International Culture Bloggers Wanted!

Are you a blogger? … Yes?
Great, nice to meet you: Hello! Hola! Hallo!

Are you blogging in English, German or Spanish about culture and/or theatre on your own blog – be it in a written, audio, photo or video format? … Is this a yes?

Und du verstehst Deutsch so gut, dass du Gesprächen, szenischer Sprache und Diskussionen aktiv folgen kannst? Dass du auch deutschsprachige Theatertexte lesen und verstehen kannst? … Ich höre noch ein Ja?

A space for you at tt-Blog 2011: Apply now!

Wenn du dreimal mit ja geantwortet hast, dann lies bitte hier weiter, da geht es zu den Bewerbungsmodalitäten des Theatertreffen-Blogs 2011 auf Deutsch und Englisch. Es werden acht internationale Kultur-Blogger gesucht, die vom Theatertreffen 2011, dem wichtigsten Theaterfestival für deutschsprachiges Regietheater berichten wollen. Subjektiv, vielsprachig, eigenwillig.

Unterstützt wird das Theatertreffen-Blog 2011 von den Medienpartnern Berliner Zeitung und kultiversum. Gefördert erstmals von der Rudolf-Augstein-Stiftung.

Bewerbungen sind möglich bis zum 31. Januar 2011.

Das kritische Rauschen

Die Kritiker sind nach Hause gefahren, die kritischen Daten bleiben. Denn Kritiker sind Datenverarbeiter. Da sind der Theatertext, die Spielfassung, Pressemitteilungen, Programmhefte, Diskurse, Kollegengespräche, Interviews, Online- und Offline-Recherchen, die gelesen werden wollen, und da ist natürlich die eigene teilnehmende Beobachtung als klatschender – oder nicht-klatschender, mitschreibender oder stillschweigender – Zuschauer. Da sind die Eindrücke, die Einordungen, die medial einprasseln. Schon 1984 – das Internet war gerade erst ein Jahr alt und mit 200 bis 400 teilnehmenden Großrechnern sehr übersichtlich – beschrieb der US-amerikanische Autor Don DeLillo in seinem berühmten postmodernen Roman “Das weiße Rauschen”, wie der Mensch in neuartigen Informationsflüssen versinkt. Heute möchte ich ihm zurufen: Nein, er versinkt doch überhaupt nicht!

Denn wenn sich acht aus 120 Bewerberinnen und Bewerbern ausgewählte Nachwuchs-Theaterkritiker fast drei Wochen während des Theatertreffens blog-redaktionell betätigen, wenn sie täglich in Redaktionssitzungen diskutieren und sich austauschen, über die eigenen Kriterien und Maßstäbe, wenn sie fotografieren, filmen, schreiben, mitschneiden und somit ihre Gedanken sortieren, wenn sie begleitet werden von freundlich-kritischen Mentoren, dann wird aus dem weißen Rauschen ein kritisches Rauschen. Denn es ging neben vielen konkreten Debatten über die zum tt10 eingeladenen Inszenierungen auch um viele grundsätzliche Fragen, etwa zum Abdanken der Botho-Strauß-Generation und zu Großkritiker-Allüren, zu den Menschen hinter den Kulissen und Schauspielern/Regisseuren/Autoren ganz privat, zur allgegenwärtigen Krise, zu den Arbeitsbedingungen der Theaterleute, insbesondere der freien Szene, zu Alternativen für die tt-Einladungsliste, und ja, genau, auch zum Sinn und Zweck von Theater, an sich und überhaupt und in der Zukunft. Es entstanden etwa 140 Artikel, zu den Gastspielen, dem Stückemarkt, dem Internationalen Forum und dem Rahmenprogramm. Ein Archiv des Festivals, ein Datenstrom, fast möchte ich sagen, für immer.

Das quadratische Büro.
Büro hoch zwei.

Das stieß auf Wohlwollen, auf Respekt und auf den Wunsch nach mehr, sowohl bei den klassischen als auch bei den neuen Medien: Die Berliner Morgenpost lobte die Schnelligkeit der Blogger, diese sei doch “ausdrücklich zu würdigen”, der Freitag wies auf den bloggenden Intendanten der Berliner Festspiele Joachim Sartorius hin. Er schrieb in diesem Jahr erstmals online mit, eine Premiere. Die Stuttgarter Zeitung befand, dass mit dem Theatertreffen-Blog der “virtuellen Teilnahme” am Festival nichts mehr im Wege stünde. 3sat-kulturzeit, der SWR und der RBB berichteten in eigenen längeren Beiträgen über die neuen Formate der Online-Theaterkritik (z.B. unsere Votingecke Herzzahl). Das Blog Theater in Berlin fand bereits unseren ersten Beitrag interessant (“Ist kulturjournalistisches Bloggen möglich?”); ein junger Blogger aus München, Manuel Braun, forderte: “So etwas wie den Theatertreffen-Blog sollte es das ganze Jahr über geben. Punkt.” Vielen Dank dafür!

Aber auch unsere Leser liebten das diesjährige Blog: Die Userzahlen verdoppelten sich im Vergleich zu 2009: 14.938 Besucher, 23.219 Besuche und 227.828 Seitenaufrufe. Das bedeutet, jeder Leser, der auf dieses Blog kam, las durchschnittlich 9,81 Seiten und erstellte sich somit eine kleine individuelle Theaterzeitung – ohne Lieferzeit, Kioskgang, Altpapierentsorgung. Ich habe nun mein fast papierloses Büro wieder zusammengepackt: Es passt, samt Küchenausrüstung (Kaffeemaschine, Tassen, Gläser, Wasserkocher) in zwei handliche Kartons. So überwintert ein Blog. Bis zum nächsten Theaterfrühling!

Menschliches Treibgut

Ein Theaterfestivalbetrieb ist wie ein großes Schiff, mit mehreren Decks, jeder Menge Crew und Personal, einem Kapitän oder wie beim Theatertreffen, mit einer Kapitänin an der Kommandobrücke. Es gibt eine vorhergesehene Route für die Reise und einen sorgsam ausgeklügelten Zeitplan, in den alle Landgänge (in diesem Fall die zehn Premieren) eingetragen sind. Während der Fahrt gibt es etliche Gala-Dinners, auf denen sich Gäste, Prominenz und Crew amüsieren, hinter vorgehaltener Hand tuscheln, Insider-News austauschen und jede Menge Seemannsgarn spinnen. Von außen betrachtet, mag das stimmen. Aber was heißt es, selbst mit an Bord gewesen zu sein? Es bedeutet, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Auf hoher See zu treiben. Einzutauchen.

Es hieß, vom Büro aufs Schiff mit dem Namen Festspielhaus zu wechseln, alles für das Auslaufen aus dem Hafen vorzubereiten, danach langsam an Fahrt zu gewinnen und sich auf offener See treiben, schaukeln oder gar hin- und herwerfen zu lassen. Oft, wenn ich den Boden unter den Füßen verlor, fühlte ich mich wie menschliches Treibgut: Mal trug mich ein gesehenes Stück langsam und fast still, dann wieder schäumte und zischte es mir um die Ohren, und ich ritt auf einer Welle, einer Theaterwelle, die mich Salzwasser schlucken ließ und mich nach mehr Wasser, nach mehr Texten, nach mehr solchen Erlebnissen verlangen ließ. Es gab keinen Stillstand, weil jede Enttäuschung nach einem nicht ganz so bemerkenswerten Stück von der nächsten großen Welle neuer Eindrücke überrollt wurde. Ich brauchte nur auf eine dieser Welle warten, um wieder abzutauchen. Danke für das tt 2010, dem ich 3 “t“s hinzufügen werde: Tiefgang, Tiefenrausch, Tiefenwirkung.

Fazit

Die acht diesjährigen Theatertreffen-Blogger haben Nachlese gehalten. Hier geben sie ihre ganz persönliche Rückschau auf 22 Tage Kulturjournalismus im Netz: die Zeit, die bleibt.

Blogger-Pyramide: Kim Keibel, Judith Liere, Anna Pataczek, Alexandra Müller, Elisabeth Hamberger, Shane Anderson, Kai Krösche, Fußball (von links nach rechts, im Foto fehlt Barbara Behrendt) Foto: Selbstauslöser/Kim Keibel

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Warum Theater?

Der Theatertreffen-Blog stellte während der gesamten Festivalzeit Theatermachern und -gängern die Frage “Warum Theater?” auf einem weißen Blatt Papier und bat darum, diese vor Ort, mit Stift, schnell und ohne lange Überlegungszeit zu beantworten. Das stieß bei manchen auf Ablehnung (“blöde Frage”, “nicht in so kurzer Zeit”, “Fragen Sie das doch nicht mich, ich mach doch selbst Theater”), bei anderen auf spontane, mal ernste, mal witzige Einfälle. Ein Zettelkasten, unter anderem mit Zeichnungen von Christoph Marthaler, Ulrich Matthes und Karin Beier. (Mehr davon? Der Blick aufs Theater von heute aus der Zukunft gesehen: Future Archive of Theatre). Continue reading Warum Theater?

Vor den Kulissen – Teil 2

Wer kennt die Räume, in denen die Schauspieler im Rampenlicht stehen besser, als diejenigen, die diese Räume technisch einrichten? Die Blog-Fotografin Kim Keibel hat Techniker, Beleuchter, Bühnenarbeiter, Regieassistenten und andere gebeten, sich auf “ihren Bühnen” zu inszenieren. Den ersten Teil der Foto-Serie “Vor den Kulissen” finden Sie hier.

Manfred Breuer (Beleuchter), Martin Töpler (Tontechniker) und Bianca Both (Bühnenhandwerkerin) in der Kulisse von "Die Schmutzigen, die Hässlichen und die Gemeinen".

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The Future Archive of Theater

Over the course of the festival, I’ve been asking theater makers within and without tt10 about the state of German theater by asking them about the past of theater from the perspective of the future. I’ve been asking the theater makers to assess or reassess their position to the theater of now by looking out from an imaginary future. This tactic, which has been developed by two critical theorists, Manuela Zechner and Anja Kanngieser, is called the future archives and it provides a space to think about the possibility of change. I’ve asked:

Imagine you’re living in the year 2050.  Please describe the theater of 2010 as you remember it.  What’s improved?  What do you miss?

In my correspondence with theater makers, some have said they’d prefer not to discuss the future of German theater or the future at all. Others have said such speculations of ‘visionaries’ have proved to be dangerous over the course of history. But others have agreed with Manuela Zechner and Anja Kanngieser, that talking about the present in the future in the now can help us reframe our desires. These answers can be read and discussed here.

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Erleuchtet

Elfriede Jelineks “Die Kontrakte des Kaufmanns” ist in der Inszenierung von Nicolas Stemann ein vielstimmiges Geld-Oratorium, das die Ersatzreligion des Kapitals besingt und durchleuchtet. Kim Keibel hat die Schauspieler vor ihrem Auftritt mit aufklärerischer Lichtkrone fotografiert. Weitere Bildergalerien hier.

Mittendrin: Rausgegangen

In Nicolas Stemanns Inszenierung von Elfriede Jelineks Wirtschaftskomödie “Die Kontrakte des Kaufmanns” stehen während der ersten Hälfte des Abends die Türen zum Theatersaal sperrangelweit offen. Elisabeth Hamberger und Judith Liere haben die Hinein- und Hinausgehenden gefragt, wie ihnen das gefiel.

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