Video means „I can see“

von

We’re all visual people, this is why we’d like to link to the new image video of Theatertreffen here. It is filled with extracts from this year’s performances, amongst them Don Carlos, Cherry Orchard and Mad Blood, three of the five productions with English surtitles – what a joy for the English speaking world! What else do we get told by this video? We see crowds, because, yes, the festival is a collective experience from subjective points of view, by our seven bloggers, but also by the audience, talents and professionals. Join the debate when we start blogging on 2 May!

If you like videos, then have a look at Theatertreffen-Blog videos from 2009: a portrait of the „Theaterarzt„, Christoph Schlingensief answers five questions, fast-motion stage construction for Volker Lösch’s „Marat“, and all videos from 2010 in a row.


Inklusivität

Als eine in Berlin wohnende amerikanische Theatermacherin und Wissenschaftlerin finde ich es wunderschön, wenn ich aktuelle Debatten und Ereignisse der amerikanischen Theaterwelt verfolgen kann, obwohl ich 6.000 Kilometer oder mehr entfernt bin. Durch Blogs wie „HowlRound“ und „YoungBlog“, Twitter Hashtags wie „#2amt“ und Livestreams von Veranstaltungen wie des „Newplay Convening“ in Washington D.C. wird es immer einfacher, beide Welten kreativ zu verbinden. (mehr …)


Image just an eyeless game

Für mich ist das Bloggen eine großartige Möglichkeit, meine Ideen mit Menschen unterschiedlichster Herkunft zu teilen und interessante Impulse von ihnen zu bekommen. Es ist eine faszinierende Möglichkei, zu networken und von Leuten aus der ganzen Welt zu lernen. (mehr …)


Unmittelbarkeit

Eigentlich ist es ja ausgemachter Blödsinn, über Theater bloggen zu wollen. Denn Theater lebt vom Moment, vom Livecharakter, von seiner Flüchtigkeit und ewigen Unfertigkeit. Texte, Bilder und Videos hingegen sind irgendwann fertig. Irgendwann kommt der Punkt, wo man auf Veröffentlichen klickt, wo das Ganze online geht, fixiert und (hoffentlich) ewig abrufbar. Dann wird aus dem Moment seine bloße Dokumentation. Dokumentation, und sei sie auch noch so multimedial, wird Theater nie ersetzen können. (mehr …)


Offener Kulturbegriff

Mir ist es wichtig, dass Theater und das Schreiben darüber nicht zu eng und elitär gesehen werden, sondern dass viele Menschen einen Bezug zu Kultur entwickeln. Deswegen schreiben für mein Blog blogkultur unterschiedliche Leute mit unterschiedlichen Berufen über das, was sie unter Kultur verstehen. (mehr …)


Hyperlinken

Räume, in denen man auf berühmte Touristenattraktionen klettern kann (Agathe Snows „All Access World“); ein Video, in dem Katzen auf Klavieren herumlaufen, während Arnold Schönbergs Opus 1-11 erklingt (Cory Arcangels „Cute Kittens“); eine Inszenierung, in der die Schauspieler das Stereotype ihrer Charaktere und Geschichten erkennen und benutzen („Verrücktes Blut“ von Nurkan Erpulat und Jens Hillje): Diese Kunstwerke zeigen eine Grenze auf, die wir vorher vielleicht nicht erkannten, und öffnen sie. (mehr …)


Gedankenbörse

Es gab einen Moment in meinem Leben, an dem mein Kopf zu klein war für das Chaos meiner Gedanken – als ich meine erste Theaterkritik schrieb, zu „Psychose 4.48“ von Sarah Kane, inszeniert von Branko Šimic am Staatsschauspiel Dresden. Nachdem das Papier meine Gedanken und Gefühle übernommen hatte, war mein Kopf erstaunlicherweise wieder frei und machte Platz für neue Eindrücke. Die Theaterkritik blieb unveröffentlicht. (mehr …)


Durchlässigkeit

Der Blog des Schauspiels Theater Basel arbeitet mit dem Überfluss. Ein Theater produziert immer ein Zuviel; es ist immer mehr als das, was auf der Bühne passiert. Dieses Mehr ist Thema meines Blogs.

Was normalerweise an Schriftlichem ein Theater verlässt, ist in eine Form gegossen und gibt den Anschein des Fertigen. Stückzettel, Theaterzeitungen und Programmhefte vertreten künstlerische Leitlinien, etablieren das Theater als Festung und Marke. Der Blog hingegen ist sich seiner und seiner Methode nicht so sicher. Manchmal folgt er einem Wort, das auf einer Probe geprägt wird, manchmal einer Regisseurin durch die Gänge zur Bühne. (mehr …)


Büroalltag, bunter

Ankommen, Computer an, Jacke aus. Neben dem Wasserkocher stehen und warten, dass das Teewasser warm wird. Vor dem Computer sitzen und warten, dass er hochfährt. Währenddessen: Bunte Stifte sortieren. Emails checken, beantworten, tippen, klicken, schicken, los. Neue Geschichte zu „Berliner Festspiele – Wir feiern!“ lesen. To-Do-Liste für den Tag erstellen. Die bunten Stifte sind schon wieder durcheinander. Persönliche Daten der Blogger einholen. Bei Fragen zum Unterschied zwischen Steuer- und Identifikationsnummer hilft die Mutter. Weitermachen. Den Teilnehmern Aufgaben schicken, Getanes abhaken, die Stifte spielen den Urknall nach. Jetzt noch schnell Fotos fürs Blog machen. Über den Büroalltag. Und morgen früh die Stifte neu sortieren.


Hebebühne

von

So sieht es momentan im Zuschauerraum des großen Theatersaals der Berliner Festspiele aus: eine staubende, lebendige Inszenierung. Wo in sechs Wochen die Sitzreihen wieder eingebaut sein werden und modernste Technik die Gastspiele erwartet, findet derzeit schweißtreibender Aufbau statt. Wer hätte wohl dieses Bühnenbild gebaut, wenn es ein Bühnenbild wäre? Und welches Stück fände dort statt? René Pollesch mit „Ein Kran irrt sich gewaltig“? Oder Regiestudenten der Ernst Busch mit ihrer literarischen Collage „Die Leiter des jungen Wärters“? Oder hätte Volker Lösch illegale Wanderarbeiter beschäftigt für seine Revue „Im Staube des Angesichts“?


Ein Internationaler Frauentag – muss das sein?

Mir wurde als Kind und Jugendliche aus Westdeutschland mit DDR-Verwandtschaft weisgemacht, dass der Internationale Frauentag am 8. März reine kommunistische Propaganda sei. Stattdessen wurde ich ermuntert, meiner Mutter zum Muttertag Geschenke zu basteln. Noch heute wird in den Kindergärten zum Muttertag fleißig an Herzchen für Mama gewerkelt, und auch ich werde Jahr für Jahr im Mai beschenkt – allein dafür, dass ich Mutter bin. Unter den Tisch gekehrt ist längst, dass die Erfolgsgeschichte des Muttertags zwischen 1933 und 1945 begann und bis heute rein gar nichts zur Frage der Gleichstellung von Frauen und Männern in der Gesellschaft beiträgt.

Mein Bewusstsein für die Frauen-Frage – das muss ich an dieser Stelle gestehen – ist erst sehr spät geweckt worden, obwohl es schon in den Anfängen meiner beruflichen Laufbahn genug Anlässe gab, die mich zum Nachdenken hätten anregen können: Zum Beispiel vor 25 Jahren, als Hansgünther Heyme in die Dramaturgie stürmte und, mich – die Dramaturgieassistentin – ignorierend, brüllte: „Warum ist denn hier keiner?“

Erst in den vergangenen Jahren fiel mir auf, wie wichtig bei Frauen in Leitungspositionen das Aussehen ist („Wie sieht die Laufenberg denn heute aus?“) und dass sich bei einer Schwangerschaft als Berufstätige wie selbstverständlich die Rabenmutterfalle auftut („Warum tust du deinem Kind das an?“). Und mir wurde schließlich klar: Die Jungs sind einfach viel besser vernetzt, besser bezahlt sowieso, lästern schärfer und knapper, um sich dann am Ende – wenig beleidigt – die guten Jobs gegenseitig zuzuschieben. Kinder haben sie selbstverständlich auch, gut zu Hause behütet.

Eleganter wäre, sich gelassen darüber hinwegzusetzen und zu alldem weiter zu schweigen. Langfristig ist es aber sicher effektiver, am 8. März den über 100 Jahre jungen Internationalen Frauentag zu nutzen und einfach laut zu sagen, was alles noch im Argen liegt. Und warum nicht auch: „Frauen aller Länder, vereinigt euch, denn wir sind viele!“?

Mein Veranstaltungstipp: „How did feminism become a dirty word?” (Arbeitstitel). Diskussion im Rahmen des Theatertreffens mit Marlene Streeruwitz, Thea Dorn u.a., 18. Mai um 18 Uhr im Haus der Berliner Festspiele.


Provinzbüro 103

Die Provinz ist beim Theatertreffen in Berlin angekommen. Sie sitzt im Büro 103 und schreibt gerade diesen Text. Mein letzter Besuch hier liegt sechs Jahre zurück, hat vier Tage gedauert und war gekennzeichnet durch ein SoWi-LK-Programm mit Bundestag und Politikverdrossenheit, und weil der Deutsch-LK auch dabei war, durften wir auch einmal ins Theater. So unmotiviert vom Lehrkörper ausgewählt, dass man da auch nicht mehr hin will. Nie hat man weniger in vier Tagen erleben können. Dabei wäre es so leicht gewesen, die Provinz zu beeindrucken. Denn wenn sie mal in die große Stadt kommt, ist einfach alles aufregend. Mehrgeschossiger Bahnhof! U-Bahn! Busse, die bis nach 18 Uhr fahren! Büro mit Chipkarte, Kino, Theater und Kulturveranstaltungen, die man nur als Tausendfüßler an den Händen abzählen kann!

Gestern war die Provinz zum ersten Mal im KaDeWe. Bei ihr zu Hause gab es immerhin einen Karstadt, der hier aber nicht einmal als Ein-Euro-Shop durchgehen würde. Trotz ihrer 25 Jahre stand die Provinz die meiste Zeit staunend vor dem zwei Meter hohen Steiff-Elefanten in der Spielzeugabteilung und wünschte sich, doch noch ein bisschen kleiner zu sein, um auf ihm sitzen zu können, ohne dass er kaputt geht. Dann verließ sie das KaDeWe und tauchte ein in die Stadt. Sie freut sich auf weitere Empfehlungen, was in der Hauptstadt anzustellen, anzuschauen, zu genießen und zu erleben ist! Bitte als Kommentar unten einfügen.