Artikel-Schlagworte: „Elfriede Jelinek“


Waters Rising

Elfriede Jelinek and Karin Beier explore natural, man-made disasters.

From left to right: Thomas Loibl; Lina Beckmann; Susanne Barth; in the foreground: Kathrin Wehlisch. Photo: Klaus Lefebvre.

Waves of light ripple across the ceiling of the Berliner Festspielhaus auditorium. In the slowly spreading lake below, a woman, covered in mud and naked but for her underpants, battles and screws and dances with a shirtless man, his chest painted blue. Behind this elemental battle, sand pours from the heavens, a women reads a newspaper, and a man taps on a laptop. Another flips through a binder. While humanity invents ever new ways to please and progress, the feminine earth tumbles on the floor with the masculine water: the sky caves in, the flood keeps spreading, but nobody is responsible. “It’s possible for everybody to do everything correctly and still reach a faulty outcome,” a political voice broadcast over loudspeakers assures us. In these final moments of Elfriede Jelinek’s three-and-a-half hour The Work / In the Bus / A Collapse, I look up over my head at the rippling light, and feel like I am covered with water.

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Survival-Kitties

Wenn wir schon mit Katastrophen leben müssen, dann wollen wir sie auch überleben. Survival-Kits gibt es normalerweise aber nur in Apotheken, nicht im Theater.

Irgendwann in Karin Beiers „Das Werk / Im Bus / Ein Sturz“, der Eröffnungsinszenierung des Kölner Schauspiels beim Theatertreffen, blicken sich die Massen in die Augen: auf der Bühne ein stampfender und gurgelnder Protestchor von mehr als 50 Stimmen; auf der anderen Seite das zum Schweigen verdammte Publikum, das im realen Leben so viel über unsere Gegenwart zu sagen hat. Nun reden sich stellvertretend die Menschen auf der Bühne um ihre Existenz, und am Ende, wenn die Staumauer für das Wasserkraftwerk in den Kapruner Alpen errichtet ist und Hunderte Zwangsarbeiter gestorben sind („Das Werk“), der Bus versenkt ist und der Busfahrer und zwei Passagiere ihr Leben lassen musssten („Im Bus“), und das Kölner Stadtarchiv überflutet ist und zwei Anwohner umgekommen sind („Ein Sturz“), steht Wort gegen Wort, Schuld gegen Schuld. Laute gegen stumme Anklage: Wasser gegen Erde, Natur gegen Mensch.

Halt. Stopp. Eigentlich wollen wir doch gar nicht mehr reden. Eigentlich wollen wir nur wissen, was wir tun können, damit uns die Katastrophen, die natürlichen und übernatürlichen, in Zukunft in Ruhe lassen. Denn es reicht nicht aus, die eigene Schuld zu kennen. Es reicht auch nicht, sie einzugestehen. Bei einem Theaterabend wie diesem, der so vielschichtig Arbeit und menschliches Tun verhandelt, muss man auch fragen, inwieweit er uns zum Handeln ermächtigt. (mehr …)