nikola

Nikola Richter, Jahrgang 1976, leitet seit 2009 das Theatertreffen-Blog. Sie ist Autorin und veröffentlichte Lyrik, Prosa und Hörspiele. Als freie Redakteurin entwickelt sie insbesondere Buch- und Blogkonzepte, z.B. newplays-Blog oder Los Superdemokraticos. Wenn sie offline ist, geht sie spazieren, kocht Gemüsegerichte und versucht, Jazzgeige zu lernen. Darüber schreibt sie auch auf myfavouritestrings.wordpress.com.

Blog/Webseite
http://www.blogmacherei.de

Alle Artikel von nikola

2. Dezember 2011 - 1:35 Uhr

Kulturblogger gesucht!

Als wir den Theatertreffen-Blog 2009 ins Leben riefen, um die tt Talente-Sektion für junge Kulturjournalisten des Theatertreffens vom Zeitungsformat in ein Online-Erlebnis weiterzuentwickeln, waren wir mehr als freudig überrascht von der Unterstützung der Leserinnen und Leser, der Medienpartner und dem Erfolg des Projekts. In seinem dritte Jahr erreichte das Theatertreffen-Blog täglich um die 1.000 Einzelbesucher, kooperierte mit verschiedenen Publikationen, so etwa mit der Berliner Zeitung, dem englischen Berlin-Magazin exberliner und der Kulturplattform des Friedrich Verlags im Netz kultiversum. Über die Jahre wurde das Blog von verschiedenen künstlerischen Bloggerinnen unterstützt, etwa von Mary  Scherpe von stilinberlin und von Johanna von Stülpnagel (oheissa).

Und, es ist kaum zu glauben, bald betreten wir das vierte Jahr des Theatertreffen-Blogs, zusammen mit den Medienpartnern Berliner Zeitung und exberliner, finanziell unterstützt von der renommierten Rudolf Augstein Stiftung. Es soll wieder jungen Online-Talenten eine andere Diskussion über zeitgenössisches deutschsprachiges Theater ermöglichen. Ein Blog, das bereits vier Jahre existiert, kann man getrost als Klassiker bezeichnen, oder?

Für 2012 suchen wir fünf Kulturkritiker, Photographen, Illustratoren, Grafiker und Audiojournalisten bis 35 Jahre, die als Festivalredaktionsteam das Theatertreffen im Mai 2012 im Netz begleiten möchten. Die Teilnehmer sollten Theaterbegeisterung mitbringen, ein eigenes Blog haben, das sich mit Theater, kulturellen Themen oder aktuellen Debatten beschäftigt, auch anhand verschiedenster Medien. Das Ziel ist er, die Kulturberichterstattung im Netz weiterzuentwickeln und Theaterdiskussionen im Internet zu stärken.

Bei Interesse brauchen wir: einen tabellarischen Lebenslauf mit Geburtsdatum und Adresse, den Link zu dem eigenen Blog, ein bis zwei Arbeitsproben und einen Motivationstext von etwa einer Seite, der das eigene Interesse am Theatertreffen-Blog und an aktuellen Debatten darstellt. Deadline: 1. Februar 2012. Adresse: theatertreffen-blog (at) berlinerfestspiele (dot)de.

Mehr Informationen finden sich auf der Webseite der Berliner Festspiele.

Die endgültigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden Mitte Februar 2012 bekanntgegeben. Sie erhalten die Reisekosten nach Berlin erstattet sowie die Unterkunft (bei Nicht-Berlinern), Festivaltickets und eine Vergütung.

2. Dezember 2011 - 1:32 Uhr

We want you!

When we started Theatertreffen-Blog in 2009, developing the young arts‘ journalists section of the theatre festival Theatertreffen from a print programme into an online editorial experience, we were overwhelmed with the support of readers and the success of the project. In its third edition in 2011, the blog gathered around 1.000 unique visitors per day, collaborating with three different media partners, such as the Berlin daily Berliner Zeitung, the Berlin English magazine exberliner and the online cultural platform Kultiversum. Over the years, the blog also was supported by distinct artistic bloggers from Berlin, by Mary Scherpe from stilinberlin and by Johanna von Stülpnagel from redenswinger.

And, believe it or not, we are entering the fourth year of Theatertreffen-Blog, with our partners Berliner Zeitung, exberliner and with financial support by the renowned Rudolf Augstein Stiftung, making possible a different discussion about contemporary theatre with the ideas and works of online talents. A blog that runs for four years can be regarded as a classic, can it not?

For 2012, we are again looking for young arts‘ critics, photographers, graphic artists and audio journalists up to 35 years, that would like to participate in a festival editorial team, accompanying the festival in May 2011. Par­ticipants must be theatre enthusiasts with very good spoken German and their own blog (in German or English) on theatre, cultural issues and contemporary debates, prefer­ably in multimedia form. Our aim is to promote young online cultural journalism and to give theatrical issues a stronger presence on the web.

If interested, please send your CV including your date of birth and address, the link to your blog, one or two samples of your work and a short motivation letter why you’d like to be part of Theatertreffen-Blog 2012 to theatertreffen-blog (at) berlinerfestspiele (dot)de. Deadline: 1st February 2012. You will find more detailed information on the website of Berliner Festspiele.

Final participants will be announced in mid Februrary 2012. They will be paid their trip to Berlin, hosted in Berlin – if not Berlin residents – and given free festival tickets as well as a little remuneration.

25. Mai 2011 - 17:07 Uhr

Die große plurale Rückschau

Nach drei Wochen zieht das gesamte tt-Blog-Team eine vielstimmige Bilanz, sortiert nach Eingang. Und dann ab.

Fazit im Bildformat. Jakob Kraze Foto: Yehuda Swed

Die Zeit während des Theatertreffens habe ich als eine sehr stürmische erlebt: viele neue Gesichter und Ideen, die einen mitreißen und manchmal auch umreißen können. Aber gerade das ist auch das Spannende – seinen Standpunkt zu verlassen und durch die Augen eines anderen zu blicken. Ich lernte neue Perspektiven kennen und gewann neue Erfahrungen. Das wiederum stärkt die Empathie und hilft, die anderen besser zu verstehen. Wir sind alle sehr unterschiedliche Persönlichkeiten und haben unsere Eigenheiten in die Redaktion eingebracht. Die Symbiose dieser Persönlichkeiten in einem Produkt, dem Blog, fand ich sehr spannend. (Anna Deibele)

Ich erinnere mich an ein Festival, an dem viele starke tolle Frauen beteiligt waren. Intendantinnen, Kritikerinnen, Blogkoordinatorinnen, Stückemarktleiterinnen – die Liste lässt sich fortsetzen. Das Theater bleibt ein Ort, an dem ich mich wohl fühle, mich freue, meine Leidenschaft teilen zu können. Das tt 2011 war für mich auch ein Festival mit einem jugendlichen Geist, mit vielen jungen Autoren, Schauspielern und Regisseuren sowie einem Herbert Fritsch, der energetisch gesehen kaum älter als 30 Jahre alt zu sein schien. Und She She Pop-Vätern, die sich nicht von der Herangehensweise ihrer Töchter abschrecken ließen und so ein selten emotionales Theatererlebnis zugelassen haben. (Grete Götze) Weiterlesen »

24. Mai 2011 - 11:07 Uhr

Tagpolitik

Es geschah in der Zeit, als die Nora beim Theatertreffen ihre Tutus raffte. Auf einmal standen da hübsch alliterierte F-Words in einer Reihe in der tt-Blog-Schlagwortwolke. Frau Frauen Freiheit. Die Frauen kamen langsam, aber gewaltig. In der Wolke, dieser Ansammlung von Artikel-Begriffen, gaben sich zu Beginn des Bloggens noch die Provinz und die Mutter fett und gewichtig, weil Iris Laufenberg den Muttertag und Katrin Schmitz ihre Provinzdifferenz beleuchtet hatten, doch schnell dominierte ein einziger Name. Herbert Fritsch wurde größer und größer, Fadrina Arpagaus verleitete das zum Ausrufen der „Herbert-Fritsch-Festspiele.“ Und obwohl das Blogteam zwei meinungs- und wortstarke US-amerikanische Mitglieder hatte, Cory Tamler und Matt Cornish, blieb die Wolke erstaunlich biodeutsch. Kein Englisch, nirgends. Die Wolke als mono-linguales Brachland. Oder nein: foreign angst und live-blog verstecken sich hinter der Kleinschreibung, aber beide beziehen sich auf deutsch-englische Mischtexte. Gilt das? Oder ist das erst recht ausgrenzend? Nach einer ausführlichen Luder-Debatte näherten sich Karin Beier und Kathrin Röggla immer mehr dem Mittelpunkt des Begriffsmonuments HF. Guttenberg streckte sich von oben, später dann auch Christoph Schlingensief. Wir müssen politischer taggen, forderte Leo Lippert auf Facebook! Wo sind meine Bildergalerien? ärgerte sich Yehuda Swed. Und ich frage mich jetzt nur noch, hinter welcher Tagpolitik sich Grete Götze und Anna Deibele verstecken. Annas Russenklischées bleiben höflich im Hintergrund, vielleicht treten ihre Audios bald hervor? Grete Götze schob Roger Vontobel mit ihrem ausführlichen Wochenendinterview in die Sichtbarkeit. Aber das Gute ist, all das kann sich noch ändern. All das bleibt in Bewegung.

Denn Schlagworte gibts genug. Von A wie Aino Laberenz bis V wie Video. Und nach einem Blick in die Tagespresse, die ich schändlicherweise in den vergangenen Wochen vernachlässigt habe, springen mir die Worte ins Gesicht, die die echte Tagpolitik gerade bestimmen: Strauss-Kahn, Osama bin Laden, Fukushima, Krieg in Libyen, Cannes. Wie konnte mich die tt Wolke bloß so verschlingen?

23. Mai 2011 - 21:51 Uhr

Zwei Kritikerinnen

Theaterkritik, wohin gehst du? Ein Gespräch mit Sigrid Löffler und Christine Dössel über den Spaß an Verrissen, Dinosaurier des 20. Jahrhunderts und Klagen gegen den eigenen Arbeitgeber.

Sigrid Löffler und Christine Dössel. Verschwommenes Foto: Grete Götze oder Nikola Richter, fotografisches Talent ausbaufähig

Nikola Richter: Sigrid Löffler, Sie haben lange das Feuilleton geprägt, beim österreichischen Magazin „profil“, bei der Wochenzeitung „Die Zeit“ etwa. Wir möchten mit Ihnen über Ihre Berufserfahrungen sprechen, um etwas für unseren Berufsweg mitzunehmen. Wie sind Sie Kritikerin geworden?
Sigrid Löffler: Kritiker kann man nicht werden, nur sein. Ich habe mich vom politischen Journalisten zum Kulturjournalisten entwickelt. In Österreich war es relativ leicht, als Kritiker einen neuen Ton und einen neuen Stil zu etablieren, denn die Kritik war verkommen: ein kriterienloses selbstzufriedenes Geschmacksgerede, Daumen rauf, Daumen runter, ohne Kenntnis der und ohne Interesse für die neuen Entwicklungen der Kunstwelt im Ausland, namentlich in Deutschland.

NR: Wie sah Ihre Form der Kritik aus?
SL: Ich habe adornitisch argumentiert, analysiert und Vergleiche angestellt, und mein Geschmacksurteil war sekundär.

Grete Götze: In einer Kritik muss also nicht stehen: „Diese Inszenierung ist gelungen“?
SL: Es muss vor allem nicht drinstehen: „Das ist die gelungenste Inszenierung des vergangenen Jahrzehnts.“ Solchen Blödsinn habe ich nie geschrieben. Aus der Rezension sollte das kritische Urteil implizit hervorgehen. Als ich jünger war, hat es mir Spaß gemacht, scharfe und witzige Verrisse zu schreiben. Heute nicht mehr.

GG: Warum?
SL: Mit guten Verrissen kann man sich als junger Kritiker leicht und rasch einen Namen machen. Es gibt aber wenige Dinge, die zu verreißen sich wirklich lohnt. Zeug, das nichts taugt, taugt auch nicht dazu, sich damit auseinanderzusetzen. Außer, es ist wirklich auf eine so ärgerliche Weise misslungen, dass es schon wieder exemplarisch ist.

GG: Wie kam es dazu, dass Sie von der politischen Journalistin zur Kulturjournalistin wurden?
SL: Man müsste eher fragen: Wie kam es dazu, dass ich in der Politik angefangen habe? Ich war durch mein Studium gepolt auf die Künste, aber mein erster Chefredakteur wollte mich in der Politik sehen. Ich bereue diesen Seitensprung nicht, bin froh, auch als Kulturjournalist politisch zu denken. Es ist ein nicht ganz unschlauer Weg für einen Journalisten, als Allrounder anzufangen und sich dann zu spezialisieren.

NR: Haben Sie sofort als Redakteurin angefangen?
SL: Ja, das waren die märchenhaften Zeiten des 20. Jahrhunderts: Man wurde sofort angestellt. Ich habe gleichzeitig immer schon versucht, mir in Deutschland einen Namen zu machen. Irgendwann bemerkt man die Disproportion zwischen dem eigenen Ehrgeiz und dem kleinen Land Österreich. Dann muss man aus Wien weggehen.

GG: Kritisieren Männer und Frauen auf unterschiedliche Art und Weise?
SL: Es gibt sachorientierte Kritiker, und es gibt eitle, narzisstische Kritiker, die in erster Linie darüber schreiben, ob sie heute Kopf- oder Bauchweh haben und dann in der dritten Spalte darauf kommen, dass sie auch ein Theaterstück gesehen haben. Das ist aber nicht nach Geschlechterrollen aufzuteilen.

NR: Aber man redet öfter von Kritikerpäpsten als von Kritikerpäpstinnen, warum? Weiterlesen »

22. Mai 2011 - 16:45 Uhr

Alfred-Kerr-Darstellerpreis an Lina Beckmann

Lina Beckmann nach der tt Premiere von "Der Kirschgarten". Foto: Piero Chiussi

Der Alfred-Kerr-Darstellerpreis, der seit 1991 für die herausragende Leistung eines deutschsprachigen Nachwuchsschauspielers verliehen wird, geht in diesem Jahr an die 30-jährige Lina Beckmann. Sie war im Rahmen des Theatertreffens in zwei Inszenierungen des Schauspiel Köln zu sehen: in „Das Werk / Im Bus / Ein Sturz“ (Regie: Karin Beier) und als Warja in „Der Kirschgarten“ (Regie: Karin Henkel).

Die Schauspielerin und Jurorin Eva Mattes sagte in ihrer Laudatio: „Lina Beckmann ist mir nahegerückt durch ihr Spiel und hat mich das ganze Theatertreffen hindurch begleitet. Sie hat mich nicht mehr losgelassen, und bei all‘ meiner Liebe zu den anderen hoffnungsvollen Begabungen, ließ sie sich nicht verdrängen. She’s a natural woman und sie beherrscht die Bühne.“

Die Kölner können die Preisträgerin gleich heute Abend wieder spielen sehen; in Berlin war sie daher nur in einer Videoaufzeichnung anwesend.

22. Mai 2011 - 2:56 Uhr

Seitenrang links

Nach jeder tt Premiere bitten wir jemanden aus dem Publikum um ein kurzes Gespräch zur Inszenierung. Diesmal antwortete Marie Manteuffel, 26 Jahre, auf unsere Fragen zu Via Intolleranza II.

1. Warum wolltest du dir Via Intolleranza II anschauen?
Ich wollte sehen, wie dieses Projekt in Deutschland auf die Bühne gebracht wird.

2. Wie hast du die Karte bekommen?
Ich habe sie einem Freund abgekauft für 29 Euro, der heute nicht kommen konnte.

3. Was fandest du bemerkenswert?
Dass bei mir ein beklemmendes Gefühl ausgelöst wurde, das sich verstärkte, je länger der Abend wurde.

4. Was möchtest du von Afrika lernen?

Ich weiß nicht, was man überhaupt voneinander lernen kann. Das ist etwas frustrierend, dieser Abend macht es einem sehr deutlich. Lernen, die eigene Identität zu finden, in einer Gesellschaft, egal, wo man ist, dass man die eigene Identität ausleben kann.

15. Mai 2011 - 13:37 Uhr

Talentetreffen 2011

Seit 2006 laden die tt Talenteplattformen die ehemaligen Talente für einen Vernetzungstag, das Talentetreffen, ins Haus der Berliner Festspiele. In diesem Jahr diskutierten mehr als 120 Teilnehmer über Rollenzuschreibungen im Theaterbetrieb, als Künstler, aber auch bezogen auf Geschlechterbeziehungen. Die Einführungsreden der argentischen Schauspielerin Maricel Álvarez und des Schauspielerregisseurs Herbert Fritsch eröffneten das Spielfeld: weg von Dichotomien (Álvarez), kritisch sein gegenüber Anweisungen (Fritsch). Ihre persönlichen Standpunkte zum Motto der Minikonferenz „Gender your role“ stellten Alumni in Tischgesprächen vor. Anstatt eines Tagungsberichts haben wir eine Bildergalerie mit vielen Menschen und einigen Positionen zusammengebaut. Wer noch Ergänzungen hat: Kommentare und Bemerkungen bitte bei uns lassen.

Über die tt Genderdebatte hat Leo Lippert ausführlich in seinem Beitrag nachgedacht.

13. Mai 2011 - 17:30 Uhr

Live-Blog zum Publikumsgespräch zu „Don Carlos“

Heute Abend bloggen wir wieder live vom Publikumsgespräch. Diesmal geht es um die „Don-Carlos“-Inszenierung. Der Regisseur Roger Vontobel wird unter anderem mit dem Theatertreffen-Juror Andres Müry, aber hoffentlich auch mit einem kritischen Publikum diskutieren. Moderation: Barbara Burckhardt, Start: 23 Uhr. Zur Vorbereitung empfehlen wir Matt Cornishs Kritik (Englisch), unsere Zitat-Kritik und Johanna von Stülpnagels Zeichnung. Original-Schiller hier.

22:53: Bald geht es los. 30 Leute im Publikum, 16 Stühle auf der Bühne, wer kommt da wohl gleich alles? Nur zur Klärung: Dieses Format ist nicht ironisch gemeint, wir sind eine Art Service.

23:00: Die Reihen füllen sich, angenehmes Murmeln. Bemerkenswert: die Freitagabenddisziplin der tt-Besucher.

23:04: Moderatorin Barbara Burckhardt bittet „die Herrschaften“ auf die Bühne: Regisseur Roger Vontobel besetzt die Stühle mit Cast und Crew.

23:06: Barbara Burckhardt entschuldigt sich im Namen der Berliner Festspiele für die Affenhitze in den Rängen.

23:08: Vontobel: Don Carlos ist eines der besten Drehbücher, die ich je gelesen habe. – Ja, genau, eine Art Tatort.

23:09: Nochmal Vontobel: Die Dinge überschlagen sich, die Arbeit mit Video hat es ermöglicht, dass sehr viel gleichzeitig passiert.

23:12: Dramaturg Robert Koall freut sich, dass jemand endlich die Textfassung erwähnt. Immer noch ein „dreieinhalb Stunden-Abend“. 40 Prozent der Originals sind uns heute entgangen, ohne Kürzung säßen wir jetzt noch in der Affenhitze.

23:13: Burkhart Klaußner redet über die unendliche Verquickung von Privatem und Politischem bei Schiller, bei Schiller sei das aufgehoben wie die „Fliege im Elfenbein“. Äh, Bernstein. Weiterlesen »

29. April 2011 - 15:20 Uhr

Von der Rolle

Standpunkte erwünscht. Foto: Ute Döring

Was wäre das Theater ohne Gespräche, Gerüchte, Debatten, Netzwerke, Prunk und Pomp und Identitätsspielchen? Heute heirateten Kate und Bill, morgen gibts ein Laptop-Wedding. Was das ist? Eines der vielen neuen Formate auf der Kurzkonferenz der drei tt Talenteplattformen Internationales Forum, Stückemarkt und tt-Blog, am 13. und 14. Mai, für ehemalige „Talente“, aber auch externe, die sich für das diesjährige Thema „gender your role“ interessieren. Der Schauspieler und Regisseur Herbert Fritsch und die argentinische Schauspielerin Maricel Alvárez halten Impulsreferate, danach gehts an Tischgesprächen, geleitet von Ehemaligen, weiter.

Die Teilnahme am Talentetreffen ist kostenlos, Anmeldeformulare und weitere Informationen finden sich unter diesem Link.

21. April 2011 - 11:55 Uhr

Raum-Zeit-Kontinuum

Der tt Gang mit still stehender Bahnhofsuhr.

Die Zeit steht still. Hier, im 3. Stock im Haus der Berliner Festspiele, ist es gerade immer Viertelvorzwölf. Hier befinden sich die meisten Büros der Mitarbeiter des Theatertreffens, rechter Hand geht es beispielsweise hinein zu Iris Laufenberg. Der Flur, der am Montag noch voller Kisten stand, ist nun wieder wie leergefegt, alle Ordner, Tassen, Wimpel sind ausgepackt. Über die internen Mailinglisten laufen Suchanzeigen für vermisste Gegenstände wie Regal-Stabilisierungskreuze oder quadratische Spiegel. Vielleicht sollte ich einen Aufruf für eine neue Batterie der Flur-Uhr starten? Immer, wenn ich den Gang entlang laufe, fällt mein Blick auf ihr Ziffernblatt, und mein Tagesplan bekommt eine kleine Erschütterung: „Wie, schon so spät – oder früh?“ Ich bin verunsichert, durch meinen Kopf rattern To-Do-Listen.

Ich versuche daher lieber, die eingefrorenen Zeiger als Symbol zu verstehen, dafür, dass bald, beim Festival im Mai, Zeit und Raum relativ werden. Egal ob Donnerstag oder Sonntag, jeder Tag ist dann Festivaltag, die innere Uhr läuft mit Festivalstrom und das fühlt sich so an, wie „ungefähr heute“ (Zitat aus „foreign angst„, Konradin Kunze, eingeladen zum Stückemarkt 2011). Genauer brauchen wir es ja nicht, oder? Und zumindest beruhigt es mich, dass die Uhrzeit zweimal am Tag stimmt…

19. April 2011 - 15:32 Uhr

Ums Festspielhaus herum

11. April 2011 - 10:43 Uhr

Video means „I can see“

We’re all visual people, this is why we’d like to link to the new image video of Theatertreffen here. It is filled with extracts from this year’s performances, amongst them Don Carlos, Cherry Orchard and Mad Blood, three of the five productions with English surtitles – what a joy for the English speaking world! What else do we get told by this video? We see crowds, because, yes, the festival is a collective experience from subjective points of view, by our seven bloggers, but also by the audience, talents and professionals. Join the debate when we start blogging on 2 May!

If you like videos, then have a look at Theatertreffen-Blog videos from 2009: a portrait of the „Theaterarzt„, Christoph Schlingensief answers five questions, fast-motion stage construction for Volker Lösch’s „Marat“, and all videos from 2010 in a row.

15. März 2011 - 22:34 Uhr

Hebebühne

So sieht es momentan im Zuschauerraum des großen Theatersaals der Berliner Festspiele aus: eine staubende, lebendige Inszenierung. Wo in sechs Wochen die Sitzreihen wieder eingebaut sein werden und modernste Technik die Gastspiele erwartet, findet derzeit schweißtreibender Aufbau statt. Wer hätte wohl dieses Bühnenbild gebaut, wenn es ein Bühnenbild wäre? Und welches Stück fände dort statt? René Pollesch mit „Ein Kran irrt sich gewaltig“? Oder Regiestudenten der Ernst Busch mit ihrer literarischen Collage „Die Leiter des jungen Wärters“? Oder hätte Volker Lösch illegale Wanderarbeiter beschäftigt für seine Revue „Im Staube des Angesichts“?