Anders, aber nicht abgesagt: Das Theatertreffen-Blog 2020

Natürlich hätte auch dieser Text ein anderer sein sollen. Von Vorfreude wäre zu sprechen gewesen auf die tollen Tage im Mai, auf die wunderbaren und wunderbar verschiedenen jungen Journalist*innen, die auch dieses Theatertreffen für das Blog kritisch begleitet hätten. Nun ist aber alles anders – „aus den bekannten Gründen“, wie es momentan überall heißt.

Was wir trotz allem tun könnten, haben wir uns im März gefragt. Als dann schließlich doch die Ankündigung einer virtuellen Theatertreffen-Ausgabe auf dem Tisch lag, war endgültig klar: Diesen Blog-Jahrgang einfach ausfallen zu lassen, wäre widersinnig. Schließlich war das Theatertreffen-Blog schon immer, was nun sogar das Theatertreffen selbst sein muss: digital. Und auch die Autor*innen hatten wir ja bereits gefunden.

Digitale Utopien, Big Shifts, Klasse

Also haben wir entschieden, unsere eigenen Inhalte zu schaffen und die Krise als ein Vergrößerungsglas zu begreifen, durch das schon viel länger bestehende Verhältnisse deutlich erkennbar werden. Vor dem Hintergrund der globalen Pandemie zeichnen sich unsere Abhängigkeiten von reibungslosen Wertschöpfungsketten auch in der Kunst, auch am Theater, klarer ab als vielleicht je zuvor. Deshalb wollen wir hier nicht nur das virtuelle Theatertreffen reflektieren, sondern unter den Stichworten „digitale Utopien“, „Big Shifts“ und „Klasse“ über Zusammenhänge nachdenken, die selbst tief in das Theater unserer krisenhaften Gegenwart eingeschrieben sind. Mal mit mehr, mal mit weniger Theatertreffen-Bezug.

Wenn das eigentlich zynische Sprechen von der „Krise als Chance“ also in einer Hinsicht berechtigt ist, dann dort, wo sie uns besser sehen und im Idealfall sogar lernen lässt. Das wollen wir versuchen – in einer verkleinerten, aber ambitionierten „Krisenausgabe“ des Blogs. Nächstes Jahr kehren wir dann mit vielen Gesichtern von diesem zur Normalität zurück. Der Rest der Welt darf es hoffentlich schon viel früher.

Janis El-Bira

Dieser Text ist die ergänzte Version eines Artikels vom März 2020 für das Magazin des Theatertreffens.