TOP/FLOP Inszenierungen für das Internationale Forum

Die Stipendiaten des Forums nennen ihre jeweiligen TOP und FLOP Inszenierungen des Theatertreffens 2015 (ohne BAAL in der Regie von Frank Castorf).

Whatsapp: Ich glaube, es geht um diesen dänischen Käse

Es ist Dienstagabend und draußen und auf dem Feld ist es soweit
1. das Wetter; da treibt der heilige Pankratius Regen übers Land;
und 2. das Champions League-Halbfinale; da treibt die UEFA Bayern gegen Barca, während drinnen, im Haus der Berliner Festspiele, Arena des Theatertreffens, ein paar Stuttgarter „Das Fest” spielen und sich eine Gruppe fingerwütiger Whatsapper in der hinterletzten Reihe und auf gedimmten Handyscreens kolloquial zum Geschehen äußern soll, wobei aber die Gruppe, darunter Angehörige der temporär bestehenden Kaderschmiede für angehende Theaterkritiker*innen (JANIS El-Bira, ANNEGRET Märten, OLIVER Franke), Angehörige des Vereins die Kritik des Theaters schon seit dessen Ursprüngen Betreibender (Dr. DETLEV Baur, Die Deutsche Bühne), TT-Blog-Veteraninnen (EEFKE Kleimann) sowie Schmiedevorsteherin BIANCA Praetorius, aufgrund eben genannter Professionen weniger dazu angehalten ist, das Wetter oder das Jahrhundertereignis auf dem Feld zu kommentieren, als vielmehr für oder gegen dieses „Fest“ zu wettern, das Christopher Rüping mit seinem Ensemble, in Anlehnung an den ersten Dogma-Film von Thomas Vinterberg, auf der Bühne veranstaltet.

Was daraus geworden ist, geschnitten und gelegt zum Nachlesen:

OLIVER: Das Familienfest der Familie Klingenfeldt-Hansen kann beginnen: Das Tischmobiliar und das Barpiano wurden zur Seite geschoben, dünner Bühnennebel wabert durch die Scheinwerferstrahlen. Die Bühne ist frei für die geladenen Gäste. Was für eine feine Geburtstagsfeier für den lieben Herrn Papa das wohl werden wird?

JANIS : Auf geht’s, Rüping. Zeig der Welt, dass du besser bist als Messi. Und Götze. Neymar. Und Pep.

DETLEV: Immerhin verzichte ich heute aufs Halbfinale – fürs Fest.

JANIS: Ich auch. Aber wenn’s nichts taugt, ist SkyGo nur eine Daumenlänge entfernt.

BIANCA: Ötzi-Klingenfeld-Fred-Feuerstein-Hansen betritt die Bühne. Pornoschnauzer.

JANIS: Wenn auf der Bühne ein Erzähler auftritt, steht’s eigentlich schon 0:1.

ANNEGRET: Ich glaube, das ist Pascal Houdus in der Leopardenunterhose als Einsteinmensch. So Kubrikanspruch, was?

EEFKE: Und dann der Urschrei!

BIANCA: Die Geschichte der Klingenfeld-Hansens von 10000 b.c. wird erzählt und bebildert.

OLIVER: Tischerücken-Kindergeburtstag. Eine gesamte Familiengeschichte von der Steinzeit bis heute.

EEFKE: Klavier jetzt vom Dur-Aufmarsch zu verspielter Weise.

ANNEGRET: Von West Side Story Hommage zu Maja Beckmann als Zombiepestopfer, das ging schnell.

JANIS: Oh toll. Es gibt so Schwarzwaldhüte. Mit diesen roten Bommeln. Wie heißen die nochmal?

JANIS:

Fest

DETLEV: Red and white danish dynamite, für die Fußballfreunde unter uns.

JANIS: Sprechtempo ist ungefähr doppelter Pollesch. Muss man wollen.

BIANCA: Die Klingenfeldt-Hansens haben auch eine Nazi Vergangenheit.

OLIVER: Konfetti-einsatz Nummer 1 nach Minute 5 . Viva la Dänemark🎉🎉

EEFKE: Das Klavier erinnert teilweise an Jump ′n′ Run-Soundtrack, wiederkehrende Auftrapp-Motive. Passt zum Sprachtempo, treibt nach vorne.

BIANCA: Christian. Erzählt vom Spaziergang am Feldrand. Gleich wirds ernst. Spürt man.

DETLEV: Erzählt sich selbst

OLIVER: Das Familienanwesen im Engelschor besungen. Sohn Christian kommt zurück nach Hause direkt in dem Partytrubel hinein

ANNEGRET: Christian hört Stimmen hinter sich. Skol!

EEFKE: Stimme aus dem Off=didaktische Anweisung an die Zuschauer*innen: Achtung zuhören, wichtig

ANNEGRET: Stimmendirigent im Background und vorne die Darsteller in bebuchstabten Riesenpullis.

OLIVER: Die Geschwister sind wieder vereint: Christian, Helene und Michael, aber eine fehlt…

BIANCA: Der Pornoschnauzer ist jetzt Michael. Alle Rollen haben Pullis mit Buchstaben an.

JANIS: Hachja, dieser ständige Rollenwechsel. State-of-the-art-Theater. Ist ein Peymann im Saal?

DETLEV: Heile Pullover-Familie.

BIANCA: Ah Pornoschnauzer verliert seinen Schnauzer.

OLIVER: Da ist ein riiiiesen 🐘 im Raum. Merk ich schon jetzt

ANNEGRET: Bisher passen drei Mann in den Christian Pulli. Haben die sich wohl lieb, obwohl sie sich zanken?

BIANCA: Am Arsch heile Familie.

JANIS: Muss behaupten, dass der Satz „Ich habe so ein malerisches Glied“ mir ganz gut gefällt.

ANNEGRET: Dun dun dun…Zimmer 13!

DETLEV: Auch die Zimmerverteilung ist theatral aufgeladen.

EEFKE: In Zimmer 7 zieht es ganz schön,

JANIS: Irgendwas ist faul mit Zimmer 7. Helene will nicht rein.

BIANCA: *sad trumpet *

JANIS:🎺

BIANCA: 👏

JANIS: Das ist mein Einsatz.

BIANCA: 💃

ANNEGRET: So. Geister. Aha.

OLIVER: Spuk im Hotelzimmer = The Shining.

DETLEV: Ziemlich bedeutungshuberisch.

JANIS: Ist jetzt so ein bisschen Kabuki-artig, oder? Da machen die doch auch immer so Windgeräusche.

BIANCA: Was ist Kabuki?

JANIS: So’n japanisches Theater mit 7000 Jahre alten Geschichten, die man in drei Sätzen erzählen, aber nur in drei Stunden spielen kann.

OLIVER: Das wird uns heute Abend wohl nicht passieren. Das ist doch alles noch Exposition oder? Das Fest beginnt erst noch. Haltet euch fest

ANNEGRET: Svenja Liesau haucht Horrorfilmklischees ins Mikro. Eher Harry Potter-Grusel bis jetzt.

BIANCA: Svenja Liesau klingt wie Britney Spears als der kleine Vampir.

DETLEV: Die Tote hat nur Hemd keinen Pulli

ANNEGRET: Mobiliaraufzählung. Von der Lampe erhängt? Oder wie?

BIANCA: Das Bühnenbild sieht aus wie die Lagerhalle des Wohnungsauflösungs-Antikshops in der Urbanstraße in Kreuzberg. In a good way.

ANNEGRET: Wie steht’s beim Fußball?

OLIVER: Musik!!! Das Fest beginnt. Die Tische werden emsig zur Partytafel zusammengeschoben

JANIS: Man merkt, du hast absolut keine Ahnung, Annegret, auch wenn du dich sehr bemühst: Champions League beginnt immer erst um 20:45 Uhr

BIANCA: Sagte er “gammelnde Hand”?

BIANCA: (das ist ne ernste Frage)

JANIS: Ich glaube, es geht um diesen dänischen Käse.

BIANCA: Danke Janis.

ANNEGRET : Ach hübsch, die Tafel wird gedeckt mit so weißem Konfetti.

OLIVER: Das Setting erinnert eher an das letzte Abendmahl.

DETLEV: Hütchen auf.

JANIS: Der in Wahrheit ein Magenbitter ist.

JANIS:

Fest Gammel Dansk

JANIS: Im Film wird ja ausnehmend viel gesoffen.

EEFKE: Musik zum Fest: Galopp, zierliches Geklimper, fade out. Jetzt herrscht wieder das bunte Treiben der Partycrowd.

DETLEV: Klischees und Rollenwechsel nerven bislang.

ANNEGRET: Matti Krauses Opa hat was von Loriots Weihnachtsopa.

BIANCA: Findest du? Wegen dem Opa Klischee?

DETLEV: Fands bisher schwer albern.

BIANCA: Ich finde das witzig, aber vielleicht habe ich auch einen fiesen flachen Humor.

JANIS: Hat der Briegleb nicht gesagt, man ginge nicht in die Provinz? Warum in Gottes Namen hat man hier nur eine Ausnahme gemacht?

BIANCA: Welcome to my brain.

ANNEGRET: Äh…

JANIS: In unserer Reihe gehen die Zuschauer.

BIANCA: Stuttgart-Bashing?

JANIS: Sind unsere Handys Schuld oder der Quatsch da vorne?

BIANCA: Die verstehen aber auch kein Deutsch. Das waren Dänen.

ANNEGRET: Als Berliner kann man sich so Bashing wohl erlauben?

DETLEV: Das waren Dänen oder so die selbst eifrig getippt haben.

JANIS: Hahaha. Das finde ich unglaublich lustig.

BIANCA: Sie haben mit der Übersetzung greexhnet.

ANNEGRET: Ist das ein Social Media-Wort, Bianca?

JANIS: Stimmt ja. Heute ohne Übertitel.

BIANCA: Nein, typo @Annegret.

OLIVER: Schneesturm auf der Bühne. Kleine Papierfetzen schweben durch den Raum: Der Patriarch tritt auf

EEFKE: Angesagte bedeutungsvolle Pausen schaffen tatsächlich bedeutungshoffende Ruhe im Publikum.

ANNEGRET: (Ja ja 😉)

OLIVER: Oh nee, peinlich langatmige Feieransprache des Geburtstagskinds. Kurz vor sieben. Es kommt zum ersten Toast!

JANIS. Diese Pullover mit den Anfangsbuchstaben der Vornamen sind doof: Rollenwechsel ist natürlich total cool, aber zu undurchsichtig darf’s auch nicht werden. Muss man ja noch kapieren. In Stuttgart.

DETLEV: Hoffen wir auf ein Theaterwunder der Verwandlung.

DETLEV: Und vielleicht ein Wunder in Müchen?

OLIVER: WAHRHEITSREDE…

ANNEGRET: Hä? Erklärt mal bitte einer den Hemdwechselmoment?

DETLEV: Hab ich verpasst.

ANNEGRET: Achso, wir sind noch mittendrin.

BIANCA: Da hat der Vater Christian und Linda in sein Bürozimmer geholt…

ANNEGRET: Uhoh.

DETLEV: Ach so deswegen die Pullis.

EEFKE: Und vergewaltigt.

JANIS: BAM! Das V-Wort ist gefallen. Der V-Effekt eh andauernd.

DETLEV: Und Hemdgeist

ANNEGRET: Ja, das ist jetzt irgendwie gleich doppelt Bam! Wegen der Witzigkeit vorher.

BIANCA: Der V-Effekt? Boah ist das eklig.

OLIVER: Der Hauspianist Norbi haut in die Tasten.

BIANCA: Und wahr.

JANIS: Endlich! Mehr Konfetti!

ANNEGRET: So, jetzt super Feier. Alle wieder zurück zum Spaßhaben!

OLIVER: Konfettiregen Nummer 2:… 3,2,1 Gammel Dansk!🎉

JANIS: Kann mir nicht helfen, aber das Konfetti gefällt mir. Erinnert mich an Tartuffe damals in Hamburg, als… Ach, vergesst es.

BIANCA: Helena greift ein und sagt “stimmt nicht.”

OLIVER: Konfetti! Erinnert an IMMER NOCH STURM oder? Da kann man sich schön berieseln lassen.

JANIS: Klar! Das war doch auch Gotscheff!

BIANCA: Mir auch. Ich finde das Konfetti wunderbar schmerzhaft.

DETLEV: Figuren spielen kaum eine Rolle – eher Konstellationen. Oder?

OLIVER: Die Bühne ist ja jetzt schon ein kunterbuntes Schlachtfeld!

JANIS: Plötzlich ist es ganz laut vorne. Stört mich ein bisschen beim Schreiben.

ANNEGRET: Christian ist noch sauer und haut die Tische um. Papa stellt sie wieder auf, dann haut er sie selber wieder um.

ANNEGRET: Und stellt sie wieder auf.

DETLEV: Aggression

ANNEGRET: Und Haut….

ANEGRET: Naja ihr wisst schon.

BIANCA: Christian wird umzingelt.

OLIVER: Christian im Verhör. Unter aggressiver Scheinwerferbestrahlung.

ANNEGRET: Papa will mit Christian sprechen. Unter vier Augen.

DETLEV: Papa

JANIS: Papa?

OLIVER: “Ein Gammel Dansk für mich und meinen Sohn”

JANIS: (Wollte ich nur auch mal schreiben.)

BIANCA: War mir nicht sicher. (Papa)

JANIS: Who’s your Papa?!

DETLEV: Papi

JANIS: Ein Freund von mir schreibt mir vom Rang aus, dass er gerade gegangen ist….

BIANCA: Frag ihn warum. Wegen dem V-Effekt?

ANNEGRET: Grelles Licht der ~~*~~Wahrheit~~*~~ wird verdunkelt und auf Rot gestellt.

JANIS: Gastbeitrag: “So, ich bin raus. Dann doch lieber Bayern vs. Barca 😁”

OLIVER: Wie war das nochmal mit aggressiver Antihaltung im Zuschauerraum?

ANNEGRET:  😒

BIANCA: Hahahahah. Verkneift ihr euch jetzt Tränchen des Neides, @Detlev @ Janis?

DETLEV: Stuttgart sollte Chance geben.

JANIS: Bitte?

ANNEGRET: Papa fasst Christian an. Urgh.

DETLEV: Noch sind sie nicht abgestiegen 😉

JANIS: Stuttgart hat mir Champions League einfach nix zu tun.

EEFKE: Es grummelt so bedeutungsschwer, es weht. Es schummert rot. Erster ganz stiller Moment.

ANNEGRET: Leude, da is gerade großes Drama!

JANIS: Jetzt war’s kurz ganz leise. Wie früher bei Gosch…. Ach, vergesst es.

EEFKE: Und wieder löst das Klavier die Szene, Father and Son wird angestimmt.

OLIVER: Rotlichtfolie und Cat Stevens.

EEFKE: Wo ist Cat??

DETLEV: Karaoke Party.

BIANCA: Für mich ist das Boyzone.

JANIS: 1:0 BAYERN!!!

ANNEGRET:  😿

EEFKE: Wenn schon Ronan Keating, Bianca!

JANIS: Okay….. Was mache ich jetzt…….?!?

OLIVER: Ronan Keating!

JANIS: Die Tür ist so nah und vorne Ronan Keating.

DETLEV: Bleib bei der Familie!

EEFKE: Und wenn schon Boyband dann Westlife! #2000er

BIANCA: Janis, reiß dich zusammen! Es ist Keating & Konfetti.

ANNEGRET: Svenja Liesau ist jetzt Christian und mit einem Mal ist’s nicht angry sondern depressiv.

DETLEV: Gesang statt Rede.

BIANCA: Ich finde, sie singt wunderbar.

ANNEGRET: Ich habe Ronan Keating live bei Once gesehen. Der war ganz gut.

BIANCA: Ich mag den Opa und das iOS Klischee. Überhaupt mag ich, glaub ich, Klischees wenn ich ehrlich bin #boyzone

BIANCA: *typo. Opa-Klischee statt iOS

ANNEGRET: Oma und Opa haben’s auf den Tisch geschafft. Weswegen wird hier alles unter den Tisch gekehrt? Der Alten wegen?

OLIVER: Konfettiregen Nummer 3 und Cat Stevens/Ronan läuft immer noch.

ANNEGRET:

Fest 2

BIANCA: Wieso sagt die Schwester immer, dass Christian lügt? Ist das die Schwester, die auch v. Wurde?

JANIS: Habe ich was verpasst? War kurz weg.

OLIVER: Einen Toast auf einen Mörder

DETLEV: Dauerrede in Fragmenten

BIANCA: Warst du beim Fußball? Hast du ne Lösung gefunden beides zu sehen?

OLIVER: Die Situation eskaliert. Die Partystimmung ist im Keller

ANNEGRET: Christian ist voll der Spielverderber. Jetzt Mordvorwürfe. Und Maja Beckmann krallt sich als Mutter verzweifelt zerbrechlich am Hals umher.

OLIVER: Was sagt eigentlich Mama dazu? Else Klingenfeldt-Hansen=Mutter des Jahres: „Wir essen jetzt einfach gemütlich zusammen ”

JANIS: Ausgleich. Die Geschichte hat sich. Bin wieder voll dabei

DETLEV: Ich kann die Wechsel nur so erklären: jeder ist Opfer Täter Papa.

OLIVER: Sehr gut kombiniert.

ANNEGRET: Jetzt macht Papa Abrechnung.

ANNEGRET: Und alle hau’n auf Christian.

DETLEV: Gibt mehrere Papas.

BIANCA: Der Papa sagt, dass der Sohn keine abkriegt.

EEFKE: Muss mich korrigieren, Bianca hat im Livefaktencheck recht behalten: Ronan war bei Boyzone. Tut jetzt nichts mehr zur Sache: es wird wieder sehr ernst auf der Bühne, klatschender Akteur aus Publikum sorgt für kurze Irritation. Alle wieder ganz wach, Aufmerksamkeit wieder da.

OLIVER:  👍

ANNEGRET: Frau Liesaus Christian hängt im Pulli wie ein erbärmliches Häufchen Elend.

JANIS: Mein Freund vom Rang kommt jetzt übrigens wieder zurück. Die Luft sei raus. Hier wird sie dafür dick.

BIANCA: @Eefke 😘 für die 90’s credibility. 🙂

OLIVER: Christian sucht verzweifelt nach einer Nachricht seiner toten Schwester. Getrieben von Schuld und Selbstzweifeln.

ANNEGRET: Oops, Christian hat’s vergeigt mit der toten Schwester und denkt, dass er sie auf dem Gewissen hat.

BIANCA: Christian zeltet verkehrt rum. Super Moment.

DETLEV: Als Pulli-Experte sag ich: PH für Papa Helge

ANNEGRET: Ganz viele PP-Pullis schicken Christian auf die, jetzt kommt’s, Ersatzbank.

ANNEGRET: Ersatzbank?

ANNEGRET: Ne?

JANIS: 😴😴😴

BIANCA: Ne versteh ich nicht… 😞

ANNEGRET: Ah, forget it!

DETLEV: Reden werden vergessen meint PH.

OLIVER: Beatboxen. Und Konfetti Nummer 4 🎉🎉🎉🎉

DETLEV: Da hat er aber nicht mit den Stuttgartern gerechnet

EEFKE: Ützützütz- treibende Beats in Loops!

DETLEV: Die wiederholen.

BIANCA: Ich finde das Konfetti schön und nicht nervig. #allgemeinelebenshaltung

ANNEGRET: Das ist schon alles…bemerkenswert. Discuss!

BIANCA: Ist Wiederholen ein Verbrechen oder eventuell roter Faden/ Klammer/ Wiedererkennung?

OLIVER: Tischerücken. Bühnenbild aus tragbaren Tischkombi-modulen. Johannes Schütz fänd es bestimmt super.

JANIS: Diese grauen Anzüge sind nicht gerade vorteilhaft bei exzessivem Schwitzen.

DETLEV: Ich konstatiere ja nur.

DETLEV: Erstmal.

JANIS. Kann ich mein Handy auch dem Typen vor mir geben und gehen?

ANNEGRET: Nein.

JANIS: Okay.

ANNEGRET: It’s a Heartache.

BIANCA: Muttertag

OLIVER: Voller Ventilaltoreneinsatz zu gediegenem Schmonzettenpianogeklimper.

DETLEV: Konfetti ist halt ein erprobtes Theatermittel, sagt der Skeptiker.

BIANCA: Ich möchte sagen: ich mag Schmunzetten und Schnulzen.

EEFKE: „Wing Wing Waka Waka” und Syntheziser werden von leichtem Piano abgelöst, Partymeute beruhigt sich wieder. Mutter spricht jetzt.

BIANCA: Aber die Mutti ist ne Kacktussi.

BIANCA: Feiglingsmutti.

JANIS: In Wahrheit ist das doch wirklich nur kreuzbiederes Erzähltheater mit ein paar Sachen, die vor 15 Jahren mal jugendlich wirkten.

BIANCA: Ah sorry, das Kacktussi war nicht böse gemeint.

BIANCA: Ah war es doch.

JANIS: Achso, “in Wahrheit” soll man ja nicht sagen.

OLIVER: Auftritt der Mutter Else. Die verkörperte Antithese einer emanzipierten, selbstständigen Frau

DETLEV: Wie sich alles zusammenfügt, ist doch die Frage.

ANNEGRET: Mutter erzählt sich selbst eine Geschichte, sie braucht sie zum Weiterleben, glaub ich.

EEFKE: Kleiner Metadiskurs-Hinweis auf der Bühne: Unterscheidung von Dichtung und Wirklichkeit.

ANNEGRET: Noch mehr Slow Clapping und Christian sagt, er habe gelogen. Ergo, Christian beschützt Mama.

DETLEV: Christian als “Mädchen”

ANNEGRET: Keiner will mehr Christian sein.

BIANCA: Christian will nicht mehr Christian sein und entledigt sich dem Pulli

JANIS: Nebenan steht’s übrigens 1:2. Papa Pep hat auch ‘ne schwere Zeit. Gegen den rebellieren ja quasi auch die Kinder.

BIANCA: Wer ist Papa Pep?

JANIS: Ich bitte dich, Bianca….

DETLEV: Der katalanische Bayern Coach

JANIS: Nur für dich, Bianca:

JANIS:

Fest pep

JANIS: Konfetti-Kanonen! Also das ist jetzt wirklich Gotscheff!

EEFKE: LykkeLi, Matthias Reim, Atemlos. Verzweifelung.

OLIVER: Konfetti-Kanone!🎉

BIANCA: I will follow him. Sister Act.

JANIS: Ich kann nicht mehr. Mir tut mein linker Daumen so weh, die Sache ist fast rum und ich habe das Gefühl, nix beigetragen zu haben.

BIANCA: Ist schon vorbei? Kommt mir nicht lange vor

ANNEGRET: Mir schon.

OLIVER: Noch 1/2 h.

JANIS: Das like am Schreiben, Bianca.

JANIS: Liegt

JANIS: Un-like

OLIVER: Och jetzt bin ich doch a bisserl ergriffen.

OLIVER: Ok wieder zerstört

BIANCA: Was hat es zerstört?

OLIVER: Christian spricht mit seiner toten Schwester im Himmel.

EEFKE: Bei diesem TT gibt’s viele Songmedleys: Common Ground/90errevue, Schygulla-Abend/Hippie/68; hier quer durch den Klischeegarten.

DETLEV: Warum ein TV Mikro über Wanne?

OLIVER: Ich dachte, das wäre die Sense vom Sensenmann😄

BIANCA: Bringt er sich gleich mit dem Föhn in der Wanne um?

ANNEGRET: Bruderliebe, Christian entwickelt sich in der Badewanne zum Kind zurück. Hoffentlich müssen wir das Verbrechen nicht gleich noch mit angucken. So als Erinnerung.

BIANCA: (Sorry ich hab den Film nie gesehen)

DETLEV: Christian spinnt.

JANIS: Das wollte ich wenigstens einmal heute sagen: Im Film ist das aber nicht!

ANNEGRET: Ich glaube Christian halluziniert.

OLIVER: Eine Nachricht aus dem Totenreich.

BIANCA: Oh nein jetzt bringt sich C um

JANIS: Bei der Tonangel über der Badewanne muss ich immer an Big Castorf denken. Noch fünf Tage!

DETLEV: Witzefeuerwerk, auch ein etwas abgestandenes Mittel.

ANNEGRET: Helene ist jetzt auch inner Badewanne und sie erzählen sich ihr Gefühlsleben.

DETLEV: Schauspieler können was, aber dürfen sie auch?

ANNEGRET: Noch mehr Witze. 😴

BIANCA: Ich mag die Schauspieler übrigens. Das sieht aus, als hätten die einen Heidenspaß bei hoher Konzentration. Ich mag einen Haufen junger Schauspieler oft nicht. (Don’t ask), aber hier mag ich alle

ANNEGRET: Die bewegen sich halt auf der Bühne wie beim Impro.

ANNEGRET: Nur ohne Impro.

OLIVER: Zurück zur Handlung: ein Brief von Linda wird verlesen!

BIACNCA: Vielleicht ist es Impro und deswegen gibt es keine Übertitel? #dänen

JANIS: “Ich hab’ die Faxen langsam dicke.” Hahaha!

BIANCA: #selfiedänen

OLIVER: Die Handlung hätte ich ehrlich gesagt nicht ohne den Film mitbekommen.

EEFKE: Es quatscht und platscht.

BIANCA: Ich kenne den Fail nicht und komm einigermaßen ( ..) mit.

DETLEV: Hab „Das Fest” in Dortmund vor zwei Jahren gesehen. Fand ich wesentlich bemerkenswerter

OLIVER: Kay Voges oder?

BIANCA: Ouuuhhj #miesgedisst

BIANCA: Zur Story: gibt Helena gerade zu, dass Christian recht hatte?

ANNEGRET:   Nee, Helena liest Lindas Brief vor…

ANNEGRET:  Alle sind betroffen, außer Papa, der will Portwein.

BIANCA: Aber Linda sagte was von Vergewaltigung oder? Also jetzt ist Papa dran. Right?

ANNEGRET: Lynchen die ihn jetzt?

JANIS: Wird Papa im Film nicht noch derbe krass verKLOPPt?

JANIS: Mein Freund vom Rang kündigt an, zu buhen. Gut hinhören gleich.

EEFKE: Diese nassen, voll getränkten, schweren Kleider zu sehen, sorgt schon beim Zusehen für Unterleibsschmerzen. Sehe ich da als einzige eine Verbindung? Mir wird ganz kalt.

DETLEV: Warum nicht Menschen spielen?

ANNEGRET: Das ist die komplette Verausgabung.

JANIS: Detlev: Bin ich ganz bei dir.

OLIVER: Papa wird jetzt gerichtet. Die Kinder reihen sich darum. Family Values…

BIANCA: Gammel Dansk-Waterboarding.

ANNEGRET: Nicht jetzt die Pretenders (ohne Karaoke), das bringt schon ohne Vergewaltigungsdrama auf der Bühne zum Heulen.

JANIS: Warum muss ausgerechnet dieses Stück für so theatrale –Achtung – Hütchenspielertricks herhalten? Das geht doch mit anderem viel besser.

DETLEV: Schreibe schon wie Stadelmeier.

JANIS: Endlich ist auch einer nackt.

BIANCA: Ich finde die Klischees sind so in realistische, szenische Transparenz eingebettet, dass ich sie nicht als Kitsch erlebe.

DETLEV: Nicht Kitsch aber Fake.

JANIS: Beim Gosch-Macbeth von 2006 waren alle immer nackt. Wollte ich heute Abend auch einmal noch erzählt haben.

DETLEV: Gosch, das waren noch Theaterwunder.

ANNEGRET: Pimmelkonfetti und Papa macht jetzt Geständnis, oder?

OLIVER: Die Tischkombi und das Männergeklitsche…da hat sich jemand aber ordentlich was von Gosch/Schütz abgeguckt. Das stimmt!

EEFKE: Also auch ein Regiekniffmedley?

JANIS: Okay, dieser Schluss ist jetzt wirklich das Allerletzte.

DETLEV: Ach, ich alter Mann fühl mich verstanden von euch. Nur bei Bianca weiß ich nicht 🙂

JANIS: Nochmal: Das war echt im Film alles ganz anders.

DETLEV: Theater darf schon anders.

JANIS: Theater darf alles.

JANIS: Muss nur nicht.

ANNEGRET: Ahja.

BIANCA: Ne das Lied heißt jetzt „United”.

BIANCA: Und ich glaube es ist DJ Bobo.

BIANCA: Ganz langsam auf dem Klavier. DJ Bobo. Ich bin mir sicher.:)

OLIVER: Wie DJ Bobo schon nach seinem Auftritt beim Eurovision. Songcontest sagte: „Ich habe die Leistung nicht abrufen können”  …

BIANCA: Sagte er das? DJ Bobo?

ANNEGRET: Also an den Spielern liegts nicht.

OLIVER: Eher am Regiekonzept.

ANNEGRET:   Die können “everybody” spielen.

JANIS:

Fest 3

BIANCA: Das finde ich traurig. Weil eklig. Und traurig. Auch wenn ihr es kitschig findet. Maybe.

DETLEV: Kitsch wäre schön.

ANNEGRET: Klatsch-O-Meter?

EEFKE: Zögernd.

BIANCA: Klatsch-O-Meter: Medium

EEFKE: Absteigend

OLIVER: Das Stück ist aus und 78% der Tische wurde nicht benutzt

DETLEV: Mir viel zu wenig Gefühl

JANIS: Jetzt doch großer Jubel. Karten waren teuer.

EEFKE: Äh: ansteigend!

BIANCA: [soundcloud url=”https://api.soundcloud.com/tracks/205874061″ params=”auto_play=false&hide_related=false&show_comments=true&show_user=true&show_reposts=false&false=true” width=”100%” height= iframe=”true” /]

DETLEV: Starkes Ensemble.

BIANCA: Ich glaube, hätte ich ganz ganz vorne gesessen, hätte ich den Abend wirklich toll gefunden. Aber ich mag fast alles, wenn ich ganz ganz vorne sitze. #obachtbeimkartenkauf

DETLER: Aber ich bin nicht betroffen

ANNEGRET: Betroffenheit wollte das aber schon erreichen, oder?

DETLEV: Mit allen Mitteln

JANIS: Ja, große Betroffenheit allenthalben.

ANNEGRET: Sogar mit DJ Bobo.

 

 

 

 

 

 

Party Poopers: “Das Fest”

Wobbling out of “Das Fest,” all I can see is a swirl of red and yellow and blue and green. This image—endless confetti, showering onto the stage—is a stunning one, like cherry blossoms suddenly loosed by a springtime windstorm. And it happens at least four or five times during Christopher Rüping’s adaptation of Thomas Vinterberg’s 1998 film, the urtext of the Dogme 95 movement. (English speakers know the film as “The Celebration.”) By the end of the evening, the confetti on the stage is nearly ankle-deep.

Is it perverse for this story—in which a father, at his 60th birthday party, is publicly outed as having molested his children—to traffic in such glorious images? Does it stifle or even trivialize the serious issues?

Nah. I wouldn’t want an after-school special on sexual abuse. And Vinterberg’s film already serves up serious moral reckoning, so a stage adaptation—and there have been many, including one by Michael Thalheimer invited to Theatertreffen in 2001—needn’t do that.

What’s frustrating about the confetti (and the hyperkinetic stage antics, and the intentionally embarrassing musical numbers, and the dumb jokes) is that it all starts to feel blazingly obvious.

As in:

Eureka, I’ve got it! Let’s juxtapose the ickiness of incest with clouds of confetti!

And:

Oh, and won’t it be clever to use all this whiz-bang stage magic to adapt a film that shirks all special effects and gimmicks?!

It’s not all misguided. Rüping keeps the key points of the film—eldest brother Christian’s speech about the father’s transgressions, sister Linda’s wrenching suicide note, mother Else’s backhanded praise of her children—but also busts it apart, turning a chamber piece into a hyperactive, opera-sized slumber party. The six performers wear gray footie pajamas, looking like children ready for bed. An early comic sketch involves a prehistoric ancestor in leopard-print underwear, and there’s later a feathered headdress that’d be at home in a school play. (“Atlas der abgelegenen Inseln” also featured men’s underpants and a feathered headdress.) One actor does a backflip. The confetti falls. The excess throws you off-kilter.

Adding to the disorientation is the fact that the actors don’t have fixed parts. Instead, they don oversized sweaters, marked with the first letter of a character’s name, to inhabit a role.

Hang on, can I talk about these sweaters for a sec? After the show, I heard some complaints about their ugliness. I beg to differ. While far from fab, these specimens fall short of true hideousness. No one at an ugly sweater party would be impressed. They’re more like something no one’s grandmother knits for them anymore. I can also imagine them keeping the Weasleys warm during long Hogwarts winters.

And there’s not just one sweater for each character, meaning several actors might play Christian at the same time. At one point, all three siblings crawl into the same sweater.

As you might imagine of a garment that accommodates three actors, the sweaters are quite stretchy. Shout-out to “John Gabriel Borkman,” which also boasted a very stretchy sweater. And a bathtub. And children acting like adults. And intimations of incest. Scandinavia, do we need to talk?

Song-and-dance breaks jostle for space amid the narrative: There’s a great “Soul Train”-style catwalk scene and a very jarring Cat Stevens rendition. Water fights leave the actors sopping. More confetti falls.

But eventually, it becomes formulaic. We anticipate the next confetti shower, the next off-color joke. And that means “Das Fest” never achieves transgression or real depth. Or, frustratingly, ambiguity—which seems like should be central to a story about an incomprehensible crime. Instead, it all makes so much sense: the gaiety against the gruesome subject matter, the theatrical razzle-dazzle against the austerity of Dogme.

Bedtime, kids. Party’s over.

 

Das Fest
nach dem Film von Thomas Vinterberg und Mogens Rukov
Bühnenfassung von Bo hr. Hansen, in der Übersetzung von Renate Bleibtreu
Regie: Christopher Rüping
Dramaturgie: Bernd Isele
Mit: Maja Beckmann, Paul Grill, Pascal Houdus, Matti Krause, Svenja Liesau, Christian Schneeweiß, Norbert Waidosch (Pianist)