Chorisch sprechen

Speed-Dating eine Stunde vor der Eröffnungspremiere mit den Zauberflöten Philipp Lack (Tenor), Andreas Schröder (Tenor), Heinz Thiliecke (Bass), Marcus Parkin (Bariton) und Rainer Marks (Bariton).

Finde die fünf Richtigen: Die Zauberflöten Philipp, Andreas, Heinz, Marcus und Rainer auf der Probe.
Finde die fünf Richtigen: Die Zauberflöten Philipp, Andreas, Heinz, Marcus und Rainer auf der Probe. Foto: Fadrina Arpagaus

Was ist der Zauber der Zauberflöten?
Philipp: Lebensfreude und Freundlichkeit.
Andreas: Ein wundervoller Gesang und liebevolle Stimmen.
Heinz: Toleranz, Kameradschaft und natürlich Glamour!
Marcus: Musik, und was wir aus ihr machen.
Rainer: Unsere schwulen Gala-Chor-Revuen mit Tanz und Moderation.

Wie kriegt man die Präzision hin?
Philipp: Üb-en, üb-en, üb-en. Laut, leise, langsam, schnell. Und tausendmal wiederholen!
Andreas: Mit einem liebevollen Chorleiter.
Heinz: 2 Proben die Woche à 3 Stunden 10 Wochen lang.
Marcus: Dank Karin Beier. Ich hätte sie gerne in meinem richtigen Beruf als Chef – ich bin Bankkaufmann.
Rainer: So streng ist das bei uns nicht. Wir sind kein verknöcherter alter Polizeichor.

Seid ihr auf der Bühne ein politisches Statement?
Philipp: Ja, natürlich!
Andreas: Ja. Als Chor schwuler Männer ist man immer ein politisches Statement. Wir sind selbstbewusst schwul!
Heinz: Nein. Wir passen so gut ins Theater, weil wir offen für alles sind.
Marcus: Nein. Wir haben Spaß am Singen. Andere besteigen einen 8.000er, wir singen halt.
Rainer: Nein. Wir sind hier nicht dabei, weil wir schwul sind, sondern jung und diszipliniert. Disziplin braucht es auf jeden Fall, um Zwangsarbeiter zu spielen!

Dein Lieblingssatz im Stück?
Philipp (schreit): Bessere Spitäler für alle! Für alle! Für alle!
Andreas (singt schubertesk zart): Des Menschen Seele gleicht dem Wasser.
Heinz (schließt die Augen): Vom Himmel kommt es, zum Himmel muss es.
Marcus (quietscht): Millliooooooonen, Milllioooooooooooooonen!
Rainer (ruft): Danke! Danke! Danke! Danke!

Was passiert, wenn einer von euch aus der Reihe tanzt?
Philipp: Ich schäme mich, ernte böse Blicke – und werde am Schluss wieder in den Arm genommen.
Andreas: „Das geht so nicht“, sagen dann die anderen und schimpfen.
Heinz: Das passiert nicht. Auf der Bühne stehen wir kerzengerade, dürfen nicht einmal zwinkern. Das war eine harte Nuss, ich kanns dir sagen!
Marcus: Das kommt nicht vor.
Rainer: Das kommt nicht vor.

Alle: Das kommt nicht vor! Das kommt nicht vor!

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Fadrina Arpagaus

Fadrina Arpagaus, geboren 1980 in Zürich, studierte Germanistik und Philosophie in Zürich und Berlin. Während ihres Studiums hospitierte und assistierte sie am Schauspielhaus Zürich u.a. bei Christoph Marthaler, Christoph Schlingensief und Schorsch Kamerun und in der freien Szene Berlins. Danach begann sie eine Dissertation mit dem Titel „Radikale Gefährdung. Subjektkonstitutionen in Theatertexten des 21. Jahrhunderts“ und arbeitete als Journalistin, unter anderem für "der Freitag" und Kulturkritik.ch. Zurzeit ist sie als Dramaturgieassistentin und ab nächster Spielzeit als Dramaturgin am Theater Basel engagiert, wo sie für das Schauspiel den Blog entworfen hat.

2 thoughts on “Chorisch sprechen”

  1. Ich habe Elfriede Jelineks Triologie “DAS WERK/IM BUS/ EIN STURZ” am vergangenen Samstag in Köln gesehen. Die Inszenierung war überwältigend, der Chor eine Offenbarung. der Text hochaktuell. Glückwunsch an Autorin, Regisseurin, Schauspieler und Chor! So muss Theater sein, um die Menschen zu packen.

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