Bemerkenswert gut gestimmt

Es wurde gearbeitet, bis spät in die Nacht, es wurde zu jeder Tageszeit geschnitten, geschrieben, fotografiert, gefilmt und produziert, es wurde gefeiert, es wurde diskutiert und geplant. Der Theatertreffen-Blog, der in diesem Jahr zum ersten Mal die tt-Festivalzeitung ersetzte, begleitete das Theatertreffen 2009 in Text, Bild und Ton, mit Fotogalerien, Audioporträts, Nachtkritiken, Interviews, Beziehungstipps, einem ABC und sogar Selbstkomponiertem. Zum Abschluss des Festivals zieht die Blog-Redaktion Bilanz.

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Bis in die frühen Morgenstunden sorgte Blogger Johannes Schneider mit Ukulele und Köl'scher Mundart für Gruppenharmonie: bemerkenswert. Foto: Jan Zappner

Eine gewaltige Überdosis

Die Sicht durch ein beeindruckendes Riesenauge auf einen persönlichkeitsgespaltenen Josef K.. Die Kraft einer Birgit Minichmayr, mich allein mit ihrer Stimme von der Probebühne zu fegen. Eine bezaubernde Maren Eggert, die in der warmen Abendsonne sanft strahlte. Unser Mentor, der akribisch die maßlose Nutzung von Adjektiven abmahnte. Ein bemerkenswertes Team, in dem Streit nicht Untergang und Party nicht Ausschlafen bedeutete. Und – Continue reading Bemerkenswert gut gestimmt

Die Stimmen der Sieger

Die Stückemarkt-Jury hat gesprochen, nun sprechen die Preisträger:

“Ich weiß auch nicht, wie das passieren konnte, aber den Preis habe ich selbstverständlich verdient. In meinem Stück habe ich ja auch nicht geschrieben, dass es keine Preise gewinnen wird, sondern dass es keine Preise gewinnen muss. Mit dem Maxim-Gorki-Theater zusammenzuarbeiten, wird großartig, und Ideen, was man mit den Moneten machen kann, habe ich auch schon – neue Schuhe wären zum Beispiel angebracht.”

Oliver Kluck, Preisträger des Förderpreises für Neue Dramatik, überlegt, ob er um diese Zeit noch seine werktätigen Eltern anrufen kann und beschließt, zumindest eine SMS an seine Mutter zu schreiben.

“Mich freut besonders, dass ich arbeiten kann: Ein Stückauftrag ist kein leerer Preis, sondern einer mit Perspektive. Ich komme in Kontakt mit Theatern und freue mich jetzt grad einfach riesig auf die feste Zusammenarbeit. Vor dem Druck, den ein solcher verpflichtender Auftrag bedeutet, habe ich keine Angst: Das ist Schriftstelleralltag.”

Nis-Momme Stockmann, Preisträger des Werkauftrags des Stückemarkts, wird nun als erstes seinen Verleger anrufen

“Ich hätte nicht gedacht, dass mein Stück fürs Radio adaptierbar ist. Aber eigentlich spielt es ja mit der Fantasie des Rezipienten. Beim Stückemarkt dabei zu sein, fand ich sehr stimulierend – endlich Feedback zu meiner Arbeit von kompetenten Leuten. So eine Möglichkeit für junge Autoren war für mich neu. In Italien, woher ich komme, gibt es nichts dergleichen. Dort hat keiner Lust, ins Theater zu investieren.”

Davide Carnevali, Preisträger von Theatertext als Hörspiel des Stückemarkts, wird vielleicht seine Freunde aus Barcelona später anrufen.

Voices of the Winners

The jury of this year´s Stückemarkt has had its say, now it´s time for the winners to speak:

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Happy Winners of the Stückemarkt 09: Nis-Momme Stockmann, Davide Carnevali and Oliver Kluck

„I don´t know either how this could have happened, but of course I have deserved to win the price. And I did not write in my play that it´s not going to win any prices but that it does not have to win any. Working together with Maxim-Gorki theatre will be fantastic and I´ve got lots of ideas already of what I´m going to do with all the dosh – new shoes for instance would be appropriate.“

Oliver Kluck, winner of the price for furthering young drama, ponders the question of whether he can still ring his parents at this late hour, because they will have to work the next day, and decides to send at least a short message to his mother.

„I´m especially happy about the fact, that I can work: The commission to write a play is not just a void price but it offers a perspective. I get in touch with theatres and am looking forward immensly to a proper co-operation. I´m not afraid of the pressure that such a binding commission brings along: that is part of an author´s everyday life.“

Nis-Momme Stockmann, winner of a commission by the Stückemarkt to write a play, is going to ring his publisher first of all now.

„I wouldn´t have thought, that my play is adaptable for radio. But on the other hand it plays with the recipient´s imagination. Being part of Stückemarkt was very inspiring for me – to finally get feed-back from competent people. Such an opportunity for young authors was new to me. In Italy, where I come from, there is nothing like it. No one there feels like investing in theatre.“

Davide Carnevali, winner of theatre-text as radio-play by Stückemarkt will perhaps call his friends in Barcelona later on.

Ulrich Matthes zum Geburtstag

Mit nie zuvor veröffentlichten Bildern (Skandal?) und einem Ständchen gratuliert die tt-Blog-Redaktion Ulrich Matthes zu seinem 50. Geburtstag. Alles Gute! Einladungen zu Privat-Parties werden gerne angenommen.

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Das Interview mit Oliver Reese, aus dem dieser Outtake stammt, sowie ein Statement von Ulrich Matthes selbst können Sie im tt-Blog-Beitrag über die Arbeit von Jürgen Gosch sehen.

Drei Einträge ins Gästebuch

Jürgen Gosch zum Zweiten! Seine Inszenierung von Roland Schimmelpfennigs “Hier und Jetzt” wurde für die Premiere beim Theatertreffen am 7. Mai von der Zürcher Schiffbau-Halle in einen alten Postbahnhof in Berlin verlegt.

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Gerupft und geschunden: die Hochzeitsgesellschaft in Roland Schimmelpfennigs "Hier und Jetzt" in der Regie von Jürgen Gosch. Foto: Matthias Horn

Dort feierten in einem riesigen Berg aus frischer Erde Georg und Katja ihre Hochzeit. Reden wurden gehalten, man prügelte sich blutig, und für die Zukunft des Brautpaares sah es nicht gut aus. Die Blog-Redaktion hat sich unter die Hochzeitsgäste gemischt und ins Gästebuch eingetragen. Continue reading Drei Einträge ins Gästebuch

Der Tag, an dem die Möwen dreistimmig sangen

Die Inszenierung von Anton Tschechows “Die Möwe” an der Volksbühne von Regisseur Jürgen Gosch galt vielen Kritikergrößen im Dezember 2008 als das Non-Plus-Ultra gegenwärtiger Theaterkunst. Drei Mitglieder der Blog-Redaktion sahen das Stück nun im Rahmen des Berliner Theatertreffens im Deutschen Theater Berlin. Drei Thesen. Continue reading Der Tag, an dem die Möwen dreistimmig sangen

Bekenntnisse am Eingang

Überall sein, wenn alles los geht: Die Blog-Redaktion verteilte sich beim Start des Berliner Theatertreffens vor dem Eingang des Hauses der Berliner Festspiele, hielt Ausschau nach Prominenz diverser Provinienz, saß in der Aufführung von Christoph Schlingensiefs “Kirche der Angst vor dem Fremden in mir” auf Bank XV und wartete am Ausgang auf die Kollekte der Eröffnungs-Erkenntnisse. Continue reading Bekenntnisse am Eingang