Guttenbergs Karl

Vater und Sohn bei der Reflexion. Foto: Yehuda Swed

Wer konnte das schon ahnen? Der König raucht Kette, sein neuer Freund Marquis Posa kratzt sich vor Neurodermitis fast Löcher in den Anzug, und sein unliebsamer Sohn Carlos knautscht und wringt und knetet und presst sein Jackett fast zu BreiRoger Vontobel verzichtet darauf, Schiller unnötig zu verkomplizierenVor allem ist dieser „Carlos“ ein Ensemble-Triumph, mit Christian Friedel als Don Carlos, Sonja Beißwenger als Elisabeth, Matthias Reichwald als Marquis von Posa und einem überragenden Burghart Klaußner in der Rolle des Königs Philipp. Nicht von ungefähr gilt Vontobel als Künstler im Umgang mit Schauspielern. Das gesamte, erstaunlich homogene Ensemble macht aus dieser Inszenierung ein Denk- und Schaustück von flirrender Intensität. Es ist, als seien sie alle an Heimweh nach einem besseren, tieferen, ruhigeren Leben erkrankt, von dem sie nicht wissen, wo und wie es zu finden ist. Auch darin ist dieser Abend ein genuin zeitgenössischer.

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Grete Götze

Grete Götze, 1983 in Marburg geboren, hat selbst lange Theater gespielt, sich nach der Schule aber entschieden, es lieber von außen mitzuerleben und deswegen in Frankfurt Theater-, Film- und Medienwissenschaft zu studieren. Weil Literatur aber auch Spaß macht, hat die 28-Jährige noch deutsche und französische Literatur dazu gewählt. Durch mehrere Praktika hat sie während des Studiums ihren Spaß am Journalismus entdeckt. Derzeit volontiert sie bei der Frankfurter Rundschau.

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