitrag am meisten beschäftigt: Wie kann Kim Keibel das Foto gemacht haben, wenn Kim Keibel aber doch darauf zu sehen ist?
    Zählt bei Selbstauslöser der Selbstauslöserauslösende noch als Urheber, oder ist durch die anschließende unkontrollierte Gestaltung des Bildobjekts nicht eine Art selbstständiges Kunstwerk entstanden, an dem Maschine und Bildobjekt (in das sich die Auslösende ja eingereiht hat, und somit nichtmehr als schöpfendes Subjekt zählt) gleichermaßen Anteil besitzen?

    Anm. d. Redaktion: Ja, der Selbstauslöser war’s. Für die Verzögerung zwischen Knopfdruck und Aufnahme ist die Fotografin trotzdem selbst verantwortlich. Hier hat sie die Zeit genutzt, ins Bild zu springen …