Artikel-Schlagworte: „Kritik“

To the Affective End: the „Marthaler Effect“

von Shane Anderson

To turn the old adage on its head, describing a play by Marthaler would be like dancing to architecture. Yes, we could concentrate on „Riesenbutzbach“’s formal gestures, yes, we could talk about the stage design and the costumes, yes, I could outline the „plot“, which is less of a plot than a series of impressions, and yes, I could copy/paste the festival’s description of the play; but none of this would come close to describing what Marthaler does to the viewer, none of this would replicate the experience nor make the beauty and urgency of it felt.

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Der einzig wirkliche Ort

von Kai Kroesche

Seit Beginn des Theatertreffens stellen wir bekannten wie weniger bekannten Theatermachern und -gängern die Frage „Warum Theater?“. Guter Anlass für ein kurzes Nachdenken darüber, was Theater beziehungsweise Kunst im Allgemeinen kann und sollte und welche Konsequenzen das für die Kunstkritik haben könnte.

Ein unbeschriebenes Blatt: Warum Theater?

Ein einst sehr naher Mensch hat mich vor einiger Zeit einmal im Streit gefragt, wie ich denn Kunst verstehen wolle, wenn ich nicht einmal die Wirklichkeit zu deuten wüsste. Dieser im Affekt geäußerte Vorwurf mangelnder Empathie beschäftigte mich noch lange: Kann mir Kunst wirklich nur dann etwas erzählen, mich bewegen, wenn ich in ihr die bereits erlebte, begriffene, vertraute Wirklichkeit wiedererkenne? Ist die Kunst, konkret die des Theaters, wirklich nur Wider-Spiegel der Wirklichkeit, Ort der Wiederholung, ordnend oder widersprechend vielleicht, aber immer nur, egal wie verzerrt, Abbild? (mehr …)

Ich, Kritikerin.

von Alexandra Müller

„Othello c´est qui“, Gewinnerstück des letztjährigen Theater Festival Impulse, hinterfragt die europäische Sucht nach theatralen Klassikerinterpretationen. Mit Tanz, Zitaten und Geschichten aus dem Leben der Protagonisten öffnet es den kulturellen Horizont des Publikums. tt-Bloggerin Alexandra Müller fühlte sich davon inspiriert, ihr eigenes Theaterkritisieren unter die Lupe zu nehmen. Na, dann.

Kritiker zu sein ist eigentlich eine saublöde Sache. Zum Beispiel: Ich sitze jetzt um 8.50 Uhr in meiner Küche am Fenster, auf dem Herd kocht der erste Kaffee und ich soll über „Othello c´est qui“ von Monika Gintersdorfer und Knut Klaßen schreiben. Das habe ich gestern Abend noch gesehen, leider schon sehr müde. Dabei hat es Aufmerksamkeit verdient, dieses Stück, das hier ist, weil es den Preis des „Theater Festival Impulse“ gewonnen hat.

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Kurz danach: Leise Töne

von Elisabteh Hamberger

Vorhang runter, Kamera an: die Videokritik, diesmal mit Kai Krösche.

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Pro „Die Stunde“: Poetisches Spiel mit den Wahrnehmungen

von Anna Pataczek

Eine Zaubershow, bei der der Zuschauer alle Tricks durchschaut, ist eine schlechte Show. Viktor Bodó legt in seiner Inszenierung von Peter Handkes „Die Stunde da wir nichts voneinander wussten“ vom Schauspielhaus Graz alle Tricks offen. Bei ihm entsteht daraus erst die Magie.

Alles eine Frage der Perspektive: "Die Stunde da wir nichts voneinander wussten". Foto: Kim Keibel

Ein Kameramann läuft über die Bühne, die aus Guckkastenmodulen besteht. Er hält drauf, wenn die Schauspieler, zur Hälfte aus dem Grazer Ensemble, zur Hälfte aus Bodós ungarischer Gruppe Szputnyik Shipping Company, Alltagsszenen im Kaffeehaus, im Büro, im Krankenhauszimmer oder Fahrstuhl spielen. Die Kamera dreht sich um 90 Grad, und schon sieht es so aus, als klettere ein Entkräfteter die Häuserwände hoch. Ein Anzugträger wird von einem Motorradfahrer erfasst, er bewegt die Arme und Beine in Zeitlupe. Auf der Leinwand fliegt er in Slow-Motion durch die Luft. Es ist ein Spiel mit Wahrnehmungen.

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Nicht gefallen wollen

von Kai Kroesche

Annette Pullens Inszenierung von Nis-Momme Stockmanns „Kein Schiff wird kommen“, einem Werkauftrag des tt-Stückemarkts 2009, wurde gestern einmalig in der Seitenbühne des Hauses der Berliner Festspiele aufgeführt. Vorher nahmen Stockmann und sein Autorenkollege Oliver Kluck den deutschen Theaterbetrieb auseinander – Marktgefälligkeit ist, zumindest am Diskussionstisch, out.

Angriffs-Stimmung beim letztjährigen Stückemarkt-Gewinner Nis-Momme Stockmann: Im Gespräch mit Oliver Kluck und der Leiterin des Theatertreffens Iris Laufenberg sprach er sich aus gegen eine Angleichung an den Mainstream und die Reproduktion ewig gleicher Diskurse und für einen Schritt in eine Richtung jenseits der Gefälligkeiten des Marktes – Theater sei doch eine Nischenkultur, die eben dadurch die Möglichkeit habe, Nischendiskurse zu verhandeln.  Nichts fände er im übrigen „abtörnender“ als die kühle und zynische Art und Weise, in der im zeitgenössischen Theater große Gefühle wie die Liebe als begründbares Phänomen dargestellt würden – da sei ihm das oft geschmähte Pathos immer noch lieber.  (mehr …)

Herzzahl: Gedreht

von TT-Blog Redaktion

Gesehen, gedacht, gepunktet. Direkt nach jeder tt-Premiere beurteilen wir die Inszenierung in vier Kategorien, am nächsten Morgen gibt es eine ausführliche Kritik.

Heute: Die Stunde da wir nichts voneinander wussten

  • SPECIAL-EFFECTS // ♥ ♥ ♥ ♥ //
  • URLEIWAND // ♥ ♥ ♥ _ //
  • WERKTREUE // ♥ _ _ _ //
  • TECHNIKERPRÄSENZ// ♥ ♥ ♥ ♥ //

Mensch und Maschinerie

von Kai Kroesche

Nicht enden wollender Applaus und standing ovations – die Theatertreffen-Premiere von Luk Percevals „Kleiner Mann – was nun?“ fand großen Anklang.  Ebenso wie der seichte Humor, der leider neben der Textlastigkeit einen mehr als nur „bemerkenswerten“ Abend verhinderte.

Der Mensch ist schon am Boden: "Kleiner Mann – was nun?" von Luk Perceval. Foto: Andreas Pohlmann.

Lug und Trug beherrschen die Bühne in Luk Percevals Bühnenadaption von Hans Falladas 1932 geschriebenen Roman „Kleiner Mann – was nun?„. Überlebensgroß zerfließen Bilder aus Walter Ruttmanns Film „Berlin – Die Sinfonie der Großstadt“ (1927) auf schwarzen Wänden und täuschen in ihrer extremen Verlangsamung und einer daraus entstehenden, menschlichen Haltung gegenüber seinem Berlin der zwanziger Jahre über den distanziert-experimentellen Blick hinweg, der den Film eigentlich beherrscht. (mehr …)