Stückemarkt


All Horse

I had the honor of meeting and speaking with Halito (16 years old, Arabian), a horse who has often appeared on stage and screen, by now cutting a familiar figure in the Berlin theater-going community. Halito played a small but stirring role in tonight’s staged reading of Mario Salazar’s „Alles Gold was Glänzt“ (All That Glitters), the fifth and final play of this year’s Stückemarkt. „Alles Gold“ won the Hörspielpreis at the 2011 Stückemarkt, and will be produced as a radio play in the spring of 2012 (off the record: Halito is playing coy about his ongoing negotiations for an expanded speaking part in this upcoming version).

Though Halito is quite voluble, your knowledge of ‚horse‘ might not be quite sophisticated enough to follow all his answers to my questions in the video included here, so I have included a transcript of our conversation after the jump.

Interview with Halito the Horse, by Anna Deibele from theatertreffen-blog on Vimeo.

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Die Gewinner des Stückemarkts sind …

Juri Sternburg (Förderpreis für neue Dramatik), Anne Lepper (Werkauftrag) und Mario Salazar (Hörspielpreis)! Alle drei Preisgekrönten waren bei der Verleihung so verdattert, dass sie, sonst so sprachgewaltig, kaum einen Satz über die Lippen brachten. (mehr …)


Live-Blog zum Publikumsgespräch zu „Tod eines Handlungsreisenden“

Heute Abend stellten sich Stefan Pucher und sein Ensemble von der zum tt eingeladenen Inszenierung „Tod eines Handlungsreisenden“ im Radialsystem den Fragen des Publikums. In unserer beliebten Serie „live-blog“ sollten Sie ab 22.30 Uhr erfahren, worüber diskutiert wird. Da der kabellose Netzzugang die Spielstätte aber bereits den ganzen Tag im Stich gelassen hatte, musste auch ich das Blog offline schreiben. Und im Nachhinein hochladen.

22:40: Ein handvoll Enthusiasten sind von einem zahlreichen, eher bürgerlich-gesetzten Publikum übrig geblieben. Mit einer leichten Verspätung geht das Publikumsgespräch los. Der Moderator Tobi Müller kommt auf den Song „I’m set free“ von Velvet Underground zu sprechen, der am Ende von allen Schauspielern musiziert und gesungen wurde.

22:43: Der Regisseur Stefan Pucher versteht den im Song als eine Art Befreiungsschlag. Das gemeinsame Musizieren wäre auf jeden Fall eingeplant gewesen, aber so recht wussten alle nicht wohin damit: „Man trifft sich halt, man macht Musik!“ Ist leider auch so angekommen. Die Musikszene banalisiert das Ende und zwar unnötig.

22:45: Tobi Müller meint, im Stück die Wirtschaftskrise wieder erkannt zu haben. Pucher sieht darin eher die Verarbeitung seiner Englisch-Leistungskurs-Traumas. Das Stück kam ihm damals wahnsinnig düster vor: „Als würde man Krebs kriegen davon!“ Inzwischen sieht er „Den Handlungsreisenden“ als ein paranoid positives Stück mit einer wahnsinnigen Energie von Aufbruch. Deswegen auch der Song am Ende letztendlich als Entspannungsszene für die Protagonisten gedacht. Publikum lacht.

22:48: Tobi Müller: Die Loman-Brothers unterscheiden sich nur wenig von den Lehmann-Brothers und den Menschen der 50er und 60er Jahre. Pucher entgegnet, wenn er in Berlin-Prenzlauerberg sei, wundere er sich immer über die neuen Geschäfte und frage sich, wer da immer die neuen Geschäftsideen hat. Da sei ja schon vorprogrammiert, dass die eingehen werden. (mehr …)


Alles Gold was glänzt * Mario Salazar


Staging the gender imbalance: women in theater

From the theme of the Talentetreffen, to a women-in-directing exhibit, to yesterday’s „Feminism: Today a Dirty Word?“ discussion and more, gender has been a big topic at this year’s Theatertreffen. As the Theatertreffen Stückemarkt prepares to wrap up tonight with the awarding of the 2011 playwriting prizes, which include cash for the author and a production of the winning play, there are numbers that beg the question: what is the Theatertreffen as a whole really doing to contribute meaningfully to the gender debate – other than just talking about it?

We’re thrilled to see a debate happening on the blog – over a sexist-or-maybe-not-remark from director Herbert Fritsch, invited twice to the Theatertreffen this year, and both times with a play centered on a strong female character (in the case of A Doll’s House, one of the strongest female characters in the dramatic canon). For you non-German speakers, it boils down to a little something like: Fritsch says he likes a woman who’s a „Luder“ (hard to translate but suggestions include „hussy,“ „minx,“ or my personal favorite, „a sly cow“). Some folks find this sexist and unacceptable for a theater director because of the way that implies he interprets female characters onstage, others find it to be a mere personal preference and therefore don’t see the harm in it, still others seem to be worrying about how the actresses themselves must feel having to act out Fritsch’s female caricatures for an audience.

Personally, I’m inclined to say Fritsch can go ahead and show whatever he wants onstage – as long as there’s room left for other perspectives to be shown. It shouldn’t be a problem for him to tell a story the way he wants to tell it – as long as other stories are getting their chance to be told.

And in theory, everybody gets to tell their story. But there’s a big gap here between theory and practice.

The „post-migrant theater“ movement represents one part of the population not getting its proportional share of stage time. Yet there is another group whose presence in the theater world is far smaller than it is in the real world, whose voice is not being heard, whose perspective isn’t being seen. So let’s look at it through some numbers, because after all, numbers are neutral, aren’t they?

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Feminismus – ein Unwort?

Marlene Streeruwitz. Foto: Piero Chiussi

Die österreichische Autorin und Regisseurin Marlene Streeruwitz saß gestern auf dem Podium für die Theatertreffen-Diskussion „Feminismus heute ein Unwort?“, in der die Frauenfrage im Hinblick auf kreative Berufe erläutert werden sollte.

Auch wenn Marlene Streeruwitz darauf hinwies, dass sie „immer nur zu Feminismus gefragt“ würde, obwohl sie sich doch durchaus auch mit anderen Themen beschäftige, überzeugt sie mit einer genaueren Lesart, die sich nicht nur immer wieder auf Familie und Beruf bezieht. Ein paar O-Töne der „Feministin mit zusammengebissenen Zähnen und Messer in der Tasche“.


„Die eigene Verwickeltheit“

Kathrin Röggla spricht über unterschiedliche Lesarten ihres Stücks „Die Beteiligten“ und beleuchtet ihre eigene Verwicklung in den Medienrummel um Natascha Kampusch. Die Utopie eines „abgedrehten Troll-Raums“ findet sie schön, aber nicht realistisch.

Kathrin Röggla. Foto: Piero Chiussi

Hätten Sie „Die Beteiligten“ auch ohne Natascha Kampusch schreiben können?
Das ist sehr schwer zu beantworten. Ich habe mich schon länger mit Entführungsfällen beschäftigt und hatte auch geplant, da etwas in die Richtung zu machen. Der Fall Kampusch kam dann irgendwie im richtigen Moment und hat aus dem Stück nochmal etwas anderes gemacht. Es gibt da aber durchaus unterschiedliche Lesarten. In Düsseldorf, wo die Uraufführung war, haben die Schauspieler das gelesen und erst mal gefragt, „Geht’s da um Britney Spears?“ In Wien war das natürlich anders, da war der Kampusch-Bezug total stark da.

Stellen Sie sich manchmal vor, was Natascha Kampusch von Ihrem Stück halten würde?
In der Wiener Inszenierung hab ich mir das schon vorgestellt. Als da etwa ihr Kostüm so verarscht wird, hatte ich schon irgendwie Bauchschmerzen. Das größere Problem ist aber, dass ihre Mediengeschichte eben auch zu unserer wird. Und so kann mein Stück ein spannender Kommentar zum Thema sein, aber gleichzeitig wahrscheinlich verletzende Momente für Natascha Kampusch haben. Denn selbst wenn man die Torpedierung durch die Medien, die sie erfahren hat, einfach nur nacherzählt, betritt man schon einen sehr schmalen Grat. Ich glaube auch nicht, dass es für sie notwendig ist, das Stück zu sehen. Viel spannender fände ich etwa, Natascha Kampusch einmal in einem ganz anderen Kontext zu begegnen, wo ich sie nicht als Opfer wahrnehmen muss.

Sie sprechen davon, dass Natascha Kampuschs Mediengeschichte zu unserer geworden ist. Wie gehen Sie denn mit Ihrer eigenen Beteiligung an dieser Geschichte um?
Natürlich ist die eigene „Verwickeltheit“ das Hinkebein des Stücks, das man nie loswerden kann. Natürlich kann man mich nie ganz freisprechen: Letztendlich ist man auch im Theater immer Teil des Medienrummels. Aber schließlich habe ich das Stück genau deswegen geschrieben, um diese Verwicklungsmechanismen anzusprechen. Weil ich versuchen will, damit umzugehen, und die Beteiligungsproblematik durch eine besondere Ästhetik und Form herauszuarbeiten.

Was genau meinen Sie mit „besonderer Ästhetik“? (mehr …)


An American Melodrama

After watching the Theatertreffen premiere of „Death of Salesman“, directed by Stefan Pucher, we’re sitting on the banks of the Spree River in Berlin to chat through what we just saw. While we work away – selling our carefully crafted language to our adoring public – the artists are being honored, their hangers-on are smoking and drinking behind us.

Matt: I’m disappointed that we’re getting the Beatles for the premiere party music right now – I feel like Elvis would be more appropriate.

Leo: Definitely. The Lomans tonight even had an Elvis record in their fancy 50s living room.

Friederike Wagner; Jan Bluthardt; Sean McDonagh. Photo: Tanja Dorendorf/T+T Fotografie.

Matt: Did you read it as 50s? I saw the set as more late 60s, with all the burnt-orange furniture and mod chandeliers. And that gorgeous Ford Thunderbird was definitely 1960s.

Leo: True. I have to say that I’m not really sure how to read the period. It felt more like a juxtaposition of any Americana they could get their hands on.

Matt: Like the giant statue of a baseball player for example!

Leo: Or the stand with the USA postcards on it.

Matt: „Death of a Salesman“ was written by Arthur Miller in 1949, and when produced in a „period“ style, it’s usually set in the 1950s. The play has that brooding post-war feeling, in which the idea that everything is possible, if you only put your mind to it, was already proving to be deceptive and destructive. (mehr …)


Seitenrang links: Death of a Salesman

After every premiere, we ask one audience member four questions about their experience during the show. Tonight’s interviewee was Tomoya Kiriyama, from Japan, who has been living in Berlin since October.

What did you find remarkable about this production?
The atmosphere and the set design.

Why did you want to see this particular production?
It’s a very famous American play, and I was interested to see a German production of an American play.

How did you get your ticket for this evening?
I bought it at the box office.

To where would you like to travel?
Well, I’m already in Berlin, so – I can’t think of anywhere.


Live-Blog vom Publikumsgespräch „Die Beteiligten“

Aufgrund technischer Schwierigkeiten fängt das Blog zum Publikumsgespräch heute später an.

Kleines Resümée der ersten zehn Minuten: Vorstellungsrunde, Moderator Tobi Müller fragt die Schauspieler, wie es für sie war, Figuren zu spielen, die nur in der dritten Person reden. Jörg Ratjen, der den „Quasi-Freund“ spielt, erzählt, dass er sich irgendwann daran gewöhnt habe, in der dritten Person zu denken. Das ging anscheinend nicht allen Schauspielern so, Gelächter auf der Bühne und im Publikum.

22:12: Kathrin Röggla: Das Theater behauptet ja sonst immer Figuren, die ganz aus einem Guss sind.

22:14: Moderator Tobi Müller kommt auf die seiner Ansicht nach beklemmendste Szene zu sprechen, als Natascha Kampusch als Rotkäppchen im Bauch des Wolfs beschrieben wird. Kathrin Röggla: „Das Rotkäppchen ist nicht mein Text, ich habe mir das so erklärt, dass da so ein Paukenschlag ist.“

22:17: Regisseur Stefan Bachmann: Ein Opfer scheint dazu verdammt, Opfer bleiben zu müssen. Das ist so die Erkenntnis, die wir aus dieser Arbeit gewonnen haben. Und das ist eine unglaublich traurige Erkenntnis. … Und dass die Menschen drumherum zu Wölfen werden und dann erst recht beißen, wenn da schon Blut geflossen ist, das ist dann wirklich Faschismus.

22:19: Tobi Müller kommt noch einmal auf die Rotkäppchen-Geschichte zurück. Frage an Jurorin Ulrike Kahle-Steinweh: War diese Rotkäppchen-Szene ausschlaggebend für die Jury-Entscheidung? Kahle-Steinweh: Nein, das hat keine besonders große Rolle gespielt. Aber da kommt ja sozusagen ihre Stimme, und sie fände schon: das musste dann auch mal sein, dass da so was echtes kommt. „Also ich fands sehr ergreifend.“

22:21 Tobi Müller: ganz viel österreichische Psycho-Geographie in diesem Abend. Einer der Schauspieler (Sicht vom Blog-Tisch aus schlecht): Wir haben das ja auch in Österreich zur Uraufführung gebracht. Stefan Bachmann: Priklopil selber hatte im Regal „Mein Kampf“ stehen, das Ganze hat etwas von einem Wohnzimmer-KZ gehabt, das sind schon Spuren, die in diesem Land noch vorhanden sind. (mehr …)


American Dreamz

Our friend Guttenberg returns to introduce the American dream before the Theatertreffen premiere of Stefan Pucher’s Schauspielhaus Zürich production of Arthur Miller’s Death of a Salesman (1949).

America is more than just a country, it’s an idea. A shining city upon a hill, built on rocks stronger than oceans, wind-swept, God-blessed, and teeming with people of all kinds living in harmony and peace, a city with free ports that hummed with commerce and creativity. Proud to be an American, the citizens of this country just wanna prove somethin’—“I ain’t no bum . . . It don’t matter if I lose . . . Don’t matter if he opens my head . . . The only thing I wanna do is go the distance“. They know there are some things money can’t buy: life, liberty and the pursuit of happiness

Still, you’ll need to be all about the Benjamins, because greed is good, greed is right, greed works, and greed will save the U.S.A. America this is the impression I get from looking in the television set. America is this correct? I’d better get right down to the job. I’ve got some real estate here in my bag, if you want to build your white picket fence for your family – which is where the nation finds hope, where wings take dream, and dreamz are spelled with a z.

Yes we can.


Tod eines Handlungsreisenden * Arthur Miller


Das Reden der Anderen

Stefan Bachmanns Burgtheater-Inszenierung von Kathrin Rögglas „Die Beteiligten“ zeigt, wie im medialen Rauschen der Sprache Menschen verschwinden. Nur komisch, wenn man am Ende völlig unbeteiligt nach Hause geht.

"Die Beteiligten" in der Regie von Stefan Bachmann: Barbara Petritsch (die irgendwie-nachbarin), Katharina Schmalenberg (die „optimale“ 14-jährige), Alexandra Henkel (die pseudopsychologin), Jörg Ratjen (der quasifreund), Simon Kirsch (das gefallene nachwuchstalent), Peter Knaack (der möchtegern-journalist). Foto: Anna Stöcher/Burgtheater

Ohne Zweifel, „Die Beteiligten“ ist ein tolles Stück. Ein Stück, das jedes Germanistenherz höher schlagen lässt, denn an ihm lässt sich sprachlich so vieles zeigen, und die Sprache des Theaters und der Literatur ist doch schließlich die letzte Kraft des Widerstandes, wenn sonst die Herrschaft über Bilder und Alltagssprache in den Händen der Medien liegt. Kathrin Röggla erzählt von der Unmöglichkeit, Ich zu sagen, wenn Andere mitreden. Das Ich, in diesem Fall das Entführungs- und Medienopfer Natascha Kampusch, ist ein Ich, das im Reden der Anderen entsteht; ein Ich, das in indirekter Rede in der dritten Person erzeugt und damit nie wirklich manifest wird. Gleichzeitig bringt das Sprechen aber auch seltsame Kreaturen hervor: Menschen, die nur durch andere existieren. Menschen, die kein richtiges Ich haben und darum ein Präfix brauchen, wie die Pseudo-Psychologin, der Quasi-Freund, der Möchtegern-Journalist und die Irgendwie-Nachbarin. Menschen aus der zweiten Reihe. Die Beteiligten.

So sitzen zu Beginn von Stefan Bachmanns Inszenierung fünf Pseudo-Möchtegern-Experten auf engstem Raum zusammen und rufen Natascha Kampusch wie einen diskursiven Flaschengeist im Konjunktiv hervor. Aus Rögglas indirektem Sprechen macht Bachmann ein indirektes Sehen: Wer zu den Zuschauern redet, ist das Kamerabild der Schauspieler, nicht die Schauspieler selbst. Danach geht Natascha Kampusch, wie durch ein Sprachprisma vervielfacht, in der Kampusch-Sekte auf: Fünf identische Kampuschas, die mit Hippie-Kopftuch und lila H&M-Ethno-Tunika aussehen wie Fashion Victims, lassen ihr Ich vielstimmig sprachlich zerfliessen. Tolles Sprachstück, diese „Beteiligten“.

Doch wie gewinnt man als Regisseur diesem Text Bilder ab? Bachmanns Inszenierung ist nur dann stark, wenn sie szenisch eigenständig denkt, und das passiert leider viel zu selten. Zum Beispiel, wenn er à la Blair-Witch-Project einer Horde Menschenaffen im Wald eine von den Schauspielern live eingesprochene (oder besser gesagt eingekeuchte) Synchronspur unterlegt und in dieser Überlagerung bedrohliche Zwitterwesen die Leinwand bevölkern. Oder wenn er einen österreichischen Nazi (Simon Kirsch) das deutsche Publikum fröhlich mit „Wir kennen uns! Wir kennen uns von früher!“ begrüßen lässt, dieser kurz darauf zu Westernhagens „Freiheit“ den ultimativen Freiheitstraum vom Fliegen realisieren will, dabei aber so deutlich sichtbar in den Theaterseilen hängt, dass das Bild ihn sofort der Lächerlichkeit preisgibt. (mehr …)


Frühstückskritik „Die Beteiligten“

Morgensonne und Earl Grey: Eine kurze Videokritik zur gestrigen tt-Premiere „Die Beteiligten“ von Kathrin Röggla.

Frühstückskritik „Die Beteiligten“ from theatertreffen-blog on Vimeo.