Artikel-Schlagworte: „Juri Sternburg“


Haltung, meine Herren!

Ferner Osten, Balkan, China, Polen und eine nostalgische Post-DDR – die Settings der diesjährigen „Stückemarkt“-Texte machen Hoffnung auf große Themen. Doch leider sind die Stücke oft Mogelpackungen.

Die Frage schwebte fast bedrohlich im Raum. „Wie politisch sind denn Ihre Texte?“, wagte eine Zuschauerin am ersten Stückemarkt-Autorentisch zu fragen. Stückemarkt-Leiterin Yvonne Büdenhölzer hatte sich zuvor alle Mühe gegeben, die interessanten persönlichen Hintergründe der anwesenden Jungherren-Runde aufzuzählen und so die Autoren in einem politischen Kontext zu verorten: Konradin Kunze war gerade frisch aus Indien zurückgekehrt, wo er staatliche Willkür hautnah zu spüren bekommen hatte; bei Dmitrij Gawrisch, einem in der Schweiz lebenden Ukrainer, schwingt schon im Namen die Ausländerproblematik mit, und Mario Salazar erzählte, wie sein Vater einst in Chile gegen Salvador Allende putschte und als Landesverräter in der DDR landete. Nur: In Salazars Stück „Alles Gold was glänzt“ kennen die Figuren das Wort „Aufstand“ im besten Fall aus dem Fernsehen; Gawrisch dementierte mit „Meine Eltern sind Diplomaten“ gleich alle Vermutungen, die ihn in die Ecke „Ausländer mit Flüchtlingsvergangenheit“ drängten, und Konradin Kunze blieb von allen am deutlichsten undeutlich: „Nein, ich möchte in meinen Stücken keine politische Haltung vertreten.“ (mehr …)


Die Gewinner des Stückemarkts sind …

Juri Sternburg (Förderpreis für neue Dramatik), Anne Lepper (Werkauftrag) und Mario Salazar (Hörspielpreis)! Alle drei Preisgekrönten waren bei der Verleihung so verdattert, dass sie, sonst so sprachgewaltig, kaum einen Satz über die Lippen brachten. (mehr …)


Bildungsproletariat

"der penner ist jetzt schon wieder woanders" von Juri Sternburg mit Igor (Jörg Pohl), Gott (Michael Schweighöfer) und Andrej (Mirco Kreibich). Foto: Piero Chiussi

Die Frage „Was wollte uns der Autor damit sagen?“ interessiert heute keinen mehr. Fragen wir lieber den Text. Das Stückemarkt-Stück Nummer IV „der penner ist jetzt schon wieder woanders“ von Juri Sternburg war zu einem Gespräch bereit – natürlich schriftlich.

Fadrina: Dein voller Name „der penner ist jetzt schon wieder woanders“ ist ganz schön lang. Darf ich dich der Einfachheit halber einfach „penner“ nennen?

„der penner“: ja klar. kann ich dafür in kleinbuchstaben antworten?

Fadrina: Natürlich. Ist es ok, wenn wir uns duzen?

„der penner“: sicher. ich bin ja im nächtlichen kreuzberg unterwegs, da siezt man sich sowieso nicht. und geboren bin ich in goa (oder sagt man auf goa?) in indien. das klingt jetzt kitschig, aber ich bin wirklich auf einem felsen am meer einfach aus der feder geflossen, da gabs keine krämpfe, keine geburtswehen.

Fadrina: Klingt idyllisch. Das würde man gar nicht glauben, wenn man dich liest. Du bist ja teilweise ganz schön aggressiv.

Interview mit einem Text. Foto: Fadrina Arpagaus

„der penner“: ja, andrej und igor, meine zwei ichs, treiben dunkle fragen an. aber sie haben auch witz, einen brutalen humor, und diese seite mag ich an mir am liebsten. juri, mein autor, ist ständig im berliner nachtleben unterwegs, er arbeitet als barkeeper im „king kong club“. da kommt einiges an absurden situationen zusammen.

Fadrina: Wie ist denn die Beziehung zu deinem Autor Juri Sternburg?

„der penner“: juri ist super. wir verstehen uns wirklich gut, das liegt vielleicht auch daran, dass ich eines seiner ersten kinder bin. ich habe zwar noch ein paar geschwister, die als hörspiele arbeiten, und eine menge halbgeschwister, alles kolumnen bei der taz, aber in stückform bin ich juris erstling. (mehr …)


Der Penner ist jetzt schon wieder woanders * Juri Sternburg