Artikel-Schlagworte: „Annette Kurz“

Warum Theater?

von Kai Kroesche

Der Theatertreffen-Blog stellte während der gesamten Festivalzeit Theatermachern und -gängern die Frage „Warum Theater?“ auf einem weißen Blatt Papier und bat darum, diese vor Ort, mit Stift, schnell und ohne lange Überlegungszeit zu beantworten. Das stieß bei manchen auf Ablehnung („blöde Frage“, „nicht in so kurzer Zeit“, „Fragen Sie das doch nicht mich, ich mach doch selbst Theater“), bei anderen auf spontane, mal ernste, mal witzige Einfälle. Ein Zettelkasten, unter anderem mit Zeichnungen von Christoph Marthaler, Ulrich Matthes und Karin Beier. (Mehr davon? Der Blick aufs Theater von heute aus der Zukunft gesehen: Future Archive of Theatre). (mehr …)

Mensch und Maschinerie

von Kai Kroesche

Nicht enden wollender Applaus und standing ovations – die Theatertreffen-Premiere von Luk Percevals „Kleiner Mann – was nun?“ fand großen Anklang.  Ebenso wie der seichte Humor, der leider neben der Textlastigkeit einen mehr als nur „bemerkenswerten“ Abend verhinderte.

Der Mensch ist schon am Boden: "Kleiner Mann – was nun?" von Luk Perceval. Foto: Andreas Pohlmann.

Lug und Trug beherrschen die Bühne in Luk Percevals Bühnenadaption von Hans Falladas 1932 geschriebenen Roman „Kleiner Mann – was nun?„. Überlebensgroß zerfließen Bilder aus Walter Ruttmanns Film „Berlin – Die Sinfonie der Großstadt“ (1927) auf schwarzen Wänden und täuschen in ihrer extremen Verlangsamung und einer daraus entstehenden, menschlichen Haltung gegenüber seinem Berlin der zwanziger Jahre über den distanziert-experimentellen Blick hinweg, der den Film eigentlich beherrscht. (mehr …)

Der Schrein trügt

von Kai Kroesche

Mitten auf Annette Kurz‘ ansonsten kahler Bühne zu Luk Percevals „Kleiner Mann – was nun?“-Inszenierung steht groß und bedrohlich ein Orchestrion, für das der Theater- und Filmkomponist Mathis Nitschke einen Theatersoundtrack geschrieben hat. Ein Blick hinter die Kulissen des beeindruckenden Multi-Instruments. Mit Gewinnspiel am Ende.

Unheimlich und faszinierend zugleich: Das Orchestrion von Annette Kurz und Mathis Nitschke.

Es wirkt wie eine dieser beunruhigenden Maschinen aus einer Erzählung von Franz Kafka – fortschrittlich-faszinierend auf der einen, bedrohlich-einschüchternd auf der anderen Seite. Das Orchestrion, das das Bühnenbild zu Luk Percevals „Kleiner Mann – was nun?“  dominiert, ist kunstvoll-technisches Kuriosum und nüchterne Rationalisierungsmaschine zugleich, die die Lochpapierstreifen frisst und ausspuckt wie eine neoliberale Leistungsgesellschaft ihr „Humankapital“. (mehr …)