„Institutionen im Wandel“ – Herr Oberender was meinen Sie damit?

Von der „wohl tiefgreifendsten kulturpolitischen Wende der letzten 40 Jahre“ sprach Thomas Oberender, Intendant der Berliner Festspiele, gestern bei der Eröffnung des Theatertreffens (gefolgt von einem Grußwort des Kulturstaatsministers Bernd Neumann). Hier ein Auszug:

Die Rückschau auf 50 Jahre Theater zeigt, dass die reichsten Zeiten nicht immer die besten waren und die vermeintlich langweiligsten Epochen manchmal die widerspenstigsten Geister hervorgebracht haben. Längst arbeiten viele Institutionen (auch wir) projekthaft wie freie Gruppen, längst verdienen es Freie, wie Institutionen geehrt und gepflegt zu werden. Neu ist, dass Institutionen mit dem veränderten Förderwerkzeug der Projektmittel überleben können und sollen, was in der Tat eine Konsequenz vieler ästhetischer und gesellschaftlicher Entwicklungen ist. Aber sie müssen produktionsfähig bleiben. Wir sind aufgewachsen mit der Kritik an Institutionen. Sie war notwendig, hat die Kunst verändert, das Denken, die Erwartungen des Publikums. Ich glaube, es ist nun an der Zeit, über den Wert von Institutionen nachzudenken, ihren Wandel zu reflektieren, die gleichberechtigte Koexistenz von alten und neuen Formen zu unterstützen und kulturpolitische Steuerinstrumente wie die Projektförderungsgremien völlig neu zu dimensionieren.

Was ist denn eigentlich mit diesen Aussagen genau gemeint? Leitet am Ende das Haus der Berliner Festspiele, gewissermaßen die „Oberinstitution“ der Berliner Kulturbetriebe, die kulturpolitische Gleichbehandlung von freier Szene und Hochglanzkulturinstitution ein? Darüber werden wir demnächst mit Thomas Oberender sprechen. Wir sind schon sehr gespannt auf seine Erläuterungen, freuen uns auch über Denkanstöße von allen Blog-Leserinnen und -Lesern.