O wie… offener Raum! Eine Formatidee

Das Theatertreffen hat sich in diesem Jahr mit einem gewaltigen Begleitprogramm um die eigene Einrahmung bemüht. Unsere Autorin schaut zurück und fragt: Wo blieben bei alledem eigentlich die echten Begegnungen? Hier ein Vorschlag für’s nächste Jahr.

Das Theatertreffen rahmt sich sein. Es gibt die bemerkenswerte Zehnerauswahl, es gibt programmatische Konstanten wie den Stückemarkt für Nachwuchsdramatik. Daneben ist es vor allem das Rahmenprogramm, das den Festivalalltag formt und durchdringt. Kuratorische Setzungen streuen diskursive Würze ein. Continue reading O wie… offener Raum! Eine Formatidee

Hören Sie Ihr Bauchgefühl?

Ein Pausenfüller mit Nachwirkung: Unsere Autorin über fünf Minuten einer künstlerischen Intervention, die sie mehr beeindruckten als mancher Drei-Stunden-Abend.

KONTRASTMITTEL prangt in Versalien auf den grünen und braunen Plastikflaschen. Die Etiketten werfen Falten. Routiniert greife ich nach der alkoholfreien Version, lasse mir von der hilfsbereiten Ärztin hinter dem Tresen ein Glas mit viel Kohlensäure einschenken. Halbvoll reicht, schließlich ist es nicht mein erstes. Continue reading Hören Sie Ihr Bauchgefühl?

Im Magentalabyrinth

Unsere Autorin hat sich zum Festivalende auf visuelle Spurensuche begeben: An den Nicht-Orten und Rändern des Theatertreffens, wo es nach 15 Festivaltagen schon ein bisschen fremdelt. Herausgekommen ist ein schemenhaftes Close-Up.
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Szenische Guerrilla Girls

Gestern eröffnete der Stückemarkt mit „Who cares?!“ des Performance-Kollektivs Swoosh Lieu. Unsere Autorin sah viel Museales und neonpinke Rauchbomben.

Eine hochschwangere Rosie the Riveter ballt entschlossen die Faust. Marlene Dietrich stellt in lasziver Pose ihre Attribute zur Schau: Hosenanzug, Zylinder, Zigarette. Catwoman, gekleidet in #allblack und Kunstleder, zeigt ihren Phallus durch die Hose. Continue reading Szenische Guerrilla Girls

Ist dein Gaul tot, steig ab!

Wegen einer Erkrankung waren die Vorstellungen des „Schimmelreiters“ im Vorfeld abgesagt worden. Ist die ersatzweise szenische Lesung mehr als eine Notlösung?

Die Bühne ruht in schwarz. Ein Konzertflügel links, ein Tisch mit Tierpräparaten rechts, eine Kleiderstange vor ungedeckter Tafel schließlich, zentral platziert und von fünf Stühlen gesäumt, bilden den kargen visuellen Rahmen des Abends. Es sollte ein ruhiger werden, er wird es auch. Continue reading Ist dein Gaul tot, steig ab!

Glossar der Gleichzeitigkeiten

Für das multimediale Dauergewitter der Dortmunder „Borderline Prozession“ wurde eine eigene Spielstätte errichtet. Berechtigter Aufwand für ein neues Totaltheater?

Ein erstes Briefing findet noch vor dem Eintritt in die lichtscheue Szene statt: „Liebes Publikum!“, so die verheißungsvolle Anrede auf den Monitoren am Eingang, „es gibt nichts zu verstehen, aber viel zu erleben!“. Aha, ein gebrochenes Credo neoliberaler Erlebnisindustrien. Das sitzt. Continue reading Glossar der Gleichzeitigkeiten

Yeah, let‘s intervene!

Unsere Autorin hat durchs Programmheft geblättert und stellt fest: Intervention ist das neue Schwarz. Über Protest nach Plan in Zeiten von Purgatory Partys.

KRITIK, KRITIK, selbstreferentielle KRITIK! Wohin das Auge reicht, stößt man beim Entfalten des Spielplan-Leporellos in diesem Jahr unweigerlich auf eine künstlerische Intervention nach der anderen. Es wuchert dort, doch formvollendet: Wie hartnäckige Insekten, die sich der Organismus Theatertreffen freiwillig ins Fell gestreichelt hat, sitzen die kritischen Einmischungen dem Programm zwischen Keynotes, Workshops und dem terminologisch tiefstapelnden Format des „Gesprächs“ im Nacken. Continue reading Yeah, let‘s intervene!