Grete Götze

Grete Götze, 1983 in Marburg geboren, hat selbst lange Theater gespielt, sich nach der Schule aber entschieden, es lieber von außen mitzuerleben und deswegen in Frankfurt Theater-, Film- und Medienwissenschaft zu studieren. Weil Literatur aber auch Spaß macht, hat die 28-Jährige noch deutsche und französische Literatur dazu gewählt. Durch mehrere Praktika hat sie während des Studiums ihren Spaß am Journalismus entdeckt. Derzeit volontiert sie bei der Frankfurter Rundschau.

Blog/Webseite
http://blogkultur.wordpress.com/

Alle Artikel von Grete Götze

25. Mai 2011 - 17:07 Uhr

Die große plurale Rückschau

Nach drei Wochen zieht das gesamte tt-Blog-Team eine vielstimmige Bilanz, sortiert nach Eingang. Und dann ab.

Fazit im Bildformat. Jakob Kraze Foto: Yehuda Swed

Die Zeit während des Theatertreffens habe ich als eine sehr stürmische erlebt: viele neue Gesichter und Ideen, die einen mitreißen und manchmal auch umreißen können. Aber gerade das ist auch das Spannende – seinen Standpunkt zu verlassen und durch die Augen eines anderen zu blicken. Ich lernte neue Perspektiven kennen und gewann neue Erfahrungen. Das wiederum stärkt die Empathie und hilft, die anderen besser zu verstehen. Wir sind alle sehr unterschiedliche Persönlichkeiten und haben unsere Eigenheiten in die Redaktion eingebracht. Die Symbiose dieser Persönlichkeiten in einem Produkt, dem Blog, fand ich sehr spannend. (Anna Deibele)

Ich erinnere mich an ein Festival, an dem viele starke tolle Frauen beteiligt waren. Intendantinnen, Kritikerinnen, Blogkoordinatorinnen, Stückemarktleiterinnen – die Liste lässt sich fortsetzen. Das Theater bleibt ein Ort, an dem ich mich wohl fühle, mich freue, meine Leidenschaft teilen zu können. Das tt 2011 war für mich auch ein Festival mit einem jugendlichen Geist, mit vielen jungen Autoren, Schauspielern und Regisseuren sowie einem Herbert Fritsch, der energetisch gesehen kaum älter als 30 Jahre alt zu sein schien. Und She She Pop-Vätern, die sich nicht von der Herangehensweise ihrer Töchter abschrecken ließen und so ein selten emotionales Theatererlebnis zugelassen haben. (Grete Götze) Weiterlesen »

23. Mai 2011 - 21:51 Uhr

Zwei Kritikerinnen

Theaterkritik, wohin gehst du? Ein Gespräch mit Sigrid Löffler und Christine Dössel über den Spaß an Verrissen, Dinosaurier des 20. Jahrhunderts und Klagen gegen den eigenen Arbeitgeber.

Sigrid Löffler und Christine Dössel. Verschwommenes Foto: Grete Götze oder Nikola Richter, fotografisches Talent ausbaufähig

Nikola Richter: Sigrid Löffler, Sie haben lange das Feuilleton geprägt, beim österreichischen Magazin „profil“, bei der Wochenzeitung „Die Zeit“ etwa. Wir möchten mit Ihnen über Ihre Berufserfahrungen sprechen, um etwas für unseren Berufsweg mitzunehmen. Wie sind Sie Kritikerin geworden?
Sigrid Löffler: Kritiker kann man nicht werden, nur sein. Ich habe mich vom politischen Journalisten zum Kulturjournalisten entwickelt. In Österreich war es relativ leicht, als Kritiker einen neuen Ton und einen neuen Stil zu etablieren, denn die Kritik war verkommen: ein kriterienloses selbstzufriedenes Geschmacksgerede, Daumen rauf, Daumen runter, ohne Kenntnis der und ohne Interesse für die neuen Entwicklungen der Kunstwelt im Ausland, namentlich in Deutschland.

NR: Wie sah Ihre Form der Kritik aus?
SL: Ich habe adornitisch argumentiert, analysiert und Vergleiche angestellt, und mein Geschmacksurteil war sekundär.

Grete Götze: In einer Kritik muss also nicht stehen: „Diese Inszenierung ist gelungen“?
SL: Es muss vor allem nicht drinstehen: „Das ist die gelungenste Inszenierung des vergangenen Jahrzehnts.“ Solchen Blödsinn habe ich nie geschrieben. Aus der Rezension sollte das kritische Urteil implizit hervorgehen. Als ich jünger war, hat es mir Spaß gemacht, scharfe und witzige Verrisse zu schreiben. Heute nicht mehr.

GG: Warum?
SL: Mit guten Verrissen kann man sich als junger Kritiker leicht und rasch einen Namen machen. Es gibt aber wenige Dinge, die zu verreißen sich wirklich lohnt. Zeug, das nichts taugt, taugt auch nicht dazu, sich damit auseinanderzusetzen. Außer, es ist wirklich auf eine so ärgerliche Weise misslungen, dass es schon wieder exemplarisch ist.

GG: Wie kam es dazu, dass Sie von der politischen Journalistin zur Kulturjournalistin wurden?
SL: Man müsste eher fragen: Wie kam es dazu, dass ich in der Politik angefangen habe? Ich war durch mein Studium gepolt auf die Künste, aber mein erster Chefredakteur wollte mich in der Politik sehen. Ich bereue diesen Seitensprung nicht, bin froh, auch als Kulturjournalist politisch zu denken. Es ist ein nicht ganz unschlauer Weg für einen Journalisten, als Allrounder anzufangen und sich dann zu spezialisieren.

NR: Haben Sie sofort als Redakteurin angefangen?
SL: Ja, das waren die märchenhaften Zeiten des 20. Jahrhunderts: Man wurde sofort angestellt. Ich habe gleichzeitig immer schon versucht, mir in Deutschland einen Namen zu machen. Irgendwann bemerkt man die Disproportion zwischen dem eigenen Ehrgeiz und dem kleinen Land Österreich. Dann muss man aus Wien weggehen.

GG: Kritisieren Männer und Frauen auf unterschiedliche Art und Weise?
SL: Es gibt sachorientierte Kritiker, und es gibt eitle, narzisstische Kritiker, die in erster Linie darüber schreiben, ob sie heute Kopf- oder Bauchweh haben und dann in der dritten Spalte darauf kommen, dass sie auch ein Theaterstück gesehen haben. Das ist aber nicht nach Geschlechterrollen aufzuteilen.

NR: Aber man redet öfter von Kritikerpäpsten als von Kritikerpäpstinnen, warum? Weiterlesen »

22. Mai 2011 - 19:45 Uhr

Kollektiv-Blog der Jurydiskussion

Das  Theatertreffen neigt sich dem Ende zu, und heute Nachmittag stellten sich die sieben Jurorinnen und Juroren Vasco Boenisch, Wolfgang Höbel, Ulrike Kahle-Steinweh, Ellinor Landmann, Andres Müry, Christine Wahl und Franz Wille den Fragen des Publikums zu den zum Festival eingeladenen Produktionen. Die Theatertreffen-Blog-Redaktion schrieb mit und meldet sich hier mit den multiperspektivischen Best-of-Mitschriften.

17:20 Das Internationale Forum verlautbart per Videoeinspielung seine Favoriten. Der schnell geschnittene Clip klingt wie She She Pop Hip Hop Bop. (LL)

17:26 Andres Müry vermisste Andrea Breths „Zwischenfälle“ am Theatertreffen schmerzlich und will die Regisseurin unter Artenschutz stellen. Franz Wille entgegnet galant Richtung Wien: „Ich möchte mich bei Andrea Breth entschuldigen, sie hat es nicht nötig, unter Artenschutz gestellt zu werden.“ „Oh doch!“, wirft Müry ein. Wie auch immer: Gehört das wirklich zu den Aufgaben des Theatertreffens? Dafür gibts doch den WWF. (FA)

17:34 Andres Müry: „Das ist ein nacheilender Gehorsam.“ (She She Pop einzuladen, in der freien Szene hätten sie sich schon durchgesetzt.) Da hat Herr Müry recht. Und trotzdem freue ich mich über diese gehorsame Entscheidung! (GG)

17:48 Andres Müry legt noch einmal richtig los: „Testament” und „Via Intolleranza” fehlen Handwerk, Professionalität und ästhetische Statements, und sind deswegen nicht theatertreffenwert. (MC)

17.54 Moderatorin Barbara Burckhardt fragt, ob die Wiederentdeckung von „Spaß“ eine Anglifizierung des deutschen Theaters mit sich bringt. Plattere Nationsklischees hört man wohl selten. Schade, wo sie doch anderen Begriffen wie dem „Dokumentarischen“ oder „Konsens“ sehr präzise nachspürt. (LL) Weiterlesen »

22. Mai 2011 - 18:00 Uhr

„Schon wieder eine, die das Rad neu erfinden will“

Iris Laufenberg bei einer Diskussion mit Gegenwartsdramatikern während des Theatertreffens 2011. Foto: Piero Chiussi

Ein Gespräch mit Iris Laufenberg, der scheidenden Leiterin des Theatertreffens, über Anfangseinsamkeit, die Unabhängigkeit der Jury und trockene Schäfchen.

Frau Laufenberg, das Festival läuft gut. Warum hören Sie auf?
Der Intendant wechselt, da ist es üblich, neu anzufangen. Und die Ziele, die Joachim Sartorius und ich uns gesetzt haben, haben wir erfüllt.

Welche Ziele?
Das Haus der Berliner Festspiele beleben. Wir haben hart daran gearbeitet. Sieben von zehn Produktionen sind hier, es gibt Konzerte, Debatten, die Leute bleiben nach der Vorstellung. Die Gegenwartsdramatik fördern ist ein anderes Ziel. Die deutschsprachige Dramatik läuft gut, aber es ist noch nicht so weit, dass hier wie selbstverständlich ein rumänischer Autor auf dem Spielplan sieht.

Was hätten Sie rückblickend anders gemacht?
In einer 48 Jahre alten Struktur muss man die Dinge langsam angehen, dachte ich. Ich habe mich erst letztes Jahr getraut, den schriftlichen Vorverkauf abzuschaffen. Jetzt gibt es nur noch online Karten, und natürlich an der Kasse und telefonisch, wie auch schon vorher.

Aber die sind immer noch sehr teuer.
Das Theatertreffen ist kein Studentenfestival, dennoch biete ich Studentenkartenkarten an. Das Festival ist subventioniert von der Kulturstiftung des Bundes. Dass es völlig den Mantel des Elitären abwirft, war auch nicht gewollt, aber es möchte seine Türen öffnen.

Sind Sie erleichtert, die Leitung abzugeben?
Ja, wobei mir das Festival keine Last mehr ist. Wenn man diese Leichtigkeit spürt, muss man wieder neue Brocken den Berg hochschieben, denn das geht ja nicht, dass man selbstzufrieden wird.

Was war eine schwierige Erfahrung für Sie? Weiterlesen »

21. Mai 2011 - 11:37 Uhr

Guttenbergs Intolleranza

Die Kritikenrundschau im Copy &Paste-Verfahren. Heute hat die im vergangenen Jahr von Christoph Schlingensief inszenierte und in diesem Jahr von Aino Laberenz weiter betreute „Via Intolleranza“ Premiere.

„Die Produktion stand unter einem schlechten Stern.“ Alles wird gut. Nur kurz. Dann erfahren wir nicht mehr viel über Luigi Nonos «Intolleranza 1960», das in manchen Ankündigungen noch von Schlingensief und seinem rund um das Operndorf zu Ougadougou und in anderen Zentren der Schlingensiefschen Einflusssphäre gecasteten Ensemble inszeniert werden sollte. Jetzt liefert das 1961 uraufgeführte Stück nur noch den Titel sowie ein bisschen ChormusikMan möchte es Christoph Schlingensief ja so gern recht machen als Zuschauer. Und man schämt sich, wenn man zwischendurch diese Mürrischkeit bei sich entdeckt, die mit dem Gefühl einhergeht, als Restmülleimer zu dienen. Noch peinlicher ist dieses ironische Ach-ich-verstehe-Zufriedenheitsgrinsen. Er weiss ja, was gut ist für den Schwarzen. Ein Theatermoment, der auch am nächsten Morgen noch Gänsehaut erzeugt. Schlingensiefs theatralische Analyse aber bleibt doch arg peripher, eher teilen sich in diesen 90 Minuten Ratlosigkeit und Zerstreutheit mit, ein Flickerlteppich der Befindlichkeiten, als dass man am Ende klarer sähe und leibhaftiger erfahren hätte, was auf unserem Globus gerade so entsetzlich falsch läuft. Selbst hier noch europäischen Blick zu entlarven, das ist schon spitze und verdient, was Schlingensief für Afrika und das Operndorf-Projekt in Burkina Faso fordert: sich raushalten. Mit einem Blankoscheck.

16. Mai 2011 - 13:15 Uhr

Nora! ad! absurdum!

Auf der Text-Fläche: Henry Meyer als Dr. Rank) und Manja Kuhl als Nora in Herbert Fritschs Inszenierung des Ibsen-Klassikers. Foto: Thomas Aurin

Die. Schauspieler. Stellen. Den. Text. Aus. Sie betonen die Woooorte in der NORA-INSZENIERUNG so ungewöhnlich! Dass! sie! durch! ihr! A.u.s.s.t.e.l.l.e.n. ad! absurdum! geführt! werden!

So in etwa könnte die Kritik von Herbert Fritschs zweiter zum Theatertreffen eingeladenen Inszenierung aussehen, wollte man ihr lautmalerisch entsprechen. Die Schauspieler entstellen die Geschichte der Hausfrau Nora, die aus Liebe zu ihrem Mann Opfer von Erpressung wird, derart, dass der Text eine völlig neue Bedeutung bekommt.

Aber wie führen die Schauspieler den Text ad absurdum? Indem sie ihn sexualisieren. Während Hausfreund Dr. Rank im Original-Ibsen zur Verabschiedung sagt „Wart; ich geh mit“, sagt Fritschs Rank: „Ich komme. Mit.“ Und lädt so eine harmlose Formulierung mit größtmöglicher sexueller Bedeutung auf. In anderen Partien prallen Bild und Text aufeinander: „Wie schön und gemütlich unser Heim ist, Nora!“ sagt Helmer zu seiner Gattin, nachdem er ihr gerade die ganze Kälte seines Charakters offenbart hat. Der Zuschauer sucht also das traute Zuhause, und was sieht er auf der Bühne: einen brennenden Weihnachtsbaum.

Die eigentliche Geschichte, das Was, macht Fritsch leicht verständlich, um sich nicht lange mit der schnöden, oft gespielten Handlung aufhalten zu müssen. Die Motive dieser überzeichneten Figuren sind so transparent, dass er sich ganz auf das Wie konzentrieren kann. Und das ist Gruselkabinett, Märchen und Porno in einem. Auf einer spiegelglatten Bühne rutschen die Schauspieler an der Oberfläche des Textes herum, entstellen ihn an ihren Körpern und enthüllen derart die bürgerliche Leere und Kälte ihrer Figuren. Das funktioniert so gut, dass auch die Zuschauer an eigentlich tragischen Stellen zu lachen beginnen. Alle sind widerlich, allen geht es um Geld. Weiterlesen »

15. Mai 2011 - 23:16 Uhr

„Oh, jetzt habe ich Max Frisch vergessen! Dann muss die Braunkohle raus“

Roger Vontobels Wunsch-Feuilleton. Fotos: Grete Götze

Mit „Don Carlos“ wurde Roger Vontobel schon oft in Verbindung gebracht – nicht zuletzt, seit die Inszenierung des 34-Jährigen zum diesjährigen Theatertreffen eingeladen wurde. Weil aber noch viel mehr los ist in der Welt, bin ich mit ihm zum Zeitunglesen verabredet.

(12:00, Hotel Ramada, Wilmersdorf. Vontobel checkt an der Rezeption aus und kommt braun gebrannt und gut gelaunt auf mich zu. Wir setzen uns ins reichlich spießige Hotel-Restaurant, ich packe die Zeitungen aus, und nachdem wir die Du- oder Sie-Frage geklärt haben, geht es los.)

Wie würde heute deine ideale Seite eins einer Zeitung aussehen?
Hm, zum Glück bin ich nicht Zeitungsredakteur. (Grübelt.)

Es muss auch nicht Politik sein, einfach die Themen, die dich interessieren.
Irgendwas über Kindererziehung, vielleicht über Kitas, Kindergeld.

Das spricht dich an?
Ja, jetzt ist mein Sohn Casper da, und deswegen ist das Thema. Ansonsten vielleicht etwas über Libyen oder den Euro.

Ok, wir halten fest: Im Aufmacher geht es um Kinder und im zweiten großen Text auf der Titelseite um den Euro.
Und auf Seite drei was über diesen tollen Dokumentarfilm Inside Job. Wie so eine Krake hat der Finanzsektor seine Tentakel überall drin. Das ist krass, was da alles zusammenhängt, so ein bisschen wie im Don Carlos. Weiterlesen »

12. Mai 2011 - 18:09 Uhr

Guttenbergs Karl

Vater und Sohn bei der Reflexion. Foto: Yehuda Swed

Wer konnte das schon ahnen? Der König raucht Kette, sein neuer Freund Marquis Posa kratzt sich vor Neurodermitis fast Löcher in den Anzug, und sein unliebsamer Sohn Carlos knautscht und wringt und knetet und presst sein Jackett fast zu BreiRoger Vontobel verzichtet darauf, Schiller unnötig zu verkomplizierenVor allem ist dieser „Carlos“ ein Ensemble-Triumph, mit Christian Friedel als Don Carlos, Sonja Beißwenger als Elisabeth, Matthias Reichwald als Marquis von Posa und einem überragenden Burghart Klaußner in der Rolle des Königs Philipp. Nicht von ungefähr gilt Vontobel als Künstler im Umgang mit Schauspielern. Das gesamte, erstaunlich homogene Ensemble macht aus dieser Inszenierung ein Denk- und Schaustück von flirrender Intensität. Es ist, als seien sie alle an Heimweh nach einem besseren, tieferen, ruhigeren Leben erkrankt, von dem sie nicht wissen, wo und wie es zu finden ist. Auch darin ist dieser Abend ein genuin zeitgenössischer.

8. Mai 2011 - 16:18 Uhr

„Die Schweiz steckt in einer Identitätskrise“

"Fremdsein ist eine grundsätzliche Erfahrung, die man heute machen muss." Foto: Grete Götze

Die szenischen Einrichtungen des Stückemarkts beginnen. Heute um 19.30 Uhr:“Brachland“. Ein Gespräch mit dem Autor Dmitrij Gawrisch über zu viele Menschen in der Schweiz, politische Visionen und vorbildliche Opern.

Brachland ist dein erstes Stück. Heute Abend wird es von Stephan Kimmig szenisch eingerichtet. Wie ist es, bei den Proben seines eigenen Stückes dabei zu sein?

Lustig. Ich versuche aber, möglichst im Hintergrund zu bleiben. Wenn der Regisseur das Gefühl hat, bei seiner Inszenierung nicht frei zu sein, kommt oft ein langweiliges Ergebnis dabei heraus. Stephan Kimmig inszeniert Brachland, ein schweres Stück mit einem betrüblichen Ende, auf leichte Art und Weise, ohne ihm die Tiefe zu nehmen.

In deinem Stück geht es um die zwei Brüder Oleg und Ivan, die ohne Papiere in eine Stadt im Westen kommen. In welchem Land sind sie?

Ich habe mir die Schweiz vorgestellt, aber eher als Gedankenstütze, nicht als präzise Studie. Es könnte auch in Deutschland spielen. Mir hat auch schon jemand gesagt, dass Deutschland als Handlungsort viel besser passen würde, weil hier gerade eine viel größere Migrationsdebatte stattfindet.

In die Schweiz passt das Thema Ausländerpolitik aber auch gut. Sie hat zuletzt mit ihren Volksabstimmungen gegen den Bau neuer Minarette und Ausschaffungsinitiativen von sich reden gemacht.

Ich finde die Hetze gegen Ausländer in der Schweiz besorgniserregend. Im Herbst sind Parlamentswahlen, und was gerade an Zusammenhängen hergestellt wird, ist hirnrissig. Mittlerweile sollen die Zuwanderer sogar daran Schuld sein, dass der Atomausstieg nicht gelingt. Weiterlesen »

6. Mai 2011 - 23:55 Uhr

Seitenrang links

In unserer Schnellkritik stellen wir ab jetzt zu jeder Premiere vier Fragen an Zuschauer, die im Seitenrang links saßen, auf den nicht so guten Plätzen. Die 32-jährige Katja über „Das Werk/Im Bus/Ein Sturz“:

1. Was fanden Sie an der Inszenierung bemerkenswert?

Die Fülle an Text, die die Schauspieler gemeistert haben. Dass man mit so leichtem Schuhwerk so lange im Wasser planschen kann. Und die tolle Kombination aus Requisite und Text.

2. Wie haben Sie die Karte gekriegt?

Ich habe mich am 9. April, dem Eröffnungstag des Ticketverkaufs, zweieinhalb Stunden in die Schlange gestellt. Um 10 Uhr ging es los, um 12.30 Uhr habe ich das Tickethäuschen erreicht. Es war ein strahlend blauer Samstag, vor mir standen 150 Leute, und ich habe meine Yoga-Stunde verpasst, was sehr blöd war, weil ich Yoga-Lehrerin werden möchte.

3. Warum wollten Sie gerade diese Inszenierung sehen?

Weil ich Jelinek noch nicht auf der Bühne gesehen habe, sonst sehe ich mir oft Klassiker an. Bei dieser Inszenierung hat mich der Umgang mit Katastrophen gereizt. Der Umgang damit, dass Stabilität verloren geht. Insofern hätte auch der Verlust eines Arbeitsplatzes oder eines geliebten Menschen thematisiert werden können.

4. Fahren Sie mit dem Bus nach Hause?

Nein, mit dem Fahrrad.

3. Mai 2011 - 15:37 Uhr

Quasi-Live-Blog der Pressekonferenz

Herbert Fritsch redet sich hinter den Tulpen hervor. Foto: Yehuda Swed

Baustelle, Haus der Berliner Festspiele. Derzeit staubt es noch hier und da, die Kabel hängen aus der Decke, bis zur Eröffnung des Theatertreffens am Freitag ist alles fertig, frisch renoviert. W-Lan gibt es erst ab morgen, daher stelle ich meine Aufzeichnungen der Pressekonferenz erst nachträglich ins Blog. Fotos folgen.

12:55 Die Stühle für die Pressekonferenz stehen. Ein paar lila Lampignons hängen über den Köpfen der baldigen Verkünder der frohen Theatertreffen-Botschaften.

12:56 Ein erstes Murmeln geht durch den Raum, nachdem sich die Journalisten durch die Baustelle des Theatertreffens gekämpft haben.

12:58 Jagoda Engelbrecht, die Pressechefin der Berliner Festspiele, akkreditiert und busserlt Journalisten.

13:00 Herbert Fritsch, der Star des Theatertreffens, plaudert mit Berliner Festspielleiterin Iris Laufenberg. Er trägt einen grauen Anzug zu einem braunen (!) Hemd. Weiterlesen »

31. März 2011 - 12:18 Uhr

Offener Kulturbegriff

Mir ist es wichtig, dass Theater und das Schreiben darüber nicht zu eng und elitär gesehen werden, sondern dass viele Menschen einen Bezug zu Kultur entwickeln. Deswegen schreiben für mein Blog blogkultur unterschiedliche Leute mit unterschiedlichen Berufen über das, was sie unter Kultur verstehen. Weiterlesen »