„Die Schweiz steckt in einer Identitätskrise“

"Fremdsein ist eine grundsätzliche Erfahrung, die man heute machen muss." Foto: Grete Götze

Die szenischen Einrichtungen des Stückemarkts beginnen. Heute um 19.30 Uhr:“Brachland“. Ein Gespräch mit dem Autor Dmitrij Gawrisch über zu viele Menschen in der Schweiz, politische Visionen und vorbildliche Opern.

Brachland ist dein erstes Stück. Heute Abend wird es von Stephan Kimmig szenisch eingerichtet. Wie ist es, bei den Proben seines eigenen Stückes dabei zu sein?

Lustig. Ich versuche aber, möglichst im Hintergrund zu bleiben. Wenn der Regisseur das Gefühl hat, bei seiner Inszenierung nicht frei zu sein, kommt oft ein langweiliges Ergebnis dabei heraus. Stephan Kimmig inszeniert Brachland, ein schweres Stück mit einem betrüblichen Ende, auf leichte Art und Weise, ohne ihm die Tiefe zu nehmen.

In deinem Stück geht es um die zwei Brüder Oleg und Ivan, die ohne Papiere in eine Stadt im Westen kommen. In welchem Land sind sie?

Ich habe mir die Schweiz vorgestellt, aber eher als Gedankenstütze, nicht als präzise Studie. Es könnte auch in Deutschland spielen. Mir hat auch schon jemand gesagt, dass Deutschland als Handlungsort viel besser passen würde, weil hier gerade eine viel größere Migrationsdebatte stattfindet.

In die Schweiz passt das Thema Ausländerpolitik aber auch gut. Sie hat zuletzt mit ihren Volksabstimmungen gegen den Bau neuer Minarette und Ausschaffungsinitiativen von sich reden gemacht.

Ich finde die Hetze gegen Ausländer in der Schweiz besorgniserregend. Im Herbst sind Parlamentswahlen, und was gerade an Zusammenhängen hergestellt wird, ist hirnrissig. Mittlerweile sollen die Zuwanderer sogar daran Schuld sein, dass der Atomausstieg nicht gelingt. (mehr …)


Voll auf Zone denken

Besetzungsgespräche für die szenischen Lesungen: wenn im Stückemarkt-Büro das Telefon klingelt …

F: Schönen juten Tach.
Y: Hallo, wie geht’s? Wie laufen die Proben in Frankfurt?
F: Gut. Rauschen. Ich bin gerade im Zug, kann sein, dass die Verbindung abbricht …
Y: Okay, ich mach es schnell. Was hältst du denn von D für den Vater?
F: Nee, ich finde Q gut, der ist so schön zonig …. Man muss das eh alles voll auf Zone denken. Wir brauchen da keine Westfotzen …
Y: Verstehe. Was hältst du von J?
F: Der ist richtig toll, ein schneller Spieler, nicht zu glatt, der wäre super.
Y: Gut, den fragen wir an. Und F für die Tochter?
F: Mmhh, die ist halt immer mehr Type als attraktive Frau, und außerdem dachte ich, die Figur ist eigentlich blond. (mehr …)