Kategorie: Kommentar & Debatte

Abschied ist ein scharfes Schwert

Die Theatertreffen-Jury wollte am Sonntag nicht verraten, welche Inszenierung bei ihr am beliebtesten war. Wir haben dagegen Stift und Zettel gezückt und redaktionsintern nach den Favoriten gefragt. Heraus kam unser persönliches Auswahl-Ranking, mit dem wir uns für dieses Jahr in den Theaterschlaf verabschieden. Weiterlesen

Örtchen, wechsle dich!

Unsere Gastautorin blickt auf das Theatertreffen zurück und wundert sich über all die Räume und Orte, die dabei zu besichtigen waren: Nomadisches Umherziehen oder nicht doch eher privilegiertes Durchschreiten?

Dieses Jahr gab es zwei Arten von Menschen beim Theatertreffen: solche, die sich auf dem Weg zum nächsten Event pendelnden Schrittes durch das Pressholzlabyrinth auf dem Vorplatz schlängelten und solche, die diesem Umweg aus dem Weg gegangen sind. Weiterlesen

Noch keiner da ist wie zu guter Letzt

Morgen ist das Theatertreffen vorbei und im Haus der Berliner Festspiele wird bis Juni erstmal Pause sein. Der frühe Morgen erlaubte schon heute eine Ahnung von diesem TT-freien-Zustand.
Alle Fotos (c) Corinna von Bodisco.

Ans Theater glauben

Milo Raus „Five Easy Pieces“ hat unserem Autor den Glauben ans Theater zurückgegeben. Zum Theatertreffen-Abschluss entwirft er eine Abrechnung mit der Dekadenz, dem Zynismus und der falschen Wiederholung, die eine gefährliche Leerstelle hinterlassen.

Seitdem ich Milo Raus „Five Easy Pieces“ gesehen habe, glaube ich wieder ans Theater. Aus der Aufführung komme ich mit heller Klarheit und großer Ruhe. Das ist dann wohl diese Katharsis. Dabei hatte ich heftige Diskussionen erwartet, wütendes Türeknallen und heftige Debatten, klang die Stückbeschreibung doch skandalös: Kinderschauspieler*innen spielen die Verbrechen des Kindermörders Marc Dutroux nach. Weiterlesen

Diese Themen müssen verhandelbar bleiben

Nach der zweiten Vorstellung von „89/90“ berichteten wir, dass es gegenüber der Theatertreffen-Premiere Änderungen am Text gegeben hatte, die vor allem die Verwendung des N-Worts betrafen. Nun bezieht die Regisseurin Claudia Bauer Stellung zu den Hintergründen.

Kurz vor der zweiten Vorstellung von „89/90“ beim Theatertreffen am Montag Abend erging von Seiten der Leitung der Berliner Festspiele die Ansage an mein Team und mich, die besagte Szene der Inszenierung für die heutige Aufführung um 19.30 Uhr zu ändern. Angesichts der Kürze der Zeit haben wir dieser Ansage entsprochen. Mein Team und ich haben dies auf eine Art und Weise getan, die wir halbwegs vertreten konnten, jedoch ohne wirkliche innere Überzeugung. Unser Stück „89/90“, sowie der Roman von Peter Richter sind vor allem eine Erzählung über den aufkeimenden Rechtsextremismus in der zusammenbrechenden DDR, bis hin zu den Gewaltausbrüchen im Jahr 1990.

Wir beleuchten die Wurzeln einer beängstigenden Entwicklung, mit der wir uns heute in einer ungeahnten Dimension konfrontiert sehen. In einer Narration wie dieser treten natürlicherweise rassistische Figuren auf, die sich verletzend und anstößig äußern. All diese Äußerungen werden aber im Roman, sowie im Stück „89/90“ klar kontextualisiert. Wir haben uns der Überzeugung der Leitung der Berliner Festspiele gebeugt, dass vor allem das N-Wort in welchem Kontext auch immer Rassismus reproduzieren würde.
Claudia Bauer und ihr Team verbleiben mit besten Grüßen und dem dringenden Anliegen, dass trotz nötiger Sensibilisierung Themen wie in „89/90“ auf der Bühne verhandelbar bleiben müssen. Und zwar in aller gebotenen Deutlichkeit.

Anm. der Redaktion:
Die Berliner Festspiele zogen es auf unsere Nachfrage hin nach längerer Abwägung vor, sich in dieser Angelegenheit öffentlich nicht weiter zu äußern.

Welcher Nazi sagt schon: „N…BEEP“?

Während der zweiten Vorstellung von „89/90“ schienen einige Textstellen plötzlich abgeändert worden zu sein. Weshalb wohl?, fragt sich unsere Autorin – stellvertretend für die Blog-Redaktion.

„Ich geh mal einen N…BEEEEEP abseilen“, sagte eine der Figuren, gespielt von Andreas Dyszewski, in der gestrigen Vorstellung von „89/90“ der Regisseurin Claudia Bauer, einer Inszenierung, die rechte und linke Ideologien während der Wendezeit verhandelt. In der englischen Übertitelung steht an dieser Stelle kurioserweise einfach „Mozambican“. „Das war gestern aber noch nicht. Und in Leipzig haben die das auch nicht gebeept“, flüstert ein Zuschauer seiner Begleitung zu. Warum dann heute ein BEEP, wenn gestern hier noch das N-Wort zu hören gewesen war? Weiterlesen