Artikel-Schlagworte: „Die Stunde da wir nichts voneinander wussten“

Vor den Kulissen – Teil 1

von Kim Keibel

Die Fotografin Kim Keibel untersucht das Theatertreffen nicht nur hinter dem Objektiv, sie hat sich auch hinter die Kulissen geschlichen. Allerdings nur, um diejenigen, die sie da gefunden hat, wieder vor die Kulisse zu holen. In ihrer Fotoserie „Vor den Kulissen“ hat sie Techniker, Bühnenmeister und Beleuchter vor der zweiten Aufführung auf die Bühne geschickt. Hier die ersten sechs Kulissen. Fortsetzung folgt.

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Pro „Die Stunde“: Poetisches Spiel mit den Wahrnehmungen

von Anna Pataczek

Eine Zaubershow, bei der der Zuschauer alle Tricks durchschaut, ist eine schlechte Show. Viktor Bodó legt in seiner Inszenierung von Peter Handkes „Die Stunde da wir nichts voneinander wussten“ vom Schauspielhaus Graz alle Tricks offen. Bei ihm entsteht daraus erst die Magie.

Alles eine Frage der Perspektive: "Die Stunde da wir nichts voneinander wussten". Foto: Kim Keibel

Ein Kameramann läuft über die Bühne, die aus Guckkastenmodulen besteht. Er hält drauf, wenn die Schauspieler, zur Hälfte aus dem Grazer Ensemble, zur Hälfte aus Bodós ungarischer Gruppe Szputnyik Shipping Company, Alltagsszenen im Kaffeehaus, im Büro, im Krankenhauszimmer oder Fahrstuhl spielen. Die Kamera dreht sich um 90 Grad, und schon sieht es so aus, als klettere ein Entkräfteter die Häuserwände hoch. Ein Anzugträger wird von einem Motorradfahrer erfasst, er bewegt die Arme und Beine in Zeitlupe. Auf der Leinwand fliegt er in Slow-Motion durch die Luft. Es ist ein Spiel mit Wahrnehmungen.

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Contra „Die Stunde“: Handke 2.0

von Shane Anderson

Peter Handke’s texts for the theater have always been a challenge to the theater. „Die Stunde da wir nichts voneinander wussten“ is no exception: „Die Stunde“s text, which concentrates on a plaza and the movements that take place on it and which has no dialogue and reads more like stage directions, explicitly asks questions as if it didn’t know what to proscribe; it suggests movements but then negates them, stating that they should, in fact, not appear on stage.

Sing-along. "Die Stunde da wir nichts voneinander wussten". Foto: Kim Keibel

Considering such openness and the theoretical apparatus of Roland Barthes‘ death of authors, it is no surprise that Viktor Bodó has taken Handke’s source material and gone in a totally different direction. While Handke offers us old fishermen, Moses, football teams, firemen (who may or may not be running across the stage to a fire or a drill) and women with baskets full of mushrooms, Bodó „updates“ Handke’s text with club kids, violent drunks, frustrated bureaucrats and museum guards. Bodó, in other words, challenges Handke’s challenge to theater, eschewing all of Handke’s suggestions and questions with ideas of his own. Sounds admirable, right? The problem, however, is that if you’re going to challenge/update a text or take it in another direction, you’re obligated to make it as good if not better than the original; otherwise, finding another title for your work seems advisable. Bodó, unfortunately, did not live up to his own challenge.

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Eine halbe Stunde

von Kim Keibel

Eine halbe Stunde dauerte die Fotoprobe für „Die Stunde da wir nichts voneinander wussten“. Die tt-Blog-Fotografin Kim Keibel war da und hielt die Dynamik von Viktor Bodós Inszenierung fest. Weitere Bildergalerien hier.

Kurz danach: Gespalten

von TT-Blog Redaktion

Vorhang runter, Kamera an: die Bilderkritik zum Anschauen und Durchklicken, diesmal mit Alexandra Müller, Shane Anderson und Anna Pataczek, die die Premiere von Viktor Bodós „Die Stunde da wir nichts voneinander wussten“ besucht haben. Fotos: Kim Keibel

Herzzahl: Gedreht

von TT-Blog Redaktion

Gesehen, gedacht, gepunktet. Direkt nach jeder tt-Premiere beurteilen wir die Inszenierung in vier Kategorien, am nächsten Morgen gibt es eine ausführliche Kritik.

Heute: Die Stunde da wir nichts voneinander wussten

  • SPECIAL-EFFECTS // ♥ ♥ ♥ ♥ //
  • URLEIWAND // ♥ ♥ ♥ _ //
  • WERKTREUE // ♥ _ _ _ //
  • TECHNIKERPRÄSENZ// ♥ ♥ ♥ ♥ //

Die Worte von denen wir nichts wussten

von Barbara Behrendt

Bleistifte für Peter Handke, Foto: Kim Keibel

Peter Handke sagt, „über das Geräusch eines Bleistifts könnte ich fast eine Ballade schreiben.“ Er ist dieses Geräusch gewöhnt, er arbeitet immer handschriftlich, immer mit Bleistift. Die Stummel hebt er auf.

Sein Stück „Die Stunde da wir nichts voneinander wussten“ besteht aus 60 Seiten Regieanweisungen. Ein Stück ohne Worte. Weil man diesen Text nie auf der Bühne hört, haben wir vor der tt Premiere heute Abend (Regie: Viktor Bodó) Handkes Worte zum Klingen gebracht. Zwei Minuten, zum Reinhören.

Sprecherin: Barbara Behrendt.

Musik: Caboume „Fly Swatter“

Großes Theater, was nun?

von Anna Pataczek

Vor zweieinhalb Jahren ging Lehman Brothers pleite, die Theaterwelt protestierte kürzlich gegen die Schließung des Schauspielhauses Wuppertal, die Bundesregierung hat soeben die Milliardenhilfen für Griechenland durchgeboxt. Und auf dem Theatertreffen wird einem unbestimmten Krisengefühl stattgegeben.

Es stimmt schon, das Theatertreffen steht im Zeichen der Krise. Doch die Krise, die dieses Theater widerspiegelt, ist zur Lebenskrise ausgewachsen. Es geht um dieses mulmige Bauchgefühl, um Unsicherheiten und Ängste. Nicht um die großen ökonomischen Fakten. Das Private ist politisch. Liebesbeziehungen scheitern wegen Geld. Das ist bei Horváths Kasimir und Karoline so. Das ist bei Falladas Pinneberg und seinem Lämmchen so. Das ist bei David und seiner Frau so, in dem Stück des Briten Dennis Kelly, das auch noch „Liebe und Geld“ heißt.

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