„Schwarz ist das neue schwarz“, betitelte im vergangenen Jahr Martin Thomas Pesl seinen Überblickstext zum Theatertreffen 2025, und Matthias Pees begrüßte das Publikum mit den Worten: „Herzlich willkommen im Abgrund“. Ein Jahr später stellt man konsterniert fest, die Weltenlage ist immer noch schwarz, vielleicht sogar noch dunkelschwarzer geworden. Weltweit toben Kriege, autokratische Herrscher bestimmen die öffentlichen Debatten, rechtsextreme Parteien gewinnen auch hierzulande weiter an Zuspruch.
Lieber in eigene Welten eintauchen?
Wir fragen uns in diesem Zusammenhang: Wie soll sich das Theater dazu verhalten? Soll es ein Ort jenseits des Politischen sein, frei von aktuellen Konfliktlinien und politischen Bezügen? Wollen wir uns dort gemeinsam auf gut erzählte Geschichten einlassen, in eigene Welten eintauchen, sowie uns etwa Lucia Bihler in ihrer Bühnen-Bearbeitung von Thomas Melles Roman „Die Welt im Rücken“ mitnimmt in das Innenleben eines bipolaren Menschen?
Oder soll das Theater gerade mit diesen Konflikten und Bezügen umgehen, Stoffe wie Klaus Manns „Mephisto“ über den aufkommenden Faschismus auf den Spielplan setzen, der die Bedrohung der Kultur durch populistische Politiker wie eine altbekannte Geschichte erscheinen lässt? Soll Theater vielleicht sogar reale Figuren aus der Politik mit alten Stoffen verschränken, wie es der erstmals zum Theatertreffen eingeladene Jan-Christoph Gockel in „Wallenstein“ mit Söldnerfürst Jewgeni Prigoschin tut, dem 2023 verstorbenen Chef der russischen Privatarmee Wagner? Helfen derlei politische Realitäts-Anker gar, um dem immer wieder befürchteten Bedeutungsverlust des Theaters etwas entgegenzusetzen?
Gastbeitrag von Nuran David Calis
Darüber diskutieren wir mit Jan-Christoph Gockel, wenn er dem Blog-Team einen Redaktions-Besuch abstattet. Außerdem schreibt Nuran David Calis, Regisseur und Schauspiel-Direktor in Salzburg, einen Gastbeitrag zur Frage, wie politisch Theater sein soll.
Neben unserer Leitfrage geht es wie gewohnt darum, die Nachwuchskritiker*innen mit anderen Theaterliebenden zu vernetzen, etwa mit jenen des Internationalen Forums. Wir möchten sie befähigen, sich eine eigene, kritische Meinung zu den eingeladenen Inszenierungen zu bilden und sie in Worte, Bilder oder Sprache zu fassen.
Workshops zu Text-, Social-Media- und Audio-Formaten
Dabei hilft uns Christian Rakow, einer der Chefredakteure der Online-Theaterplattform nachtkritik.de, der in einem Workshop mit den Blogger*innen erarbeitet, was eine Theaterkritik an Bausteinen beinhalten sollte.
Der Journalist und Autor Kolja Fach, tätig für den Spiegel und diverse ARD-Redaktionen, wird dem Blog-Team die wichtigsten Kriterien von Social-Media-Logiken näher bringen und das Programm Cap Cut erklären, mit dem man selbst reels erstellen kann.
Und Barbara Behrendt, die für das Radio über die Berliner Theaterlandschaft berichtet, unter anderem für den RBB und Deutschland-Funk, gibt den einen Input zu Audio-Kritiken.
Jurybesuch und Frieda Ahrens neu im Leitungs-Team
Nicht zuletzt besuchen uns drei Mitglieder der Jury, die für die Auswahl der gezeigten Inszenierungen verantwortlich ist. Sie werden uns einen Einblick geben, wie viel Übereinstimmung und Kompromissfähigkeit es braucht, um sich auf die zehn bemerkenswertesten Inszenierungen zu einigen.
Neu im Leitungs-Team ist außerdem Frieda Ahrens aus Bremen, mit besonderer Expertise im Bereich Social-Media – Willkommen an Board, und auf eine tolle Zeit mit unseren Blogger*innen 2026!
Grete Götze, verantwortlich für Konzeption und Redaktion tt-Blog 2026