Wieviel Zickigkeit können Sie sich leisten?

Die schlechte wirtschaftliche Lage, das fehlende Geld, die Krise: An allen Ecken und Enden ging es auch beim Theatertreffen darum. Persönlich betroffen sind fast alle, hier spricht nun eine, die das Thema “Produktionsbedingungen” ein Festival lang mit sich herumschleppte.

Es sieht schlecht aus. Aber das wissen wir doch, ruft es jetzt aus allen Richtungen. Sogar mein jugendlich-naives früheres Ich wusste es schon: Als die 17-jährige Alexandra M. sich damals im mittelhessischen Niederbieber dafür entschied, Schauspielerin werden zu wollen, sagte sie immer, wenn sie darauf angesprochen wurde: “Ich weiß, dass es hart ist, aber wenn man es wirklich will, muss man es tun. Meine Mama unterstützt mich da auch.”

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Theater, oder was?

Theaterprozession durch den Wedding, angeführt vom Mini-Megaphon. Foto: Piero Chiussi

Die TeilnehmerInnen des Internationalen Forums begegneten sich in den letzten zwei Wochen in vier Workshops, unter anderem bei Chris Kondek und Hans-Werner Kroesinger. Am 23. Mai wurden in den Uferstudios im Wedding und der nächsten Umgebung einige Arbeitsergebnisse präsentiert.

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Was ist “das mehr”?

Zwei Wochen lang arbeiteten Stipendiaten des Internationalen Forums mit Autor und Regisseur Hans-Werner Kroesinger an dokumentarischen Texten über die Genozide in Ruanda und Armenien. Eine dokumentarische Collage mit Eindrücken von dem Workshop “History counts”.

Donnerstag 20. Mai, Uferstudios, Berlin-Wedding. Ich betrete einen verwinkelten Raum in einem Seitenflügel und treffe gleich auf ein paar geschäftig herumwuselnde Theatermacher. Schüchtern stelle ich mich vor, man bittet mich, Platz zu nehmen. In dem langgezogenen Raum gibt es eine kleine Sofaecke und einige dunkelgrüne Spinde, über und über mit Aufklebern aus aller Welt verziert. Ein Ende des Raums ist durch eine Wand abgetrennt, ich kann aber durch ein großes Fenster in den anderen Teil hineinschauen. An den Wänden kleben Post-It-Wolken und Notizzettelreihen, auf denen lese ich unter anderem Auszüge aus Paragraphen, zum Beispiel: “Wer vorsätzlich einen Menschen tötet §211”. Continue reading Was ist “das mehr”?

Als Autor ist man ja gerne mal verletzlich

Thomas Arzt, Hannes Becker und Sandra Kellein sind die diesjährigen Teilnehmer(innen) des Stückemarkt-Workshops. Unter dem Motto “Vorsicht zerbrechlich” arbeiten die drei zusammen mit Autor und Dramaturg John von Düffel an kleinen Textausschnitten, die heute Abend präsentiert werden. Ein Werkstattbesuch.

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Du bist, wie du klatschst

Pressekonferenzen enden meist mit Stille. Journalisten klatschen nicht. Sie sollen Distanz behalten zu den Menschen dort vorne am Rednertisch, sollen unabhängig berichten. Wer applaudiert, stimmt zu. Und was macht der Kritiker im Theater? Darf der klatschen?

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RTL 2 präsentiert: das poetisierte Grauen

“Die Schmutzigen, die Hässlichen und die Gemeinen” in der Inszenierung von Karin Beier basiert auf einer bissigen Sozialsatire der italienischen Filmemacher Ettore Scola und Ruggero Maccari: Ein Haufen amoralischer Gestalten lärmt, klaut und vergewaltigt vor dem schönen Panorama von Rom. In der Kölner Bühnenadaption sind die Schauspieler hinter Glas gesperrt und werden so zu einem Zoo bunt gekleideter Körper.

Susanne Barth steht stumm inmitten des Chaos wie eine Mater Dolorosa des White Trash. Sie ist eine Ausnahmeerscheinung in dem Haufen aus Jogginghosen und Strickjacken, den das Ensemble von Karin Beiers Kölner Inszenierung “Die Schmutzigen, die Hässlichen und die Gemeinen” bildet.

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Kein “Sozialkritiktheater”

In ihrer Bühnenadaption des italienischen 1970er Jahre-Films “Die Schmutzigen, die Hässlichen und die Gemeinen” hält Karin Beier das Publikum auf Distanz: Die Bühne (Thomas Dreissigacker) ist durch eine schalldichte Glaswand vom Zuschauerraum getrennt. Auf der Spieler-Seite wird gedarbt, gewütet und gequält. Warum die Inszenierung die Armut einschließt, was Karin Beiers “Schmutzige” mit Ettore Scolas Film zu tun haben und wie das Schauspiel Köln sich über solche Inszenierungen ein Ideal-Publikum heranerziehen möchte, erklärt der Dramaturg Götz Leineweber.

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“Wir sind alle Bastards”

Kulturnation Deutschland – Exportschlager oder Auslaufmodell?”, so der Titel der Podiumsdiskussion, die “Achtung Transit” am Sonntag endgültig abschloss. Diskutiert wurden nicht nur das deutsche Stadttheatermodell und seine Exportfähigkeit, sondern auch die mangelnde Flexibilität von Institutionen und immer wieder: UFOs.

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Jelinek, eiskalt serviert

Dieses Wochenende gab es ganz besondere Premieren des Theatertreffens: Public Viewings im Sony Center, in Zusammenarbeit mit 3sat/ZDFtheaterkanal.

Fotos: Kim Keibel

Im Kapitalismustempel am Potsdamer Platz wurden Roland Schimmelpfennigs “Goldener Drache”, Elfriede Jelineks “Die Kontrakte des Kaufmanns” und Christoph Marthalers “Riesenbutzbach” auf einer Riesenleinwand gezeigt, neben 3-D-Kino und Deutscher Bahn. Am Samstag Abend mussten Frau Jelinek und ihr Regisseur Nicolas Stemann unter ganz besonders harten Bedingungen antreten: Eisige Temperaturen und DFB-Pokal-Anstoß Bayern gegen Werder Bremen. Etwa 40 Mutige und einige Passanten wagten den Kampf gegen die Kälte. Wir waren vor Ort und haben uns umgehört.

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Musik: ZSCHOKK/Timo Lachmann

Kleine Geschenke schaffen ne Freundschaft?

Gerade gesehen: Unten im Foyer der Berliner Festspiele quatscht ein junger Typ Leute an: “Ey, wollt ihr was tauschen?”. “STRANGE ex CHANGE” heißt die Aktion des Grafikbüros anschlaege.de, die heute, im Rahmen von “Achtung Transit”, stattfindet.

“Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft” steht auf knallgelben Zetteln. Dabei sollen die Tauschobjekte nicht so sehr Freundschaften erhalten. Sie sollen vielmehr neue Freundschaften erschaffen, “die Kommunikation fördern”, meint der Typ mit Kappe und Klemmbrett.

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