Alles wird gut! Alternative Schlüsse für alle Theatertreffenstücke

Uns gefällt es nicht, dass die beim Theatertreffen inszenierten Textvorlagen zu meist grausamen, finalen Szenen führten, wo Leichen herumliegen, wo Beziehungen am Boden zerstört sind, wo keine Hoffnung mehr herrscht. Daher bieten wir als exklusiven Service schönere, frohere Enden an. Ja, alles kann gut werden!

Medea (Euripides)
Medea finds places for her sons at an appropriate boarding school, thus freeing both her and Jason from the troublesome bother of raising children. With her newfound free time, Medea trashes Jason, his new wife Glauce and the entire royal family in a best-selling novel. She then turns her sudden fame into a rewarding career as an intercultural consultant in Corinth. (Summer Banks)

Murmel Murmel (Dieter Roth)
Murmel Murmel Murmel Murmel Murmel Murmel Murmel
Murmel Murmel Murmel Murmel Murmel Murmel Murmel
Murmel Murmel Murmel Murmel Murmel Murmel Murmel
Murmel Murmel Marmel. (Henrike Terheyden)

Jeder stirbt für sich allein (Hans Fallada)
Wenn schon Utopie, dann bitte richtig: Das Ehepaar Quangel wird nicht festgenommen, da sich Herr Quangel die Hand gebrochen hat und nicht mehr schreiben kann. Herr und Frau Quangel stellen während der Schreibpause fest, dass sie am Postkartenverteilen die Lust verloren haben, irgendwie kommt es ihnen inzwischen uneffektiv und kleinbürgerlich vor. Durch die Hilfe Bekannter schaffen sie es, nach Frankreich zu fliehen, und schließen sich dort der Résistance an. (Clemens Melzer)

Krieg und Frieden (Lew Tolstoi)
Krieg und Frieden endet nicht im Frieden mit dem großen Wurf, der versucht wird, wenn zuletzt ein Mann die Frage stellt: „Freiheit oder Notwendigkeit?“ Die Chöre antworten: „Ja, aber darum ging’s doch jetzt vorher gar nicht!“ oder „Dafür haben wir das solange gemacht?“ und: „Warum musst gerade du das sagen?“. Die Antwort lässt natürlich nicht lange auf sich warten: „Das ist historische Notwendigkeit“. Beim Film, der folgt, biegt der fliegende Teppich allerdings plötzlich ab und bremst. In einem der Nebenräume des großen Tempelgebäudes befindet sich ein Theatersaal. (Clemens Melzer)

Die Stadt. Die Straße. Der Überfall. (Elfriede Jelinek)
Die Frau mit dem Rock findet beim Aufräumen den Einkaufsbon des Rocks. Sie schnaubt wütend. Sie öffnet ihren begehbaren Kleiderschrank und wühlt so lange, bis sie das Scheißteil findet. Sie wirft den Rock in die viel zu große Einkaufstüte und hastet zur Maximilianstraße. Auf dem Weg flucht sie leise. Im Geschäft angekommen, knallt sie der anorektischen Verkäuferin mit den eingeschnürten Brüsten den Rock auf den Verkaufstresen. „Umtausch!“ Die Verkäuferin klimpert mit den Wimpern. „Hat nicht gepasst“, sagt die Frau mit dem Rock mit drohendem Unterton. „Oh, das ist schade“, sagt die Verkäuferin und klimpert noch einmal hilflos mit den Wimpern. „Gutschein oder Bargeld?“, „Bargeld“, sagt die Frau mit dem Rock, die heute Hose trägt. Sie packt die Scheine in ihr Portemonnaie, das daraufhin ziemlich ausgebeult ist. Draußen scheint die Sonne, die Frau ohne Rock holt sich ein Eis und setzt sich zu den anderen Menschen auf den Gärtnerplatz. Wie Urlaub, denkt sie. Dann ruft sie ihre Freundin an. Schon viel zu lange haben sie die Toskanareise vor sich hergeschoben, weil sie ständig pleite war. „Hallo Marie! Wann kannst Du frei nehmen?“
Die BILD-Zeitung titelt: „Mosi lebt!“ Die BILD-Zeitung untertitelt: Acht Jahre nach dem Mord an Rudolph „Mosi“ Moshammer wurde dieser quicklebendig am Strand von Mallorca gesichtet. Exklusive Fotos liegen der Redaktion vor, werden aber zum Schutz seiner Persönlichkeitsrechte vorerst nicht abgedruckt. Mosi war laut Augenzeugen in Begleitung seiner Hündin Daisy, die vergangenen Sommer spurlos aus einer Hundepension in Schwabing verschwunden war. Augenzeugin Sabine H. über ihre Begegnung mit der Münchner Legende: „Er sah richtig gut gelaunt aus! Er aß ein Eis, ich glaube Erdbeer, aber so genau konnte ich das auf die Distanz nicht sehen.“ (Eva Biringer)

Disabled Theater (Jérôme Bel)
Beim Applaus verbeugt sich der „Moderator“ Chris Weinheimer zusammen mit den Schauspielerinnen und Schauspielern des Theater Hora und lässt so keinen Unterschied zwischen ihnen und ihm selbst entstehen. (Henrike Terheyden)

Reise durch die Nacht (Friederike Mayröcker)
Als der Zug am Morgen im Wiener Westbahnhof einrollt, erkennt unsere namenlose Protagonistin: Alles, was gefehlt hat, war der Ausbruch. Es ist, als hätten diese paar Minuten mit dem Zugbegleiter und die anschließende Eskalation zwischen ihm und Julian einen Damm niedergerissen. Endlich weiß sie, dass der Vater die Mutter geschlagen hat. Ihre arme Mutter, die sich nicht zu helfen wusste, die so erzogen war, dass sie gehorchte. Sie aber, die namenlose Protagonistin, war doch frei! So frei wie in der letzten Nacht. Wie sie über den Zugbegleiter herfiel, so kennt sie sich ja gar nicht! Sonst ist sie ja eher eine Grüblerin, ein Kopfmensch. Natürlich hätte Julian sie nicht erwischen sollen. Jetzt, wo es nun einmal so ist, könnte es sich aber vielleicht sogar zum Guten entwickeln. Julian quatscht ja auch immer mehr, als dass er handelt. Jetzt hat er mal gesehen, dass auch andere Männer sie noch attraktiv finden! Zum letzten Mal erheben sich die Vogelschwärme in ihrer Brust, aber diesmal fliegen sie zum Himmel. Sie werden nicht wiederkehren. Die namenlose Protagonistin beeilt sich, Julian zu erreichen, nimmt seine Hand und bittet ihn lächelnd, ihr noch einmal den Mantelkragen aufzustellen. „Gehen wir frühstücken?“ (Eva Biringer)

Die heilige Johanna der Schlachthöfe (Bertolt Brecht)
Die heilige Johanna entschließt sich im letzten Augenblick, die Seiten zu wechseln. Das heißt, sie verlässt den Guckkasten und übernimmt die Regie. Wir sehen, wie alles noch mal von vorne beginnt, wie das theatrale Büchsenfleisch produziert und verpackt wird: Das Laufen in Stöckelschuhen wird trainiert, die Farbe ist ausgegangen, es werden verschiedene Flaggen und Rammstein-Songs durchgehört, unter den Schauspielern fragt man sich, was ein jüdischer Akzent sein soll. Die heilige Johanna beginnt nun aber Unruhe im Ensemble zu schüren, erste Anzeichen eines Aufstandes machen sich bemerkbar. (Clemens Melzer)

Die Ratten (Gerhart Hauptmann)
Frau John sends her brother Bruno to negotiate a new „bunte“ family arrangement with Frau Piperkarcka. They then live together as two mothers for one child and take shifts working as cleaning women to maintain the household. Theater director Hassenreuter finally gives up discussing and defending the Schiller/Shakespeare classics and starts making shows that people actually want to see. He secretly records the dramas taking place within his building and eventually becomes one of the godfathers of a new „reality theater“ genre. (Summer Banks)

Orpheus Descending (Tennessee Williams)
Thanks to the widespread relaxing of gun control laws and the Stand your ground precedent, Lady starts keeping a shotgun on her person at all times. With her Tarantino heroine-like reflexes, she manages to always shoot first and defend herself and her store. Val gets a job teaching music to overprivileged kids and sells them pot on the side. After they get bored of each other, Val and Lady start a swingers club, which of course no one dares to judge due to the previously-mentioned shotgun. (Summer Banks)