Im Ernst-Busch-Basislager

Die Günther-Jauch-Fans unter uns sind seit gestern im Bilde, TT-Besucher wissen es spätestens seit der Eröffnungsrede von Thomas Oberender (hier zum Nachschauen) mit Spontanbesuch des Studenten Nils Strunk: Die Ernst-Busch-Schüler kämpfen um den versprochenen Neubau ihrer Hochschule für Schauspielkunst in Berlin. Wer am Wochenende zum Festspielhaus kam, konnte sie schwer übersehen, die jungen Leute, die vor dem Haus auf dem Boden lagen, „Our House“ sangen, Plakate in die Luft hielten, Sprechchöre organisierten. Die Protestaktionen prägen nun das ganze TT: Unterschriftenlisten liegen aus, Klaus Wowereit wurde vor dem Haus abgefangen und stand spontan Rede und Antwort.

Studenten der Ernst Busch Hochschule für Schauspielkunst. Foto: Miriam Sherwood.

Neben den Aktionen in Publikumsnähe liegt der Fokus dieser Tage auf dem hoffentlich zukünftigen Standort der Schule in Mitte: Die Studenten habe ihre Zelte aufgeschlagen, auch der Unterricht wurde auf die Wiese verlegt, es finden Diskussionen, Lesungen und sogar Gastspiele von sich solidarisierenden Schauspielschulen statt. Gestern mittag zeigten Ulrich Khuon und Jan Bosse ihre Solidarität mit den Anliegen der Studenten: Der Programmpunkt „Podiumsdiskussion im Hauptzelt“ entwickelte sich zu einer Art Strategiesitzung, in der DT-Intendant Khuon und Ex-Student und Regisseur Bosse Seite an Seite mit den Studenten über die gemeinsame Vorgehensweise nachdachten.

Die Programmtafel im Camp. Foto: Nadine Löes

Doch nicht nur etablierte Größen des Theaterbetriebs machen ihre Aufwartung, auch die nächste Theatergeneration ist auf der Wiese vertreten: So präsentierten Joshua und Noah, zwei Puppenspieler im Grundschulalter, in virtuoser Weise mehrere Szenen aus Faust I und II: Auswendig den Originaltext rezitierend, mit selbstgebauten Puppen hantierend, sind sie in ihrem zarten Alter fast schon der Busch-Schule würdig. Man kann ihnen nur wünschen, dass ihr Aufritt bis zu einer etwaigen Aufnahmeprüfung nicht in Vergessenheit gerät. Den Bonus hätten sich die beiden verdient.

Weiter geht’s übrigens heute mit einem Protestmarsch, der um 14 Uhr in der Zinnowitzerstraße 7 vor dem Camp startet – Ziel noch unbekannt. Beim bisherigen Einfallsreichtum der StudentInnen darf man gespannt sein. Wir sind jedenfalls wieder live dabei.

Das "Camp" in Mitte. Foto: Nadine Löes

Aber zu den Fakten: Worum geht es bei der ganzen Aufregung eigentlich genau? Der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch ist vor fast 20 Jahren ein Neubau in Mitte versprochen worden (momentan studieren die angehenden Schauspieler im entlegenen Schöneweide), den sie nun doch nicht bekommen sollen. Grund? Der zuständige Ausschuss fürchtet „Mehrkosten“ beim Bau. Diese betragen nach derzeitigem Stand 6% der Bruttobaukosten, was für einen Bau dieser Größenordnung eine bemerkenswert kleine Überschreitung des Budgets ist. Außerdem könnten die Mehrkosten durch Reduzierung des Raumangebots komplett eingespart beziehungsweise durch andere Geldgeber als das Land Berlin finanziert werden.

Die Gründe müssen also anderswo gesucht werden.

Beispielsweise beim Nachbargrundstück. Hier errichtet nämlich in naher Zukunft ein türkischer Investor ein 400-Betten-Hotel. Aus dem Bauplan ist ersichtlich, dass die Balkone des Gebäudes direkt auf das Grundstück der Ernst Busch zeigen werden. Da würde sich ein Gärtchen natürlich nicht schlecht machen. Und bei den steigenden Grundstückspreisen in Mitte würde ein etwaiger Verkauf nicht nur den Hotelgästen, sondern auch dem Berliner SPD-Finanzsprecher Torsten Schneider ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

Zeichen der Solidarisierung ist ein weißes Haus. Foto: Nadine Löes

  1. Ich finde den Beitrag sehr informativ und hilfreich. Ich solidarisiere mich ausdrücklich mit den Studierenden der Ernst Busch. Aber warum musste eigentlich im Beitrag erwähnt werden, dass es sich um einen TÜRKISCHEN Investor handelt? Ist das wichtig?