Artikel-Schlagworte: „Dennis Kelly“

Fürchterliche Folgerichtigkeit

von Kai Kroesche

Stephan Kimmigs Inszenierung von Dennis Kellys „Liebe und Geld“ kam in der Nachtkritik meiner Mit-Bloggerin Judith Liere eher mäßig weg: Anlass für die Verteidigung eines sehr wohl in mehrerlei Hinsicht bemerkenswerten Abends.

Irgendwo, in der Ferne, die andere Möglichkeit: Daniel Hoevels und Susanne Wolff in "Liebe und Geld". Foto: Arno Declair.

Zu den besten Theaterabenden gehören zweifelsohne jene, an denen die unsichtbare Präsenz einer anderen Möglichkeit auf so bittere und schmerzliche Weise spürbar wird, dass die Theater-Erfahrung zu einem Kampf mit den Tränen wird. Die erdrückende Last des Nicht-Sichtbaren ist oft in ganz banalen, ganz unspektakulären Momenten am stärksten: Was dann gern als haltungslos, unterkühlt oder distanziert vorverurteilt wird, entpuppt sich bei zweitem Hinsehen vielmals als in hohem Maße kritisch und parteiergreifend.

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Geld oder Liebe

von Judith Liere

In einer Konsumgesellschaft, in der das Gehalt über Lebensglück oder -unglück entscheidet und der Gier keine Grenzen gesetzt werden, da lässt es sich schlecht lieben. Das klingt ein bisschen plakativ, gleichzeitig auch ziemlich banal – der britische Dramatiker Dennis Kelly hat trotzdem ein Stück daraus gemacht, und der Regisseur Stephan Kimmig hat es auf die Bühne gebracht.

Schon am Anfang ist alles zu Ende. Dennis Kelly lässt sein Stück mit einem Prolog beginnen und erzählt anschließend rückwärts: David, ein erfolgloser Londoner Lehrer, trägt den Email-Wechsel mit seiner französischen Ex-Affäre vor. Was harmlos mit Anekdoten aus dem Büro-Alltag beginnt, wird immer persönlicher, offener, radikaler und schließlich ist raus, was David getan hat: Er hat seine Frau sterben lassen, die nach einer Überdosis Beruhigungstabletten bewusstlos auf dem Bett lag, als er nach Hause kam, mehr noch – David ging los, kaufte Wodka, flößte ihn der Halbtoten ein, auf dass sie auch wirklich sterbe. Sie, und mit ihr die 70.000 Pfund Schulden, die sie durch ihre Kaufsucht angehäuft hat. 70.000 Pfund Schulden, die verhindern, dass David endlich das kaufen kann, was ihm zu seinem Glück fehlt: ein Ford Mondeo. (mehr …)

Kurz danach: Wortreich

von Elisabteh Hamberger

Vorhang runter, Kamera an: die Videokritik, diesmal mit Anna Pataczek und vielen anderen.

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Herzzahl: Gekauft

von TT-Blog Redaktion

Gesehen, gedacht, gepunktet. Direkt nach jeder tt-Premiere beurteilen wir die Inszenierung in vier Kategorien. Am nächsten Tag folgt eine ausführliche Kritik.

Heute: „Liebe und Geld“

* ROMANTIK // ♥ ♥ ♥ _ //

* PRODUCTPLACEMENT // ♥ ♥ _ _ //

* GEFÄLLIGKEIT // ♥ ♥ ♥ ♥ //

* SUSANNE WOLFF // ♥ ♥ ♥ ♥ //

Die alltägliche Glücks-Suche

von Anna Pataczek

David findet seine Frau Jess auf dem Bett liegend, sie hat eine Überdosis Tabletten geschluckt. Anstatt ihr zu helfen, flößt er ihr Wodka ein, um das Sterben noch zu beschleunigen. David wünscht sich einen Ford Mondeo. Und seine Frau leidet an Kaufsucht, verprasst alles Geld. Das verträgt sich eben nicht. Daniel Hoevels und Susanne Wolff spielen das Paar in „Liebe und Geld“ von Dennis Kelly am Thalia Theater in Hamburg (Regie: Stephan Kimmig). Anlässlich der tt-Premiere heute Abend trafen wir uns mit den beiden Schauspielern in der Garderobe des Deutschen Theaters.

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Großes Theater, was nun?

von Anna Pataczek

Vor zweieinhalb Jahren ging Lehman Brothers pleite, die Theaterwelt protestierte kürzlich gegen die Schließung des Schauspielhauses Wuppertal, die Bundesregierung hat soeben die Milliardenhilfen für Griechenland durchgeboxt. Und auf dem Theatertreffen wird einem unbestimmten Krisengefühl stattgegeben.

Es stimmt schon, das Theatertreffen steht im Zeichen der Krise. Doch die Krise, die dieses Theater widerspiegelt, ist zur Lebenskrise ausgewachsen. Es geht um dieses mulmige Bauchgefühl, um Unsicherheiten und Ängste. Nicht um die großen ökonomischen Fakten. Das Private ist politisch. Liebesbeziehungen scheitern wegen Geld. Das ist bei Horváths Kasimir und Karoline so. Das ist bei Falladas Pinneberg und seinem Lämmchen so. Das ist bei David und seiner Frau so, in dem Stück des Briten Dennis Kelly, das auch noch „Liebe und Geld“ heißt.

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