Artikel-Schlagworte: „Peter Stein“

Diese grässliche, wunderbare Wirklichkeit

von Joachim Sartorius

Von der berühmten Regisseurin Andrea Breth (9 Einladungen zum Theatertreffen) erzählt man sich eine Geschichte: während eines langen, zermürbenden Probenprozesses ist sie einmal völlig erschöpft und zitternd auf die Probe gekommen. Die anwesenden Mitarbeiter überraschte sie mit dem Geständnis, sie sei heute mit der U-Bahn gefahren. (mehr …)

Abgetreten

von Judith Liere

Die Schauspielerin Jutta Lampe wurde am Samstag in der Akademie der Künste in Berlin mit dem Joana-Maria-Gorvin-Preis ausgezeichnet. Die Preisverleihung war nicht nur Feier ihres Lebenswerks, sondern geriet auch zum Abgesang auf eine Theatergeneration.

In der Schlange, die sich vor dem Einlass in den Zuschauerraum der Akademie der Künste gebildet hat, bin ich mit Abstand eine der Jüngsten. Weiße und melierte Schöpfe herrschen vor, gediegene Abendgarderobe, eine der Wartenden hat sich sogar einen kleinen Klapphocker mitgebracht, um nicht so lange stehen zu müssen.

Die Theatergeneration, die sich hier versammelt hat, um dem Lebenswerk der 72-jährigen Jutta Lampe zu huldigen, kenne ich nur aus Theaterwissenschaftsseminaren, in denen braunstichige Peter Stein-Inszenierungen auf Video gezeigt wurden (war es ein Tschechow-Stück, stand garantiert ein Samowar auf der Bühne), und aus Anekdoten, die ältere Regisseure und Dramaturgen auf Premierenpartys erzählen. Die Schaubühne der siebziger und achtziger Jahre, die Lampes künstlerische Heimat war, ist für mich ebenso weit weg wie Brecht und Gründgens – Epochen, die in Vorlesungen auf die wichtigsten ästhetischen Ansätze, Inszenierungen und Künstler zusammengefasst werden. (mehr …)