Wenn Blogger zu Bloggisten werden wollen …

(denn so lautet der Neologismus für bloggende Kritiker), sind die Voraussetzungen viel Kaffee an Schokokeks, W-Lan, Denkpausen im Garten und ein voller Tagesplan: jeden Morgen Redaktionssitzung, dann Termine, Theater und fast immer Nachtarbeit. Und natürlich gehören auch tägliche Einsichten in die Blog-Statistik dazu, zum Anfeuern. Weil diese Zahlen wahrlich gut zu lesen waren, schließen sie, diskret im Text verteilt, diesen Blog, der mehr als 100 Beiträge enthält.

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Offline: Elise Graton mit französischer Zeitungsente. Foto: Jason Kassab-Bachi

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Bemerkenswert gut gestimmt

Es wurde gearbeitet, bis spät in die Nacht, es wurde zu jeder Tageszeit geschnitten, geschrieben, fotografiert, gefilmt und produziert, es wurde gefeiert, es wurde diskutiert und geplant. Der Theatertreffen-Blog, der in diesem Jahr zum ersten Mal die tt-Festivalzeitung ersetzte, begleitete das Theatertreffen 2009 in Text, Bild und Ton, mit Fotogalerien, Audioporträts, Nachtkritiken, Interviews, Beziehungstipps, einem ABC und sogar Selbstkomponiertem. Zum Abschluss des Festivals zieht die Blog-Redaktion Bilanz.

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Bis in die frühen Morgenstunden sorgte Blogger Johannes Schneider mit Ukulele und Köl'scher Mundart für Gruppenharmonie: bemerkenswert. Foto: Jan Zappner

Eine gewaltige Überdosis

Die Sicht durch ein beeindruckendes Riesenauge auf einen persönlichkeitsgespaltenen Josef K.. Die Kraft einer Birgit Minichmayr, mich allein mit ihrer Stimme von der Probebühne zu fegen. Eine bezaubernde Maren Eggert, die in der warmen Abendsonne sanft strahlte. Unser Mentor, der akribisch die maßlose Nutzung von Adjektiven abmahnte. Ein bemerkenswertes Team, in dem Streit nicht Untergang und Party nicht Ausschlafen bedeutete. Und – Continue reading Bemerkenswert gut gestimmt

“Simultan auf- und abbauen”

Der technische Leiter des Theatertreffens Andreas Weidmann und seine Mitarbeiter erhielten von Joachim Sartorius, dem Intendanten der Berliner Festspiele, und Iris Laufenberg, der Leiterin des Theatertreffens, zum Abschluss des Festivals einen opulenten Vitaminkorb. Warum sie den verdient haben, erzählt Andreas Weidmann im Interview.

Herr Weidmann, war die technische Herausforderung beim Theatertreffen 2009 höher als sonst?

Die ursprüngliche Atmosphäre von Christoph Schlingensiefs “Kirche der Angst” rüberzubringen war schon eine enorme Herausforderung. Continue reading “Simultan auf- und abbauen”

Das Kollektiv hat immer Recht

Der Chor oder die Aufteilung des Individuums auf mehrere Darsteller ist der Trend auf dem zeitgenössischen Theater, wie die Auswahl des tt09 zeigt. In Andreas Kriegenburgs “Der Prozess” spielen 8 Personen einen K., in Katie Mitchells “Wunschkonzert” bebildern mehrere Statisten das Leben einer Lebensmüden. Auch die “Räuber“-Inszenierung Nicolas Stemanns lässt lieber vier Räuber als einen Karl-Franz auftreten. Und den Abschluss macht Volker Löschs Armutskollektiv seiner “Marat“-Inszenierung. Ein Podcast über das Chorprinzip.

Volker Lösch
Regisseur des authentischen Chors: Volker Lösch. Foto: Jan Zappner

“Mal richtig zuhören”

Als kollektivgewordene Armutserfahrung stehen sie in Volker Löschs Marat-Variation auf der Bühne: 24 Hamburger Hartz-IV-Empfänger, Rentner und Zu-Gering-Verdiener. Ihr Epilog hat zu einem künstlichen Eklat geführt. Weil bisher fast nur über, aber selten mit dem Chor gesprochen wurde, haben wir das nachgeholt. Fünf Stimmen über das Stück und die Probenerfahrung.

Marat-Chor im Interview
Erschöpft, aber glücklich: der Marat-Chor nach seiner ersten Proben-Nachbesprechung. Foto: Jan Zappner

 

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Marat ist da!

Der Anfang vom Ende: Als letztes Gastspiel des diesjährigen Theatertreffens kommt heute abend Volker Löschs “Marat, was ist aus unserer Revolution geworden?” vom Deutschen Schauspielhaus in Hamburg auf die Festspielbühne. Impressionen des letzen Bühnenaufbaus beim tt09.

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Kamera und Schnitt: Matthias Weigel
Musik: Sudaca Power: Las Luces de la Rambla

Wenn die Themen aus dir selbst kommen sollen

Max Claessen, Regisseur aus Hamburg, war noch nie Stipendiat. In diesem Jahr wurde er für das Internationale Forum als Teilnehmer ausgewählt und erarbeitete mit anderen internationalen Theatermachern “Geschichten und Geschichte“. Er erzählt von Gruppenprozessen, die, wenn alle Kreative sind, ganz gut von selbst funktionieren. Ein Mitschnitt der Workshop-Ergebnisse.

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Der Workshop "Geschichten und Geschichte" von Intendant Armin Petras und Chefdramaturgin Andrea Koschwitz (Maxim-Gorki-Theater) im Gruppenbild als Chor: Max Claessen hat sich die dritte Reihe ausgesucht. Foto: Piero Chiusi

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Spurensuche in der Wohnmaschine

Nicht weit vom Olympiastadion entfernt ließen die Bühnenbildnerinnen Muriel Gerstner und Janina Janke die Teilnehmer ihres Workshops Die Stadt als Text das Corbusier-Haus zwei Wochen lang erforschen. Eine Audio-Slideshow.

Filetstücke parieren

Wenn Martin Kušej nicht probt, probiert er: neue Rezepte, neue Zutaten, neue Geschmacksrichtungen. Der gebürtige Kärtner, beim tt09 mit “Der Weibsteufel” eingeladen, liebt das Kochen mindestens genauso wie das Theater. Wir sprachen mit dem Regisseur im KaDeWe über ganze Tiere und die vernachlässigte österreichische Dramatik. Ein Podcast.

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Essen und Theater: Für Martin Kušej ein kollektives Ereignis und Erlebnis. Foto: Jan Zappner

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Paparazzi im Frische-Paradies

Variationen von der Berg-Gemse, Sachertorte oder klassischer Zwiebelrostbraten: Das waren die Rezeptvorschläge von Burgtheater-Regisseur Martin Kušej für eine gemeinsame Koch-Interviewstunde in seiner Heimatstadt Hamburg. Doch das tt-Blog-Team unternahm stattdessen mit dem Österreicher einen kulinarischen Geburtstagsspaziergang durch die Feinkostabteilung des KaDeWe. Auf der Suche nach der ultimativen Frische schmecken wir schließlich das Salz des Atlantiks auf unseren Zungen. Eine Diaschau.