„Ich trage nur weite Hosen und flache Schuhe.“ Schriftverkehr mit Elfriede Jelinek

Gerne hätten wir Elfriede Jelinek zum persönlichen Gespräch getroffen, aber sie meidet konsequent den persönlichen Kontakt mit der Öffentlichkeit, insbesondere bei Aufführungen ihrer Werke. Die Fragen stellten wir ihr per Mail.

TT-Blog: Ihre beiden Beiträge für das diesjährige Theatertreffen sind Auftragswerke. Wie umgeht man da die Gefahr einer Dienstleistung? (Anm. der Redaktion: „Die Straße. Die Stadt. Der Überfall“ entstand zum 100. Geburtstag der Münchner Kammerspiele, „Prolog?“ für die Jubiläumsausgabe des Stückemarkts).
Elfriede Jelinek: Indem man letztlich immer das macht, was man will. Oder will, was man macht? „Prolog“ ist keine Auftragsarbeit.

TT-Blog: Welche Rolle spielt München in „Die Straße. Die Stadt. Der Überfall“? Glauben Sie, dass das Stück auch in einer anderen Stadt, konkret beim Theatertreffen in Berlin, funktionieren kann?
EJ: Das Stück spielt im wesentlichen Sinn in München und mit München. Dafür wurde es ja auch geschrieben.

TT-Blog: Sie selbst sind erklärte Modeliebhaberin. Kann man dem ganzen Modezirkus überhaupt kritisch gegenüberstehen? Wenn ja, wie entgeht man als kritisch denkende Frau der Gefahr der Oberflächlichkeit?
EJ: Ich stehe der Mode als solcher nicht kritisch gegenüber, sie ist einfach ein ästhetisches Phänomen, das mich interessiert. Die Mode ist nicht oberflächlicher als ein Teil der Kritik an ihr. Außerdem interessieren mich Oberflächenphänomene beim Schreiben ja doch immer am meisten. Ich fühle mich ganz als Oberflächen-Expertin.

TT-Blog: Worin und an welchem Ort fühlen Sie sich derzeit am wohlsten?
EJ: Ich trage nur weite Hosen und flache Schuhe. Am wohlsten fühle ich mich in meinem Haus und in meinem Garten in Wien.

TT-Blog: Worin unterscheidet sich das Schreiben fürs Theater von Romanen? Wie funktioniert der Austausch zwischen Ihnen und dem Regisseur?
EJ: Also ich schreibe immer nur Texte. Die einen sind erzählend, die anderen zum Sprechen gedacht. Die einen sind für vereinzelte, die andren für kollektive Rezeption bestimmt. Das ist das einzige, worin sie sich unterscheiden. Ich hatte immer gehofft, dass meine Theatertexte genauso als Texte rezipiert werden wie meine Prosa. Das ist mir leider nicht gelungen. Da der Bühnentext eben für mich fertig ist, wenn ich ihn geschrieben habe, muss der Regisseur mit seinen Leuten dann das Stück daraus erst machen. Ich liefere einen Text aus, und ich bekomme ein richtiges Theaterstück zurück, nicht einfach nur dessen Aufführung.