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Seitenrang links: Death of a Salesman

After every premiere, we ask one audience member four questions about their experience during the show. Tonight’s interviewee was Tomoya Kiriyama, from Japan, who has been living in Berlin since October.

What did you find remarkable about this production?
The atmosphere and the set design.

Why did you want to see this particular production?
It’s a very famous American play, and I was interested to see a German production of an American play.

How did you get your ticket for this evening?
I bought it at the box office.

To where would you like to travel?
Well, I’m already in Berlin, so – I can’t think of anywhere.


Das Reden der Anderen

Stefan Bachmanns Burgtheater-Inszenierung von Kathrin Rögglas „Die Beteiligten“ zeigt, wie im medialen Rauschen der Sprache Menschen verschwinden. Nur komisch, wenn man am Ende völlig unbeteiligt nach Hause geht.

"Die Beteiligten" in der Regie von Stefan Bachmann: Barbara Petritsch (die irgendwie-nachbarin), Katharina Schmalenberg (die „optimale“ 14-jährige), Alexandra Henkel (die pseudopsychologin), Jörg Ratjen (der quasifreund), Simon Kirsch (das gefallene nachwuchstalent), Peter Knaack (der möchtegern-journalist). Foto: Anna Stöcher/Burgtheater

Ohne Zweifel, „Die Beteiligten“ ist ein tolles Stück. Ein Stück, das jedes Germanistenherz höher schlagen lässt, denn an ihm lässt sich sprachlich so vieles zeigen, und die Sprache des Theaters und der Literatur ist doch schließlich die letzte Kraft des Widerstandes, wenn sonst die Herrschaft über Bilder und Alltagssprache in den Händen der Medien liegt. Kathrin Röggla erzählt von der Unmöglichkeit, Ich zu sagen, wenn Andere mitreden. Das Ich, in diesem Fall das Entführungs- und Medienopfer Natascha Kampusch, ist ein Ich, das im Reden der Anderen entsteht; ein Ich, das in indirekter Rede in der dritten Person erzeugt und damit nie wirklich manifest wird. Gleichzeitig bringt das Sprechen aber auch seltsame Kreaturen hervor: Menschen, die nur durch andere existieren. Menschen, die kein richtiges Ich haben und darum ein Präfix brauchen, wie die Pseudo-Psychologin, der Quasi-Freund, der Möchtegern-Journalist und die Irgendwie-Nachbarin. Menschen aus der zweiten Reihe. Die Beteiligten.

So sitzen zu Beginn von Stefan Bachmanns Inszenierung fünf Pseudo-Möchtegern-Experten auf engstem Raum zusammen und rufen Natascha Kampusch wie einen diskursiven Flaschengeist im Konjunktiv hervor. Aus Rögglas indirektem Sprechen macht Bachmann ein indirektes Sehen: Wer zu den Zuschauern redet, ist das Kamerabild der Schauspieler, nicht die Schauspieler selbst. Danach geht Natascha Kampusch, wie durch ein Sprachprisma vervielfacht, in der Kampusch-Sekte auf: Fünf identische Kampuschas, die mit Hippie-Kopftuch und lila H&M-Ethno-Tunika aussehen wie Fashion Victims, lassen ihr Ich vielstimmig sprachlich zerfliessen. Tolles Sprachstück, diese „Beteiligten“.

Doch wie gewinnt man als Regisseur diesem Text Bilder ab? Bachmanns Inszenierung ist nur dann stark, wenn sie szenisch eigenständig denkt, und das passiert leider viel zu selten. Zum Beispiel, wenn er à la Blair-Witch-Project einer Horde Menschenaffen im Wald eine von den Schauspielern live eingesprochene (oder besser gesagt eingekeuchte) Synchronspur unterlegt und in dieser Überlagerung bedrohliche Zwitterwesen die Leinwand bevölkern. Oder wenn er einen österreichischen Nazi (Simon Kirsch) das deutsche Publikum fröhlich mit „Wir kennen uns! Wir kennen uns von früher!“ begrüßen lässt, dieser kurz darauf zu Westernhagens „Freiheit“ den ultimativen Freiheitstraum vom Fliegen realisieren will, dabei aber so deutlich sichtbar in den Theaterseilen hängt, dass das Bild ihn sofort der Lächerlichkeit preisgibt. (mehr …)