Auf der tt09-Pressekonferenz

Für den Beginn der Pressekonferenz zum Theatertreffen 2009 bin ich vierzig Minuten zu früh. Zum einen wusste ich nicht mehr, wann genau sie anfängt, zum anderen hatte ich vergessen, wie schnell ich Fahrrad fahren kann.

tt09 Pressekonferenz

Auf der tt09-Pressekonferenz. Foto: Jan Zappner

Vielleicht bin ich einfach nur aufgeregt. Immerhin stehe ich nicht allein im Haus der Berliner Festspiele: Ein Fernsehteam vom RBB liegt schon auf der Lauer und draußen telefoniert ein Dutzend Leute – darunter Wolfgang Bergmann vom ZDFtheaterkanal, Medienpartner beim Theatertreffen. Bergmann wird gleich am Podiumstisch neben der Leiterin des Theatertreffens Iris Laufenberg, dem Künstler Christoph Schlingensief, dem Jurymitglied Jürgen Berger und dem Intendanten des Hauses Joachim Sartorius sitzen. Nach der Willkommensrede von Joachim Sartorius (warum wird sich immer dafür bedankt, dass trotz des herrlichen Wetters alle gekommen sind?) verkündet Iris Laufenberg als erstes, dass die Inszenierungen, die in den nächsten zwei Wochen gezeigt werden, wahnsinnig teuer sind.

Jürgen Goschs Inszenierung von Roland Schimmelpfennigs „Hier und Jetzt“ zum Beispiel benötigt ein paar Tonnen Erde. Ein anderes Highlight bezüglich der Produktionskosten ist Christoph Schlingensiefs „Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir“ über seinen Kampf gegen den Krebs. Das monumentale Bühnenbild passte gerade so in die Gebläsehalle im Landschaftspark Duisburg, wo die Premiere letzten September stattfand. Die jetzigen Vorstellungen sind bereits ausverkauft, doch glücklicherweise werden alle (vom 29. April bis 3. Mai) live und kostenlos vor Ort auf eine Leinwand übertragen. Außerdem zeigt 3Sat eine Aufzeichnung am 2. Mai um 20. 15 Uhr.

Darüber, ob das opulente Stück auch im Fernsehen funktioniert, macht sich Wolfgang Bergmann keine Sorgen, denn „das ZDF hat mit der Übertragung von Gottesdiensten durchaus Erfahrung.“ Dieser Erfahrungsvorsprung des ZDF scheint Christoph Schlingensief nicht zu beeindrucken. Loops von 16-mm-Filmen dienten auf seiner Bühne zugleich als Zusatzinformationen und Lichtinstallationen, erklärt er. Er sei sich nicht sicher, ob die Fernsehkameras „die Bilder, die aus den Körpern kommen“ wiedergeben können.

Christoph Schlingensief ist eindeutig der Star dieses Festivals. Wenn er spricht, rasseln die Fotokameras. Dennoch meint Iris Laufenberg, die das Theatertreffen zum siebten Mal leitet, dass Journalisten sich immer nach den Randgruppen des Festivals erkundigen und jedes Jahr dieselben Fragen stellen. Sie zählt auf: „Wo ist der Osten? Wo ist die Provinz? Wo bleiben die jungen Regisseure? Wo sind die Frauen?“ und wendet sich an Jürgen Berger, der knapp antwortet: „Ungefähr in dieser Richtung. Alles, was nicht Berlin ist. Sie sollen erst ihren eigenen Stil entwickeln. Und ja, wo sind die Frauen?“ Dank dieser Zusammenfassung haben die anwesenden Journalisten keine Fragen mehr, und wir können alle gehen.

Eigentlich hatte ich eine kleine Frage vorbereitet, die ich während der Konferenz vergessen habe. Sie ist mir erst auf dem Fahrrad wieder eingefallen: Warum eigentlich heißt das Festivalmotto dieses Jahres „Hier und jetzt“? Die Antwort und viel mehr folgt von nun an hier in diesem Blog.

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Elise Graton

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