Artikel-Schlagworte: „Johannes Schütz“

„Eine vernünftige Bühne ist a priori leer“

von Kai Kroesche

Sie sind radikal aufs Wesentliche reduziert, die Räume, die der Bühnenbildner Johannes Schütz entwirft. Ein Gespräch über hartgekochte Eier, glückliche Arbeitsverhältnisse und die Zusammenarbeit mit Roland Schimmelpfennig.

Auf der weißen Bühne von "Der goldene Drache", vorne Christiane von Poelnitz als der schon gestorbene kleine Asiate mit Zahnschmerzen. Foto: Reinhard Werner / Burgtheater Wien

Kai Krösche: Herr Schütz, machen Sie „abstrakte“ Bühnenbilder?

Johannes Schütz: Das ist ein Beschreibungsversuch, den ich oft höre und noch öfter lese – aber ich finde meine Bühnenbilder alle sehr konkret, ich weiß gar nicht, was das ist, ein abstraktes Bühnenbild. Ich halte es für ein Missverständnis, wenn man glaubt, eine Bühne müsse vollgerumpelt sein und sich alle fünf Minuten oder alle halbe Stunde verändern – und wenn das nicht so ist, dass das dann sofort abstrakt sei. Ein leerer Tisch, auf dem nichts weiter liegt als ein hartgekochtes Ei ist ja auch erst einmal ein Stillleben und nicht gleich eine abstrakte oder informelle Äußerung. Oder eine Tischtennisplatte, auf der ein Tischtennisball liegt: Da besteht ja ein durchaus konkreter Zusammenhang zwischen Objekt und Unterlage. (mehr …)

Auf der Schlachtbank Europas

von Anna Pataczek

Weiß ist gefährlich. Das wird schnell schmutzig. Und tatsächlich, der kleine Chinese spuckt Blut, er hört gar nicht mehr auf. Bis der ganze weiße Boden verspritzt ist und der Chinese auf ihn drauffällt. Er ist tot. Verblutet, weil ihm seine Kollegen vom China-Thai-Vietnam-Restaurant „Der goldene Drache“ den schmerzenden Zahn mit einer Zange gezogen haben und die Wunde nicht stillen konnten.

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