Artikel-Schlagworte: „Kasimir und Karoline“

Vor den Kulissen – Teil 1

von Kim Keibel

Die Fotografin Kim Keibel untersucht das Theatertreffen nicht nur hinter dem Objektiv, sie hat sich auch hinter die Kulissen geschlichen. Allerdings nur, um diejenigen, die sie da gefunden hat, wieder vor die Kulisse zu holen. In ihrer Fotoserie „Vor den Kulissen“ hat sie Techniker, Bühnenmeister und Beleuchter vor der zweiten Aufführung auf die Bühne geschickt. Hier die ersten sechs Kulissen. Fortsetzung folgt.

(mehr …)

Großes Theater, was nun?

von Anna Pataczek

Vor zweieinhalb Jahren ging Lehman Brothers pleite, die Theaterwelt protestierte kürzlich gegen die Schließung des Schauspielhauses Wuppertal, die Bundesregierung hat soeben die Milliardenhilfen für Griechenland durchgeboxt. Und auf dem Theatertreffen wird einem unbestimmten Krisengefühl stattgegeben.

Es stimmt schon, das Theatertreffen steht im Zeichen der Krise. Doch die Krise, die dieses Theater widerspiegelt, ist zur Lebenskrise ausgewachsen. Es geht um dieses mulmige Bauchgefühl, um Unsicherheiten und Ängste. Nicht um die großen ökonomischen Fakten. Das Private ist politisch. Liebesbeziehungen scheitern wegen Geld. Das ist bei Horváths Kasimir und Karoline so. Das ist bei Falladas Pinneberg und seinem Lämmchen so. Das ist bei David und seiner Frau so, in dem Stück des Briten Dennis Kelly, das auch noch „Liebe und Geld“ heißt.

(mehr …)

DIE NACHT DES 7. MAI

von Joachim Sartorius

Es gab die Eröffnungsveranstaltung „Kasimir und Karoline“ und es gab die Ansprache von Jack Lang. Beide erhielten gleich starken Applaus. Vor allem machte Lang sein Versprechen, „die deutsche Sprache zu malträtieren“, nicht wahr. Im Gegenteil, seine Aussprache war charmant und nahm für ihn und die deutsche Sprache ein. Das versicherten mir auch viele tt-Besucher, die sich durch den Kies an den Skihütten vorbei mühselig ihren Weg bahnten. Mir machte das Freude, weil ich die Idee hatte, ihn aus Paris, Place des Vosges, an die Schaperstraße zu locken. Die wichtigste Botschaft seiner Rede, nämlich ihn möglichst rasch zum ersten deutsch-französischen Kulturminister zu machen, ging allerdings unter. Die Festversammlung klatschte an anderen Stellen, zum Beispiel, als er sagte, dass die ideenlosen Politiker auf gar keinen Fall an der Kultur und am Theater sparen dürften. Das war eine richtige, ja unverzichtbare Aussage, aber warum hatten wir kein Sensorium für die wirklichen Visionen in seiner Ansprache? Dann kam die Aufführung des Schauspiel Köln. Man konnte sie, neben allem Künstlerischen, auch erleben als dringend nötige Legitimation für den Subventionsbetrieb.

Der erste Abend

von Kim Keibel

Unkommentiert. In losen Folgen zeigen wir die Gäste und Besucher des Theatertreffens, Schauspieler in der Garderobe, Freunde am Feuer im Garten, die Mitarbeiter des Festivals und das erleuchtete Festspielhaus: die Eröffnung am 7. Mai 2010.

Kann man sich lieben, wenn man kein Geld hat?

von Kai Kroesche

In Ödön von Horváths 1932 kurz nach der großen Weltwirtschaftskrise entstandenem Theaterstück „Kasimir und Karoline“ scheitert die Beziehung zwischen zwei jungen Menschen an einer trostlosen Realität, in der Arbeitslosigkeit und unerfüllte Sehnsucht nach sozialem Aufstieg romantische Gefühle unmöglich machen.

„Was sagt uns Horváths Volksstück heute?“ fragten wir uns und warfen einen ganz persönlichen Blick auf den beinahe 80 Jahre alten und doch ganz aktuellen Text. Auf dem Wiener Prater entstand eine filmisch inszenierte Reflexion des Stoffes, auf den Straßen von Berlin-Neukölln und -Kreuzberg wurden Leute mit zentralen Fragestellungen des Stücks konfrontiert. Inszenierung trifft auf Wirklichkeit – Theater auf Realität.

Erstausgestrahlt am 8. Mai 2010 im Foyer extra zum Theatertreffen auf 3sat.

Get the Flash Player to see the wordTube Media Player.

Unsere Kritik zur Inszenierung finden Sie hier.

Liebe in Zeiten des Prekariats. Ein Reality Check.

von Alexandra Müller

Für einen Fernsehbeitrag, der heute Abend um 20.15 Uhr in der Sendung Foyer auf 3sat zu sehen ist, sind drei Blogger mit Kamera und Mikrofon durch Wien und Berlin gezogen. Auf der Suche nach heutigen Kasimirs und Karolines. Ein Produktionsbericht.

Es gibt da dieses Pärchen in meinem Hinterhof. Sie haben sich rechts hinter den Mülltonnen einen braunen Holztisch mit vier Stühlen hingestellt. Da sitzen sie jeden Tag bei schönem Wetter und spielen Karten. Sie sitzen auch da, als ich zum ersten Mal „Kasimir und Karoline“ lese, Ödön von Horváths Stück über ein Pärchen, das an der Arbeitslosigkeit des jungen Mannes zerbricht, der nicht von dem Gedanken lassen kann, seiner Liebsten nun nichts mehr bieten zu können.

Raus in den Block, Alter

Ich weiß nichts über die beiden da unten. Aber sie bringen mich auf einen Gedanken: Wie sieht es vor meinem Haus aus? Gibt es dort moderne Kasimirs und Karolines? Immerhin ist das hier Berlin-Neukölln, ein Stadtteil mit 29.594 Arbeitslosen – einer Quote von 21,7 Prozent. (mehr …)

Kostümball

von Alexandra Müller

Theaterleute werden oft mit allerlei Zuschreibungen bedacht: Exzentrik, Stilbewusstsein, Andersartigkeit. Aber wie sieht es in ihrem Kleiderschrank aus? Trägt der Theatermensch von heute sein Innerstes nach Außen? Oder sorgt Berlin, Stilhauptstadt der Herzen, dafür, dass die Premierenfeier ganz von selbst zur Modenschau wird? Die tt-Blog-Styleexpertinnen haben sich auf der Eröffnungsfeier auf die Suche gemacht. Eine Fotoserie von Kim Keibel.

Thomas Köstlin und Heike Steinweg

Thomas Köstlin und Heike Steinweg. Er trägt einen Anzug aus dem vietnamesischen Hoian, Fliege von Alain Figaret, sie einen Mantel aus Dänemark, darunter ein Top aus der H&M-Kinderabteilung.

(mehr …)

Das Leben muss weiter gehen

von Barbara Behrendt

Ein Vergnügen war das nicht. Die Eröffnungsinszenierung „Kasimir und Karoline“ vom Schauspiel Köln, dem NT Gent und De Veenfabriek in der Regie von Johan Simons ist eine triste, teils unnahbare Angelegenheit. Aber das Durchhalten lohnt: Im nüchternen Blick Simons‘ liegt Hoffnung.

Angelika Richters Karoline kennt den Weg nach oben. Foto: Klaus Lefebvre

(mehr …)