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Noch wirklicher!

Unser Live-Blog vom Publikumsgespräch zu „Testament“. Mieke und Manfred Matzke, Sebastian und Joachim Bark, Fanni und Peter Halmburger, Lisa Lucassen, Barbara Burkhardt (Moderatorin), und Christine Wahl (Theatertreffen-Jurorin) sitzen auf der Bühne und erwarten uns.

22:30 Barbara Burckhardt: Es gibt mehr Töchter und Väter in der Besetzung als es eigentlich Platz in der Inszenierung gibt. Wie funktioniert das in verschiedenen Vorstellungen?

Mieke Matzke: Ja! Wir haben insgesamt vier verschiedene Versionen. Manchmal muss irgendjemand mit den Kindern zu Hause bleiben oder reist und kann nicht mitspielen.

22:40 Burckhardt: Die Szene, wo ich immer an meisten mitgenommen bin, ist die langsame Steigerung der Pflege. Wie entstand die Szene? (mehr …)


„Ich krieg ja auch Gage!“

In „Testament: Verspätete Vorbereitungen zum Generationswechsel nach Lear“ des Performance-Kollektivs She She Pop sind auch die Väter der Gruppe beteiligt. Peter Halmburger, der Vater von She She Pop-Mitglied Fanny, erzählt von seinem neuen Leben als Schauspieler.

Peter Halmburger, einer der She She Pop-Väter. Foto: Leopold Lippert

Wie gehen Sie mit der Öffentlichkeit um, die der Erfolg von „Testament“ mit sich gebracht hat? Haben Sie bewusst überlegt, wie viel Sie von sich preisgeben wollen?

Für mich ist das Thema Privatsphäre kein so großes Problem. Es ist ja ohnehin klar, dass nicht alles, was im Stück vorkommt, eins zu eins der Wirklichkeit entspricht. Da werden zum Glück eher allgemeine Fragen verhandelt, die dann ein Auslöser für Diskussionen sein sollen. Daher kann ich ganz entspannt damit umgehen. Meiner Erfahrung nach ist es ja so, dass gerade die Leute, die immer auf ihre Privatsphäre pochen, sich eher gegenteilig verhalten.

Wie ist es denn zu Ihrer Beteiligung an dem Stück gekommen? Musste man Sie lange überreden?

She She Pop hatten von Kritikern immer den Vorwurf bekommen, dass sie keine „klassischen“ Theaterstücke spielen. Als Gegenreaktion haben sie dann über „King Lear“ nachgedacht und sind ziemlich bald auf die Idee gekommen, den Text aufzubessern und ihre eigenen Väter einzubauen. (mehr …)


Büroalltag, bunter

Ankommen, Computer an, Jacke aus. Neben dem Wasserkocher stehen und warten, dass das Teewasser warm wird. Vor dem Computer sitzen und warten, dass er hochfährt. Währenddessen: Bunte Stifte sortieren. Emails checken, beantworten, tippen, klicken, schicken, los. Neue Geschichte zu „Berliner Festspiele – Wir feiern!“ lesen. To-Do-Liste für den Tag erstellen. Die bunten Stifte sind schon wieder durcheinander. Persönliche Daten der Blogger einholen. Bei Fragen zum Unterschied zwischen Steuer- und Identifikationsnummer hilft die Mutter. Weitermachen. Den Teilnehmern Aufgaben schicken, Getanes abhaken, die Stifte spielen den Urknall nach. Jetzt noch schnell Fotos fürs Blog machen. Über den Büroalltag. Und morgen früh die Stifte neu sortieren.


Ein Internationaler Frauentag – muss das sein?

Mir wurde als Kind und Jugendliche aus Westdeutschland mit DDR-Verwandtschaft weisgemacht, dass der Internationale Frauentag am 8. März reine kommunistische Propaganda sei. Stattdessen wurde ich ermuntert, meiner Mutter zum Muttertag Geschenke zu basteln. Noch heute wird in den Kindergärten zum Muttertag fleißig an Herzchen für Mama gewerkelt, und auch ich werde Jahr für Jahr im Mai beschenkt – allein dafür, dass ich Mutter bin. Unter den Tisch gekehrt ist längst, dass die Erfolgsgeschichte des Muttertags zwischen 1933 und 1945 begann und bis heute rein gar nichts zur Frage der Gleichstellung von Frauen und Männern in der Gesellschaft beiträgt.

Mein Bewusstsein für die Frauen-Frage – das muss ich an dieser Stelle gestehen – ist erst sehr spät geweckt worden, obwohl es schon in den Anfängen meiner beruflichen Laufbahn genug Anlässe gab, die mich zum Nachdenken hätten anregen können: Zum Beispiel vor 25 Jahren, als Hansgünther Heyme in die Dramaturgie stürmte und, mich – die Dramaturgieassistentin – ignorierend, brüllte: „Warum ist denn hier keiner?“

Erst in den vergangenen Jahren fiel mir auf, wie wichtig bei Frauen in Leitungspositionen das Aussehen ist („Wie sieht die Laufenberg denn heute aus?“) und dass sich bei einer Schwangerschaft als Berufstätige wie selbstverständlich die Rabenmutterfalle auftut („Warum tust du deinem Kind das an?“). Und mir wurde schließlich klar: Die Jungs sind einfach viel besser vernetzt, besser bezahlt sowieso, lästern schärfer und knapper, um sich dann am Ende – wenig beleidigt – die guten Jobs gegenseitig zuzuschieben. Kinder haben sie selbstverständlich auch, gut zu Hause behütet.

Eleganter wäre, sich gelassen darüber hinwegzusetzen und zu alldem weiter zu schweigen. Langfristig ist es aber sicher effektiver, am 8. März den über 100 Jahre jungen Internationalen Frauentag zu nutzen und einfach laut zu sagen, was alles noch im Argen liegt. Und warum nicht auch: „Frauen aller Länder, vereinigt euch, denn wir sind viele!“?

Mein Veranstaltungstipp: „How did feminism become a dirty word?” (Arbeitstitel). Diskussion im Rahmen des Theatertreffens mit Marlene Streeruwitz, Thea Dorn u.a., 18. Mai um 18 Uhr im Haus der Berliner Festspiele.