Eine Sonate als Theaterstück?

Igor Levit nach dem konzertanten Ausklang der „Schimmelreiter“-Lesung. Foto (c) Piero Chiussi.

Zum Ausklang der szenischen Lesung des „Schimmelreiters“ spielte der Pianist Igor Levit Beethovens letzte Klaviersonate Nr. 32 in C-Moll, Opus 111. Wie es dazu kam? Wir haben nachgefragt.

TT-Blog: Igor Levit, das war jetzt eben eine sehr experimentelle Anordnung! Erst die Lesung und dann dieses irrwitzige Klavierspiel, das noch einmal eine vollkommen andere Ebene hineingebracht hat. Wie kam es überhaupt zu dieser Konstellation?

Igor Levit: Durch einen Anruf von Thomas Oberender. Wir kennen uns und er erzählte mir von der Notlage. Ich war nun zufällig in der Stadt und habe mir Gedanken dazu gemacht und ich dachte, es könnte vielleicht so eine Synergie entstehen. Ich habe dann mit Johan Simons telefoniert und als er mir erzählt hat, dass in einer Variationsform gelesen wird, immer von vorn beginnend, aber immer woanders hin, wurde mir dann klarer und klarer, dass es dieses Werk sein muss.

TT-Blog: Warum?

Igor Levit: Die Sonate feiert das Leben, den Menschen. Sie blickt sehr in unser Inneres hinein. Und dadurch ist diese Synergie, wie ich glaube, sehr bemerkenswert entstanden. Wie die Kollegen gelesen haben, wie das Publikum gelebt hat und wie das dann musikalisch so eine Art Auflösung gefunden hat, das war schon ein sehr besonderer Abend.

TT-Blog: Die Inszenierung hat gefehlt, die Sonate ist ja auch unvollendet…

Igor Levit: Sie ist vollendet!

TT-Blog: Sie hat doch nur zwei Sätze?

Igor Levit: Es ist eine sehr vollendete Sonate. Sie ist absichtlich so konzipiert und zu einem absoluten Abschluss gebracht.

TT-Blog: Inwiefern?

Igor Levit: Insofern, als es Beethovens Letzte ist. Sie ist so eine Art Conclusio. Und sie entlässt uns alle am Ende in Schönheit und in das Leben. Was soll danach folgen? Sie ist so… sie sagt alles, was vorstellbar ist.

TT-Blog: Die Sonate als Theaterstück…

Igor Levit: …würde ein Menschenleben erzählen. Ein ganzes Menschenleben.

2 Kommentare

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