Bodies That Do Not Matter

Fünf Figuren in Masken werden in verschiedenen Lümmel-Posen am Publikum vorbeigedreht. Sie lagern bäuchlings vor dem Fernseher, lehnen ihre Jogginganzüge gegen den Tresen, fassen tief in den Popcorn-Eimer. Ab und an steckt jemand seine Hand in die Hose. Die Drehbühne knirscht, das Voice-over murmelt. „Hideous (Wo)men“ kocht zum Abschluss des 53. Berliner Theatertreffens aus Soap-Zitaten, Plastilingenitalien und einer apathisch kreiselnden Drehbühne eine fleischige Dystopiesuppe. Das Publikum ist seekrank. Continue reading Bodies That Do Not Matter

Reich, aber Schön

Regisseur Simon Stone hat es mit Ibsens „John Gabriel Borkman“, seiner Debütinszenierung am Wiener Burgtheater, direkt zum Theatertreffen geschafft – und das Publikum im Festspielhaus war zwei Stunden lang aus dem Häuschen. Endlich wieder: Stars, Stars, Stars! Unsere Autorin hat sich ins Paillettenkleid geworfen und den Bleistift dennoch auf Pieksen gespitzt. Continue reading Reich, aber Schön

Hello from the Other Side (I): Franco Stirpe

Heute starten wir unsere kleine Videoreihe über jene, die beim Theatertreffen nicht unmittelbar im Rampenlicht stehen, und doch fest dazu gehören. Den Auftakt macht ein Liebling des Hauses: Der unverwechselbare Kantinenchef Franco Stirpe. Er plauderte für uns aus dem Nähkästchen und verrät auch gleich seinen liebsten Theatermacher.

Man ist eben noch gar nicht tot, wenn man tot ist

Unter dem Motto „Wieso ist das deutschsprachige Theater eigentlich immer noch so interessant?“ eröffnete Thomas Oberender am 6.5.2016 das 53. Theatertreffen im Haus der Berliner Festspiele mit einer lakonisch vorgetragenen Rede zur kuratierenden Funktion des Theatertreffens. Kulturstaatsministerin Monika Grütters sprach in Reaktion darauf von der Notwendigkeit der Bewahrung theatraler Vielfalt in einer pluralistischen Zeit. Im Anschluss eröffnete Karin Beiers „Schiff der Träume“ das Festival. Unsere AutorInnen Falk Rößler und Theresa Thomasberger haben zu dem kontroversen Stück zwei Texte verfasst. Es geht los. Continue reading Man ist eben noch gar nicht tot, wenn man tot ist

Vom Kunstblut der bibbernden Bildungsbürger

Am 14. April 2016 wurde im Audimax der Universität Wien die Aufführung von Tina Leischs und Bernhard Dechants „Schutzbefohlene performen Jelineks Schutzbefohlene“ von Mitgliedern der Identitären Bewegung gestürmt. Über zwanzig Rechtsextreme stürzten auf die Bühne, hielten Transparente, warfen mit Flugblättern und Kunstblut. Sie rannten Menschen sowohl im Publikum wie auf der Bühne um und machten keinen Unterschied zwischen schwangeren Frauen, Männern und Kindern. Continue reading Vom Kunstblut der bibbernden Bildungsbürger