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Geld oder Liebe

von Judith Liere

In einer Konsumgesellschaft, in der das Gehalt über Lebensglück oder -unglück entscheidet und der Gier keine Grenzen gesetzt werden, da lässt es sich schlecht lieben. Das klingt ein bisschen plakativ, gleichzeitig auch ziemlich banal – der britische Dramatiker Dennis Kelly hat trotzdem ein Stück daraus gemacht, und der Regisseur Stephan Kimmig hat es auf die Bühne gebracht.

Schon am Anfang ist alles zu Ende. Dennis Kelly lässt sein Stück mit einem Prolog beginnen und erzählt anschließend rückwärts: David, ein erfolgloser Londoner Lehrer, trägt den Email-Wechsel mit seiner französischen Ex-Affäre vor. Was harmlos mit Anekdoten aus dem Büro-Alltag beginnt, wird immer persönlicher, offener, radikaler und schließlich ist raus, was David getan hat: Er hat seine Frau sterben lassen, die nach einer Überdosis Beruhigungstabletten bewusstlos auf dem Bett lag, als er nach Hause kam, mehr noch – David ging los, kaufte Wodka, flößte ihn der Halbtoten ein, auf dass sie auch wirklich sterbe. Sie, und mit ihr die 70.000 Pfund Schulden, die sie durch ihre Kaufsucht angehäuft hat. 70.000 Pfund Schulden, die verhindern, dass David endlich das kaufen kann, was ihm zu seinem Glück fehlt: ein Ford Mondeo. (mehr …)