Artikel-Schlagworte: „Psycho-Geographie“


Live-Blog vom Publikumsgespräch „Die Beteiligten“

Aufgrund technischer Schwierigkeiten fängt das Blog zum Publikumsgespräch heute später an.

Kleines Resümée der ersten zehn Minuten: Vorstellungsrunde, Moderator Tobi Müller fragt die Schauspieler, wie es für sie war, Figuren zu spielen, die nur in der dritten Person reden. Jörg Ratjen, der den „Quasi-Freund“ spielt, erzählt, dass er sich irgendwann daran gewöhnt habe, in der dritten Person zu denken. Das ging anscheinend nicht allen Schauspielern so, Gelächter auf der Bühne und im Publikum.

22:12: Kathrin Röggla: Das Theater behauptet ja sonst immer Figuren, die ganz aus einem Guss sind.

22:14: Moderator Tobi Müller kommt auf die seiner Ansicht nach beklemmendste Szene zu sprechen, als Natascha Kampusch als Rotkäppchen im Bauch des Wolfs beschrieben wird. Kathrin Röggla: „Das Rotkäppchen ist nicht mein Text, ich habe mir das so erklärt, dass da so ein Paukenschlag ist.“

22:17: Regisseur Stefan Bachmann: Ein Opfer scheint dazu verdammt, Opfer bleiben zu müssen. Das ist so die Erkenntnis, die wir aus dieser Arbeit gewonnen haben. Und das ist eine unglaublich traurige Erkenntnis. … Und dass die Menschen drumherum zu Wölfen werden und dann erst recht beißen, wenn da schon Blut geflossen ist, das ist dann wirklich Faschismus.

22:19: Tobi Müller kommt noch einmal auf die Rotkäppchen-Geschichte zurück. Frage an Jurorin Ulrike Kahle-Steinweh: War diese Rotkäppchen-Szene ausschlaggebend für die Jury-Entscheidung? Kahle-Steinweh: Nein, das hat keine besonders große Rolle gespielt. Aber da kommt ja sozusagen ihre Stimme, und sie fände schon: das musste dann auch mal sein, dass da so was echtes kommt. „Also ich fands sehr ergreifend.“

22:21 Tobi Müller: ganz viel österreichische Psycho-Geographie in diesem Abend. Einer der Schauspieler (Sicht vom Blog-Tisch aus schlecht): Wir haben das ja auch in Österreich zur Uraufführung gebracht. Stefan Bachmann: Priklopil selber hatte im Regal „Mein Kampf“ stehen, das Ganze hat etwas von einem Wohnzimmer-KZ gehabt, das sind schon Spuren, die in diesem Land noch vorhanden sind. (mehr …)