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Integriert euch oder ich schieße!

Nurkan Erpulat und Jens Hillje inszenieren ein Stück über Macht, Freiheit und ihre Grenzen, frei nach Schiller und mit vorgehaltener Knarre.

Einzeln rumstehen oder zusammen hinsetzen? Szene aus "Verrücktes Blut", Ballhaus Naunynstraße. Foto: Ute Langkafel

Wie frei kann der Mensch eine Meinung äußern, wenn ihm eine Pistole an den Kopf gehalten wird? Wie frei kann der Mensch sein, wenn er keine Alternative hat als sich anpassen zu müssen? Und wie frei ist der Mensch, wenn der eigene Verstand, das eigene Gefühl oder aber das Klischee des anderen ihm Grenzen setzen? Der Regisseur Nurkan Erpulat und der Dramaturg Jens Hillje werfen mit ihrer Bearbeitung des französischen Films „Heute trage ich Rock“ als Schultheaterstunde viele Fragen der nimmer enden wollenden Integrationsdebatte auf:

Sonia Kelich hat es geschafft. Sie ist eine der wenigen „Erfolgskanaken“ – akzentfreies prononciertes Deutsch, aufklärerische Ideale Schillers im Geist, Studienrätin von Beruf und ein deutscher Mann in petto. Umso stärker werden ihre „neuen“ Ideale von rotzenden und spuckenden Schülern aus Neukölln und Kreuzberg durch den Dreck gezogen, die damit beschäftigt sind, in Kelich’s Klassenraum ihre Territorialkämpfe auszufechten.

In ihren innersten Werten bedroht, reißt die Deutschlehrerin die Macht an sich, als ihr eine Waffe eines ihrer Schüler in den Schoß fällt. Mit Gewalt setzt sie ihre Werte durch: Schillers „Kabale und Liebe“ und „Die Räuber“ werden auf Kosten einer durchgeschossenen Hand, blutender Nasen und eines abgelegten Kopftuchs durchgespielt. Am Ende setzt die erhoffte Katharsis ein,  zumindest auf der Bühne. Die Klasse wird zu einer Musterklasse, übernimmt die Ideale der Lehrerin und erlässt dem Querulanten die Strafe. Wir lernen, was sie gelernt haben: (mehr …)