16. Mai 2010 - 10:41 uhr

In welchem Workshop warst du eigentlich?

von TT-Blog Redaktion

Ein internationales Theatertreffen im Theatertreffen: So versteht sich die in diesem Jahr erstmalig stattfindende Konferenz „Achtung Transit“, die heute mit einer öffentlichen Publikumsdiskussion um 17 Uhr zu Ende geht. Unter dem Aufruf „Meet International Theatre Makers“ begegnen sich an drei Tagen internationale Gäste des Goethe Instituts, des Festivals und eingeladene Experten. Wir besuchten die Workshops am Samstag, 15. Mai, hier treffen sich unsere Eindrücke.

Im Workshop „Künstler abroad – Der unbekannte Passagier“ ging es um die Frage, wie internationale Theaterarbeit funktionieren kann. Der polnische Regisseur Woitek Klemm erzählte von seinen Inszenierungserfahrungen in Deutschland, Polen und Israel. Andere Theaterkulturen und vor allem -strukturen können zu Missverständnissen führen und den Austausch schwierig machen. Das größte Problem sei dabei, die „koloniale Haltung“ abzulegen, also nicht zu denken: „Ich komme aus dem ‚richtigen‘ Theaterland, lasst es uns so machen, wie ich es kenne“, erklärte Klemm. Letztlich bleibe Theater etwas sehr Lokales, da waren sich alle Workshop-Teilnehmer einig, und die Globalisierung hat Grenzen, die man akzeptieren muss. Was – auch im übertragenen Sinne – im Heimatland als Erotik gilt, kann im Gastland schon Porno sein. (Judith Liere)

Due to weather conditions, the group ‚architecture as stage‘ with stage designer Kathrin Frosch and technical director of Berliner Festspiele Andreas Weidmann remained in doors and discussed mobile theater, its history and future. We discussed the possibilities, the necessities and the absurdities of a theater group that travels from one place to another – whether this be within one city (i.e. a theater group that performs in the metro) or a troupe that moves from one city to the next.  Questions were asked as to why the theater would travel. For pedagogical, financial or artistic reasons? Though there weren’t many definite answers, there were a number of interesting conversations focusing mostly on experiences we’ve had, whether as viewers, producers, actors, or stage designers. My group presented a ‚mobile theater‘ that exploited its many various senses, but before I can share that with you, I have to send in the copyright forms to the government…  🙂 (Shane Anderson)

Der weitgehend als Vortrag gehaltene Workshop „Culture Business“ von Carol Corellou (Berliner Festspiele) und Michael Thoss (Allianz Kulturstiftung) bot praxisbezogene Ratschläge zur Vorgehensweise bei der Suche nach privaten Sponsoren für Kultur-Projekte. Da der Workshop jedoch ein millionenschweres Großprojekt der Berliner Festspiele als Beispiel für die präsentierten Schlussfolgerungen heranzog, dürften die selten in Betrieben dieser Größenordnung arbeitenden Teilnehmer ein wenig ratlos gewesen sein: Auf Nachfrage hin wurden jedoch auch hilfreiche, wenn auch nicht ganz überraschende Tipps zur Sponsorensuche auch bei freien (Theater-)Projekten geliefert. Ein von Michael Thoss gegebener Einblick in die Arbeit der Allianz Stiftung gab einen guten Überblick über Auswahlkriterien und Förderungsvergabepraxis gemeinnütziger Stiftungen: Anträgen per SMS sei nur selten Erfolg beschieden. (Kai Krösche)

„WHO THE F*** IS A DRAMATURG?“ – dieser interessanten Fragestellung gingen wir in gleichnamigem Workshop nach. Jan Linders (Dramaturg am Theater Heidelberg) und Christian Holzhauer (Dramaturg am Stuttgarter Staatstheater) waren dabei behilflich. Diskutiert wurde auf Englisch und gezeichnet obendrein. Wie so ein Dramaturg denn wohl aussieht? Wirres Haar und dicke Brillengläser vom Dauerlesen oder vielleicht klapperdürr vom permanenten Organisieren und Kommunizieren? Nach eineinhalb Stunden konnte die Frage zwar noch immer nicht so genau beantwortet werden, aber aufschlussreich war es allemal. Vielseitig ist er auf jeden Fall, der Beruf des Dramaturgen, und anstrengend und wichtig. Und dennoch wird er in manchen Ländern nicht gebührend gewürdigt. (Elisabeth Hamberger)

Unter dem Motto „Wer Macht hat Recht“ ging es mit „Repair Berlin“ raus in den Regen – um die Stadt zu verbessern. Rund um die Berliner Festspiele wurden Mängel, vergessene Orte und Alltagsschäden, die sonst kaum auffallen, erkannt und im anschließenden Brainstorming erstmal theoretisch behoben. Nach der wilden Ideensammlung wählten wir dann in Kleingruppen Lieblingsideen aus und strömten aus. So entstand nicht nur eine überdachte Bank in der Spichernstraße („Wir reparieren das Wetter“), sondern auch ein Dancefloor gegen den Kies in der Kassenhalle und ein Luftballon-geschmückter, zum Kunstort aufgewerteter Blozplatz („Wir reparieren die Vergessenheit“). (Alexandra Müller)

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