Xaver von Cranach

Studiert Literaturwissenschaft. Er schreibt u.a. für das Literaturkritik-Blog tausendmrd und Spike Art Magazine

Alle Artikel von Xaver von Cranach

Pfeif auf Präsenz

Wenn man sich gegenüber stellt, gegenüber des großen Bildschirms, des großen Screens, des großen Bruders, neben das Lokal „Lindenbräu“ und den zwei Rolltreppen, die aus dem Nichts kommen und nach unten rollen, immer nach unten, dann fängt man die Atmosphäre dieses geschlossenen Centers ganz gut ein. Wenn die Menschen vom äußeren Ring in den inneren Ring kommen und dem unwiderstehlichen Sog des Bildschirms nichts entgegensetzen können. Stelle einen Bildschirm auf, und alle schauen hin. Es geht gar nicht anders. Weiterlesen

Willkommen in der Banalenrepublik

Supersuper-Mittwoch beim Theatertreffen: Gleich zwei Premieren parallel – hat es das schonmal gegeben? Im fernen Volksbühnen-Osten durfte man sich mit Herbert Fritsch in „der die mann“ einen Karl machen. Wer hingegen im Haus der Berliner Festspiele blieb, erlebte Stefan Puchers Versuch, Ibsens „Volksfeind“ in die Gegenwart digitaler Mediendemokratie zu verpflanzen. Unser Autor verrät, ob er den blauen Like-Daumen heben konnte. Weiterlesen

Einfach mal draufhalten

Am Deutschen Theater Berlin hat die Regisseurin Daniela Löffner die Spielenden in ihrer Turgenjew-Adaption „Väter und Söhne“ an einem großen Esstisch versammelt – und das Publikum drumherum, extrem nah, quasi auf Tischtuchfühlung. Der Inszenierung brachte das eine Theatertreffen-Einladung. Zu Recht? Weiterlesen

Wenn der Anker klemmt, kann man runtertauchen und ihn freiwurschteln

Die Wirklichkeit ist eingebrochen, und das ist toll. Manchmal aber kann das auch penetrant werden. Dann nämlich, wenn sich dieser Einbruch aus einer Überheblichkeit gegenüber den Anderen speist: Ihr könnt euch eh nur für das interessieren, was ihr kennt, also überfordere ich euch lieber mal nicht mit Phantasie und hole euch da ab, wo ihr seid. Ich stelle meinem Buch, Film, Theaterstück das berühmte „Beruht auf einer wahren Begebenheit“ voran und bewege mich also in dem eng umzäunten Ich-Gebiet des Vorhandenen. Alle sind beruhigt, denn Vorstellungskraft ist gefährlich. Weiterlesen