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Dageblieben!

von Kai Kroesche

Natürlich weiß man im Theater vorher oft nicht, was man kriegt. Und wird dann auch mal negativ überrascht. Noch lange kein Grund, dem Abend den Rücken zu kehren: Denn damit setzt man sowohl für die anderen Zuschauer als auch sich selbst gegenüber ein Zeichen der Resignation. Eine Entgegnung zu Judith Lieres Plädoyer fürs Aufstehen und Rausgehen.

Eins vorweg: Es ist prinzipiell nichts dagegen einzuwenden, vor dem Ende einer Aufführung das Theater zu verlassen. Vorausgesetzt, niemand – von den Schauspielern hin zu den anderen Zuschauern – bekommt das plötzliche Aufstehen und Verschwinden mit. Und vorausgesetzt, man behauptet nachher nicht, in dem Stück jemals dringesessen zu haben. Oder sich für Theater zu interessieren.

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Raus mit euch!

von Judith Liere

Theater ist immer ein wenig wie die berühmte Katze im Sack oder die überzititierte Forrest Gump’sche Pralinenschachtel: Ob man die Inszenierung, für die man Karten gekauft hat, dann schließlich mag oder nicht, lässt sich vorher nicht sagen, selbst wenn man den Regisseur und dessen Handschrift kennt. Was tun, falls man dem, was auf der Bühne passiert, nichts abgewinnen kann? Ganz klar: einfach abhauen!

In Nicolas Stemanns Inszenierung „Die Kontrakte des Kaufmanns“, die heute abend tt-Premiere feiert, ist das Rein- und Rausgehen ausdrücklich erlaubt. Anlass genug für ein Plädoyer fürs Aufstehen.

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Die Hölle, das sind die anderen

von TT-Blog Redaktion

Bei so manchem Theaterbesuch spielen sich die wahren Dramen nicht auf der Bühne, sondern im Zuschauerraum ab. Auf engstem Raum sitzt man dort mit Wildfremden Arm an Arm, Knie an Rücken – und kommt oft auch Menschen nah, zu denen man eigentlich lieber Abstand gehalten hätte. Die tt-Blogredaktion hat die nervigsten, ekligsten und skurrilsten Begegnungen in Parkett, Loge und Rang gesammelt. Kommentieren Sie mit und berichten Sie uns von den Erlebnissen, auf die Sie lieber verzichtet hätten!

Erst denke ich noch, vor mir sitzt ein Banause. So schamlos wie der vor sich hinpennt, wie der Kopf sich langsam nach vorne senkt. Aber dann rutscht der ganze Oberkörper nach, er kippt zur Seite wie ein nasser Sack. Der Zuschauer ist ohnmächtig geworden. Ich habe das nicht nur einmal gesehen, nicht zweimal, nicht dreimal. Mindestens viermal. Manchmal unterbrachen die Schauspieler ihr Spiel und warteten, bis der arme Mensch hinausgetragen wurde. Manchmal merkten sie es gar nicht. Ich weiß bis heute nicht, ob es das Theater ist, das die Zuschauer so sehr überwältigt. Oder ob es einfach an der stickigen Luft liegt. Ich fürchte ja, eher letzteres. (Anna Pataczek)

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