Alle Artikel von Marie-Theres Rüttiger

Auf der Leinwand, da sind die Räuber

Das 54. Berliner Theatertreffen endete… im Kino. Die 3Sat-Aufzeichnung der Münchner „Räuber“, die in Berlin nicht gezeigt werden konnten, gewährte jedoch ganz eigene Perspektiven auf eine der spektakulärsten Inszenierungen der Saison.

Die Inszenierung ist so simpel – und dies keinesfalls im negativen Sinne – wie wirkungsvoll. Das Bühnenbild, zwei Laufbänder-Konstruktionen, die so gar nicht simpel sind, setzt die Rahmung. Dies ist der Grund, weshalb die Inszenierung der „Räuber“ vom Münchner Residenztheater aus technischen Gründen nicht auf der Bühne der Berliner Festspiele gezeigt werden konnte. Stattdessen wurde die 3Sat-Aufzeichnung der Inszenierung gezeigt. Zwei Regien an einem Abend. Ulrich Rasches Regie der Inszenierung und Peter Schönhöfers Regie der Aufzeichnung. Welch glücklicher Umstand, dass es gerade diese Inszenierung ist, die als Film bemerkenswert gut funktioniert. Wie passend, dass die Filmmusik von der Inszenierung gleich mitgeliefert wird. Streicher, Bass und Pauke untermalen die Szenerie. Es ist bedrohlich, von Anfang an. Die beiden riesigen drehbaren Laufbänder geben den Takt der Inszenierung vor. Die Maschine setzt eine Maschinerie in Gang. Die Schauspieler sind gezwungen, sich dem Takt der Maschine zu beugen, wenn sie nicht fallen wollen. Ein starkes Bild über die gesamte Inszenierung hinweg. Weiterlesen

Welcher Nazi sagt schon: „N…BEEP“?

Während der zweiten Vorstellung von „89/90“ schienen einige Textstellen plötzlich abgeändert worden zu sein. Weshalb wohl?, fragt sich unsere Autorin – stellvertretend für die Blog-Redaktion.

„Ich geh mal einen N…BEEEEEP abseilen“, sagte eine der Figuren, gespielt von Andreas Dyszewski, in der gestrigen Vorstellung von „89/90“ der Regisseurin Claudia Bauer, einer Inszenierung, die rechte und linke Ideologien während der Wendezeit verhandelt. In der englischen Übertitelung steht an dieser Stelle kurioserweise einfach „Mozambican“. „Das war gestern aber noch nicht. Und in Leipzig haben die das auch nicht gebeept“, flüstert ein Zuschauer seiner Begleitung zu. Warum dann heute ein BEEP, wenn gestern hier noch das N-Wort zu hören gewesen war? Weiterlesen

Reisen zu vergessenen Erinnerungsorten

„Fin de Mission“, ein Gastspiel im Rahmen von Shifting Perspectives, präsentierte eine deutsch-kamerunische Überschreibung von Heiner Müllers „Der Auftrag“ – zum Gedächtnis der Sklaverei.

Es wird bis eine Minute vor Beginn geprobt. Zeit ist begrenzt, sie muss genutzt werden. Vor allem in der Aufmerksamkeitsökonomie dieses „Shifting Perspectives“-Wochenendes. Zeit also für eine Cola und Grundsätzliches. Weiterlesen