Wer hat Angst vorm bösen Wolf?

Alle reden über den Krisenwolf. Ich nicht. Der Wolf, über den ich rede, habe ich zum ersten Mal kennengelernt, als ich klein war. Er machte mir Angst, weil er sich als Großmutter ausgab und das unschuldige Rotkäppchen fraß. Er zeigte mir früh, dass der Schein trügen kann und hinter einer Verkleidung oder Maske jemand anderes steckt, als man denkt. Er brachte mir das Prinzip Schauspieler näher und damit auch das Theater, zu einem Zeitpunkt, als ich sogar für das Puppentheater noch nicht alt genug war. Wenn ich das Wolf-Titelblatt des Theatertreffen-Magazins umblättere, sind da zwei gestrichelte Kreise und eine Bastelanleitung: “Bitte ausschneiden und bei Bedarf aufsetzen!” Eine Aufforderung zum Spielen? Zum Verkleiden? Auf jeden Fall eine Erinnerung an das Wesen des Theaters, seinen Ursprung und seine Herkunft. Freude am Spielen! Lust an der Verwandlung! Das ist es, was ich die nächsten gut zwei Wochen sehen will. Ich habe Blut geleckt.

One thought on “Wer hat Angst vorm bösen Wolf?”

  1. interessanter beitrag. der wolf als funktion der täuschung. die täuschung als theaterimmanentes system. das wolfsmotiv hat durchaus noch einige weitere lesarten zu bieten, denke ich. insbesondere, wenn man die stemann inszenierung nicht vor augen hat.

    übrigens, generell sehr gelungene aufmachung vom tt10.

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