Artikel-Schlagworte: „Herbert Fritsch“


Die große plurale Rückschau

Nach drei Wochen zieht das gesamte tt-Blog-Team eine vielstimmige Bilanz, sortiert nach Eingang. Und dann ab.

Fazit im Bildformat. Jakob Kraze Foto: Yehuda Swed

Die Zeit während des Theatertreffens habe ich als eine sehr stürmische erlebt: viele neue Gesichter und Ideen, die einen mitreißen und manchmal auch umreißen können. Aber gerade das ist auch das Spannende – seinen Standpunkt zu verlassen und durch die Augen eines anderen zu blicken. Ich lernte neue Perspektiven kennen und gewann neue Erfahrungen. Das wiederum stärkt die Empathie und hilft, die anderen besser zu verstehen. Wir sind alle sehr unterschiedliche Persönlichkeiten und haben unsere Eigenheiten in die Redaktion eingebracht. Die Symbiose dieser Persönlichkeiten in einem Produkt, dem Blog, fand ich sehr spannend. (Anna Deibele)

Ich erinnere mich an ein Festival, an dem viele starke tolle Frauen beteiligt waren. Intendantinnen, Kritikerinnen, Blogkoordinatorinnen, Stückemarktleiterinnen – die Liste lässt sich fortsetzen. Das Theater bleibt ein Ort, an dem ich mich wohl fühle, mich freue, meine Leidenschaft teilen zu können. Das tt 2011 war für mich auch ein Festival mit einem jugendlichen Geist, mit vielen jungen Autoren, Schauspielern und Regisseuren sowie einem Herbert Fritsch, der energetisch gesehen kaum älter als 30 Jahre alt zu sein schien. Und She She Pop-Vätern, die sich nicht von der Herangehensweise ihrer Töchter abschrecken ließen und so ein selten emotionales Theatererlebnis zugelassen haben. (Grete Götze) (mehr …)


Nora: Hinter den Kulissen

This gallery shows the actors preparing for „Nora oder Ein Puppenhaus“, a play by Henrik Ibsen, direction and stage design by Herbert Fritsch, costume design Victoria Behr. Find another picture gallery here, showing „Biberpelz“ actors before and after make-up.


Live-Blog vom Publikumsgespräch zu „Nora“

Heute Abend gehen die so genannten „Herbert-Fritsch-Festspiele“ am Theatertreffen zu Ende. Vorher gibt es aber um 22.15 Uhr noch ein Publikumsgespräch zu „Nora“. Wir bloggen wie immer live und berichten, was passiert, wenn „Biberpelz“-Hasser auf „Nora“-Liebhaber treffen. Oder umgekehrt. Und vielleicht kommen wir ja auch Fritschs heissdiskutiertem „Luder“ auf die Spur.

22:13h: Fast nichts an diesem Theatertreffen ist so umstritten wie Fritschs Frauenbild. Mal sehen, was für Frauen beim Publikumsgespräch auftauchen… Bis jetzt: vorwiegend Damen in grau, frisch frisiert und über 50. Keine Luder.

22:14h: One minute til the talkback’s supposed to start, and Fadrina and I are feeling, weirdly, unprepared – flipping through the Theatertreffen booklet like bad schoolkids studying last-minute for a test. Who was in this play again? Who’s going to be talking to us? At least we know who the director is…

22:15h: Kleider-Check bei uns beiden. Fadrina: ebenfalls grauer Pullover, also unbeabsichtigt im unabgesprochenen Dress Code des Abends. Cory hingegen: rot! (Aber auch nur, nachdem sie ihre graue Jacke ausgezogen hat.) Wenigstens ein Farbtupfer im Publikum.

22:20h: This play wasn’t surtitled in English. I wonder if there were any English speakers in the audience? The play was pretty to look at but as far as the content – well, non-German speakers wouldn’t necessarily get much less out of it than German speakers. (Maybe not so true of this bilingual live-blog…)

22:22h: Jetzt geht’s los! …mit Mikroschwierigkeiten…

22:23h: Iris Laufenberg in bunt gemustertem T-Shirt! Danke!

22:24h: Alle Schauspieler plus Herbert Fritsch (natürlich) und der Oberhausener Intendant Peter Carp sind da. Dazu Jury-Mitglied Wolfgang Höbel.

22:25h: Started right away with the good stuff. Feminism.

22:26h: Wolfgang Höbel: „Nora“ ist oft komplett falsch verstanden worden. Da steckt natürlich ein feministischer Gewaltakt hinter der Geschichte, das hat nur keiner bemerkt.“ Damit tut er einem halben Jahrhundert feministischer LeserInnen aber sehr unrecht…

22:28h: Third time I’ve heard Fritsch speak, third time I’ve heard him explain how he didn’t want to do „A Doll’s House“ at all. Something new please?

22:30h: Ein Rätsel lüftet sich: Die Musik aus der Inszenierung stammt aus den Hitchcock-Filmen „Psycho“ und „Vertigo“. (mehr …)


Nora! ad! absurdum!

Auf der Text-Fläche: Henry Meyer als Dr. Rank) und Manja Kuhl als Nora in Herbert Fritschs Inszenierung des Ibsen-Klassikers. Foto: Thomas Aurin

Die. Schauspieler. Stellen. Den. Text. Aus. Sie betonen die Woooorte in der NORA-INSZENIERUNG so ungewöhnlich! Dass! sie! durch! ihr! A.u.s.s.t.e.l.l.e.n. ad! absurdum! geführt! werden!

So in etwa könnte die Kritik von Herbert Fritschs zweiter zum Theatertreffen eingeladenen Inszenierung aussehen, wollte man ihr lautmalerisch entsprechen. Die Schauspieler entstellen die Geschichte der Hausfrau Nora, die aus Liebe zu ihrem Mann Opfer von Erpressung wird, derart, dass der Text eine völlig neue Bedeutung bekommt.

Aber wie führen die Schauspieler den Text ad absurdum? Indem sie ihn sexualisieren. Während Hausfreund Dr. Rank im Original-Ibsen zur Verabschiedung sagt „Wart; ich geh mit“, sagt Fritschs Rank: „Ich komme. Mit.“ Und lädt so eine harmlose Formulierung mit größtmöglicher sexueller Bedeutung auf. In anderen Partien prallen Bild und Text aufeinander: „Wie schön und gemütlich unser Heim ist, Nora!“ sagt Helmer zu seiner Gattin, nachdem er ihr gerade die ganze Kälte seines Charakters offenbart hat. Der Zuschauer sucht also das traute Zuhause, und was sieht er auf der Bühne: einen brennenden Weihnachtsbaum.

Die eigentliche Geschichte, das Was, macht Fritsch leicht verständlich, um sich nicht lange mit der schnöden, oft gespielten Handlung aufhalten zu müssen. Die Motive dieser überzeichneten Figuren sind so transparent, dass er sich ganz auf das Wie konzentrieren kann. Und das ist Gruselkabinett, Märchen und Porno in einem. Auf einer spiegelglatten Bühne rutschen die Schauspieler an der Oberfläche des Textes herum, entstellen ihn an ihren Körpern und enthüllen derart die bürgerliche Leere und Kälte ihrer Figuren. Das funktioniert so gut, dass auch die Zuschauer an eigentlich tragischen Stellen zu lachen beginnen. Alle sind widerlich, allen geht es um Geld. (mehr …)


Das Luder

Der Regisseur und Schauspieler Herbert Fritsch erklärt sein Bild der Frau, angelehnt an Mutter Wolffen in Gerhart Hauptmanns Biberpelz und Ibsens Nora.

 


Seitenrang links

Nach jeder tt Premiere fragen wir Zuschauer, die auf den Rangplätzen sitzen, nach ihrer Meinung. Für die Vorstellungen der „Nora“ in der Regie von Herbert Fritsch ist ein Fanclub des Theaters Oberhausen nach Berlin gereist.  Wir haben einen Fan befragt:

Was fanden Sie an der Inszenierung bemerkenswert?
Der unkonventionelle Umgang mit der Ibsenvorlage, aber trotz der Verfremdungseffekte war alles noch gut erkennbar.

Wie haben Sie die Karte bekommen?
Ich habe sie im Vorverkauf im Internet gekauft.

Warum wollten Sie gerade diese Inszenierung sehen?
Ich stamme aus Oberhausen, sah die Premiere da und wollte „Nora“ unbedingt auch beim Theatertreffen sehen.

Was war Ihr Lieblingsspielzeug als Kind?
Ein Lego-Kasten. Ich habe eine Bühne gebaut und selber Stücke inszeniert!


„Oh, jetzt habe ich Max Frisch vergessen! Dann muss die Braunkohle raus“

Roger Vontobels Wunsch-Feuilleton. Fotos: Grete Götze

Mit „Don Carlos“ wurde Roger Vontobel schon oft in Verbindung gebracht – nicht zuletzt, seit die Inszenierung des 34-Jährigen zum diesjährigen Theatertreffen eingeladen wurde. Weil aber noch viel mehr los ist in der Welt, bin ich mit ihm zum Zeitunglesen verabredet.

(12:00, Hotel Ramada, Wilmersdorf. Vontobel checkt an der Rezeption aus und kommt braun gebrannt und gut gelaunt auf mich zu. Wir setzen uns ins reichlich spießige Hotel-Restaurant, ich packe die Zeitungen aus, und nachdem wir die Du- oder Sie-Frage geklärt haben, geht es los.)

Wie würde heute deine ideale Seite eins einer Zeitung aussehen?
Hm, zum Glück bin ich nicht Zeitungsredakteur. (Grübelt.)

Es muss auch nicht Politik sein, einfach die Themen, die dich interessieren.
Irgendwas über Kindererziehung, vielleicht über Kitas, Kindergeld.

Das spricht dich an?
Ja, jetzt ist mein Sohn Casper da, und deswegen ist das Thema. Ansonsten vielleicht etwas über Libyen oder den Euro.

Ok, wir halten fest: Im Aufmacher geht es um Kinder und im zweiten großen Text auf der Titelseite um den Euro.
Und auf Seite drei was über diesen tollen Dokumentarfilm Inside Job. Wie so eine Krake hat der Finanzsektor seine Tentakel überall drin. Das ist krass, was da alles zusammenhängt, so ein bisschen wie im Don Carlos. (mehr …)


Live-Blog vom Publikumsgespräch zu „Der Biberpelz“

Höchst idiosynkratisch und selektiv in der Beobachtung: Heute ab 18 Uhr gibt es hier einen Live-Blog vom Publikumsgespräch zu „Der Biberpelz“. Mit Moderator Tobi Müller diskutieren Regisseur Herbert Fritsch und das Ensemble. Zu erwarten ist eine weitere Ausgabe der beliebten „Herbert Fritsch-Show“. Schon vorab feststehende Schlagwörter: Spiel, Lust, und Spaß.  Zur Vorbereitung empfehlen wir die umfangreiche Berichterstattung des tt-Blogs.

17.52: Die ersten Zuschauer nehmen im oberen Foyer Platz. Einige pfeifen den „Hamborger Veermaster„, mit dem Fritschs Inszenierung endet (oder auch: nicht enden will). Der Ohrwurm ist schwer wieder loszuwerden.

18.02: Bei der Premiere vergangenen Sonntag hat „Der Biberpelz“ für einen perfekt inszenierten Eklat gesorgt. Beim Schlussapplaus stänkerte Claus Peymann gegen Regisseur Herbert Fritsch und schaffte es damit in die Schlagzeilen. „Peymann schreit mit rotem Kopf“ titelt etwa die Welt. Hier schreit noch niemand. Bloß gespanntes Warten vor noch leeren Stühlen.

18.04: Blog-Kollegin Katrin bekommt eine Ehrenaufgabe. Sie muss aufpassen, dass sich niemand aus dem Publikum am Getränketisch bedient. Wein, Bier und Säfte sind fürs Ensemble reserviert.

18.07: Langsam wird es übervoll. Der frühe Termin unmittelbar vor der Nora-Premiere zieht mehr Leute an, als Plätze da sind.

18.08: Joachim Sartorius begrüßt die Gäste und bedankt sich beim Ensemble für den schönen „Biberkopf“. Er vermisst außerdem Claus Peymann.

18.11: Moderator Tobi Müller stellt das Ensemble vor – mit einigen Namensproblemen. Mit dabei außerdem: Jury-Mitglied Vasco Boenisch und Dramaturg Ralph Reichel.

18.14: Herbert Fritsch wettert gegen Naturalismus und Authentisch-Sein. Er will „expressiv, fast expressionistisch“ sein. Er spricht von LUST und SPIEL, und dass er der Knallcharge aus der Provinz sei. Er macht sich über das „Wilhelminische“ lustig und über die „guten armen Leute“. SOOO ARM seien die armen Leute nämlich. Gelächter. (mehr …)


Talentetreffen 2011

von

Seit 2006 laden die tt Talenteplattformen die ehemaligen Talente für einen Vernetzungstag, das Talentetreffen, ins Haus der Berliner Festspiele. In diesem Jahr diskutierten mehr als 120 Teilnehmer über Rollenzuschreibungen im Theaterbetrieb, als Künstler, aber auch bezogen auf Geschlechterbeziehungen. Die Einführungsreden der argentischen Schauspielerin Maricel Álvarez und des Schauspielerregisseurs Herbert Fritsch eröffneten das Spielfeld: weg von Dichotomien (Álvarez), kritisch sein gegenüber Anweisungen (Fritsch). Ihre persönlichen Standpunkte zum Motto der Minikonferenz „Gender your role“ stellten Alumni in Tischgesprächen vor. Anstatt eines Tagungsberichts haben wir eine Bildergalerie mit vielen Menschen und einigen Positionen zusammengebaut. Wer noch Ergänzungen hat: Kommentare und Bemerkungen bitte bei uns lassen.

Über die tt Genderdebatte hat Leo Lippert ausführlich in seinem Beitrag nachgedacht.


Unverständlich?

Ein Wiener in Berlin. Zur Premiere von „Der Biberpelz“ stellt sich mir die scheinbar simple Aufgabe, Gerhart Hauptmanns Dialektsprache auf einer rein inhaltlichen Ebene zu erfassen. Ein Erfahrungsbericht über einen unverständlichen Theaterabend.

Es war im April dieses Jahres, anlässlich der Burgtheater-Premiere der Antisemitismus-Abrechnung „Professor Bernhardi“ von Arthur Schnitzler. Die österreichische Volksseele, vertreten durch enervierte Kampfposter_innen in der Onlineausgabe der Tageszeitung Der Standard, kochte. „Muss ich mir denn einen Schnitzler tatsächlich von einer Bochumer Truppe anhören?“ schäumt ein Poster noch vor dem Premierenabend. Als ob die Deutschen uns Österreicher_innen nicht schon genug vergällt hätten, nicht schon genug Minderwertigkeitskomplexe eingebrockt hätten: jetzt verhunzen sie uns auch noch unsere schöne Wiener Sprachmelodie. Schließlich, so behauptet ein anderer: „Wenn Österreicher Hauptmann spielen, wird einem Berliner etwa auch was fehlen.“

Familie Wolff in Herbert Fritschs Inszenierung von "Der Biberpelz". Foto: Silke Winkler

Beim diesjährigen Theatertreffen ist Gerhart Hauptmanns „Der Biberpelz“ vertreten, aufgeführt vom Ensemble des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin. Mecklenburg? Schwerin? Nie gehört. Das zwingt mich, die Frage andersrum zu stellen: „Wenn die Deutschen ihren Hauptmann spielen, was fehlt mir, als Wiener?“ (mehr …)


We just want to play

When you open your festival with a three-hour stream-of-consciousness deluge of text, tragedy, and water, what can possibly follow? The Theatertreffen’s answer: Bring in its opposite. Der Biberpelz (The Beaver Coat), the second invited production in the program, is an 80-minute comedy directed by the darling of this year’s Theatertreffen, the twiceinvited Herbert Fritsch. But what is the thesis of this Jelinek/Beier antithesis?

Herbert Fritsch makes no secret of his primary motivation as a director: During the Theatertreffen press conference, in interviews with Theater heute, our bloggers, and more, he is fond of saying that directing, for him, is about the fun. It is another form of playing — in that special way that the German word for „to play,“ spielen, also means „to act.“ Fritsch’s Der Biberpelz, invited to this year’s Theatertreffen from the Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin, is one big Spiel.

The ensemble of Der Biberpelz. Foto: Silke Winkler

A game would be nothing without its players, and it is indeed the cast of Der Biberpelz that deserves first mention. The Wolff family (Stéphane Maeder’s rock-dumb father Julius, Isa Weiß and Sonja Isemer’s bickering swindlers-in-training Leontine and Adelheid, and Brigitte Peters‘ masterminding matriarch Mother Wolffen), their cohorts and antagonists form an ensemble tumbling over itself to top its own impressive intensity, physicality, and speed. With their grotesque grimaces and colorful costumes, the characters might be the rejects of any number of cult movies (where an impressive ensemble performance is also, as a rule, the number one draw). But my favorite character in the play is one that gets no credit in the cast list: the wall. (mehr …)


Seitenrang links

In unserer Schnellkritik stellen wir zu jeder Premiere vier Fragen an Zuschauer, die im Seitenrang links saßen, auf nicht so guten Plätzen. „Der Biberpelz“ fand allerdings auf der kleinen Seitenbühne statt, wo es keine Seitenränge gibt. Die 35-jährige Maike saß in Reihe 8, Platz 20. Die Lang-Kritiken gibt es morgen, auf Deutsch und Englisch.

1. Was fanden Sie an der Inszenierung bemerkenswert?

(Ringt nach Luft.) Ich fand es anarchisch. Ja, anarchisch ist wohl das richtige Wort. (Wir werden von dem Endlosshanty unterbrochen, den das Ensemble stampfend durch den Zuschauerraum dahingrölt). Und komisch natürlich.

2. Wie haben Sie Ihre Karte gekriegt?

Ich habe sie geschenkt bekommen. Kein großer Aufwand.

3. Warum wollten Sie gerade diese Inszenierung sehen?

Weil mich die Arbeiten von Herbert Fritsch interessieren. (Diese Arbeit macht sich im Hintergrund bemerkbar. Das Shanty ist noch immer nicht zu Ende und das Akkordeon ist markerschütternd laut.). Ich habe schon einige Inszenierungen von ihm gesehen.

4. Würden Sie denn selbst Pelz tragen?

Auf jeden Fall!


Fritsch’s World

Der Regisseur und Schauspieler Herbert Fritsch erzählt und zeigt, was er sich unter „Spiel“ vorstellt. Heute Abend hat sein „Biberpelz“ Premiere beim Theatertreffen.

Fritsch’s World from theatertreffen-blog on Vimeo.


Guttenbergs Biberpelz

Die aktuelle copy & paste-Kritik zur tt Premiere „Biberpelz“ heute Abend.

Schon das Bühnenbild ist allerlieblichstes Augenpulver: eine massiv gebaute Brechtgardinenwand mit Blümchentapete in schreckschreiendem Rot-Gelb-Türkis samt Blinker-Goldrand. Der Rest ist gekonnter, ach was: supervirtuoser Slapstick. Verrenkungen und Fratzen drängen sich fett vor den Text. So geht’s textlich zuweilen schon ein bisschen arg drunter durch und drüber weg: beim „Pi-Pa-Pelz“. Hier wird gnadenlos dem unteren Fernsehhumor hinterhergehechelt. Aus schockgefrorenen Tableaux vivants bricht sich eine Horde selbstsüchtiger Menschenfresser Bahn wie hungrige Straßenköter. Sie alle treibt die gleiche Gier: nach Geld, Sex und Vorankommen. Fritschiade um Fritschiade.


Quasi-Live-Blog der Pressekonferenz

Herbert Fritsch redet sich hinter den Tulpen hervor. Foto: Yehuda Swed

Baustelle, Haus der Berliner Festspiele. Derzeit staubt es noch hier und da, die Kabel hängen aus der Decke, bis zur Eröffnung des Theatertreffens am Freitag ist alles fertig, frisch renoviert. W-Lan gibt es erst ab morgen, daher stelle ich meine Aufzeichnungen der Pressekonferenz erst nachträglich ins Blog. Fotos folgen.

12:55 Die Stühle für die Pressekonferenz stehen. Ein paar lila Lampignons hängen über den Köpfen der baldigen Verkünder der frohen Theatertreffen-Botschaften.

12:56 Ein erstes Murmeln geht durch den Raum, nachdem sich die Journalisten durch die Baustelle des Theatertreffens gekämpft haben.

12:58 Jagoda Engelbrecht, die Pressechefin der Berliner Festspiele, akkreditiert und busserlt Journalisten.

13:00 Herbert Fritsch, der Star des Theatertreffens, plaudert mit Berliner Festspielleiterin Iris Laufenberg. Er trägt einen grauen Anzug zu einem braunen (!) Hemd. (mehr …)