Ans Theater glauben

Milo Raus „Five Easy Pieces” hat unserem Autor den Glauben ans Theater zurückgegeben. Zum Theatertreffen-Abschluss entwirft er eine Abrechnung mit der Dekadenz, dem Zynismus und der falschen Wiederholung, die eine gefährliche Leerstelle hinterlassen.

Seitdem ich Milo Raus „Five Easy Pieces“ gesehen habe, glaube ich wieder ans Theater. Aus der Aufführung komme ich mit heller Klarheit und großer Ruhe. Das ist dann wohl diese Katharsis. Dabei hatte ich heftige Diskussionen erwartet, wütendes Türeknallen und heftige Debatten, klang die Stückbeschreibung doch skandalös: Kinderschauspieler*innen spielen die Verbrechen des Kindermörders Marc Dutroux nach. Continue reading Ans Theater glauben

Durch einen Spiegel, das leere Bild

Die Theatertreffen-Einladung seiner Inszenierung „Tyrannis“ im letzten Jahr machte aus Ersan Mondtag den Regie-Shootingstar des Jahres. Nun ist er mit „Die Vernichtung“ erneut dabei. Wenige Stunden vor der Premiere haben wir mit ihm über das Stück, Narzissmus, Selbstvertrauen und Teamarbeit gesprochen.

Den Unsinn ernst nehmen

Mit seinem neu-dadaistischen „Pfusch“ nimmt Herbert Fritsch Abschied von der Berliner Volksbühne – und feiert seine nunmehr siebte Theatertreffen-Einladung. Unser Autor sah einen Höhepunkt des Festivals.

Schon der erste Auftritt in Herbert Fritschs „Pfusch“ an der Volksbühne will nicht so recht gelingen. Aus einem gewaltigen, liegenden Metallzylinder stolziert, stöckelt und purzelt Herbert Fritschs Ensemble. Continue reading Den Unsinn ernst nehmen

Vom Schlaf der Selbstgerechten

Die Autorin Petra Hůlová legt mit „Zelle Nummer“ eine schwarze Satire über den Zustand der tschechischen Intellektuellen vor. Funktioniert das auch in Berlin?

In Petra Hůlovás Stück „Zelle Nummer“ hat sich die intellektuelle Elite in Zellen eingeschlossen, um die Zukunft des Landes zu planen. Nach 58 Tagen hat man sie draußen in der Welt aber längst vergessen. Continue reading Vom Schlaf der Selbstgerechten

Samplen als Kulturtechnik

Nach der zweiten Vorstellung der „Borderline Prozession“ trafen wir den Dramaturgen Alexander Kerlin und sprachen mit ihm über Totaltheater und Loops im Supermarkt. Continue reading Samplen als Kulturtechnik

Mit Adorno im Dschungelcamp

Forced Entertainment entwerfen bei ihrer ersten Theatertreffen-Einladung einen Quizshow-Loop mit Beifang aus der Hochkultur. Anläufe einer Deutung.

  1. Electricity: „Real Magic“ ist ein Fest schauspielerischer Virtuosität.

Forced Entertainment hat den Schauspieler*innen Jerry Killick, Richard Lowdon und Claire Marshall einen bestechend einfachen Loop gebaut, in dem sie ihre ganze schauspielerische Vielfältigkeit befreit ausspielen. Continue reading Mit Adorno im Dschungelcamp

Bitte wenden!

Der Sonntag stand mit dem Theaterpreis für Herbert Fritsch und einer Buchvorstellung im Zeichen von Abschied und Kulturkampf. Doch wo beginnt das Neue?

Das Zu-Ende-Gehen lässt sich im Theater nicht vermeiden. Mit den Figuren geht es in den Stücken oft zu Ende und so gern das Theater auch die ganze Welt wäre: Irgendwann geht auch der intensivste Theaterabend zu Ende und alle gehen. Das gilt sogar für Frank Castorf, auch wenn er das Zu-Ende-Gehen in seinen ausufernden Inszenierungen und seiner bemerkenswert langen Intendanz immer so weit wie möglich heraus geschoben hat. Continue reading Bitte wenden!

Welt? Burg? Dorf?

Unser Autor denkt aus Wiener Perspektive über das Theatertreffen nach – und trägt sich selbst drei Leitfragen für den Weg durchs Festival auf.

Karl Kraus soll einmal mal gesagt haben: „Wenn die Welt untergeht, dann gehe ich nach Wien. Da passiert alles zwanzig Jahre später.“ Wenn es stimmt, dass hier sogar der Weltuntergang Verspätung hat, gilt das erst recht fürs Wiener Theater. Manchmal beschleicht mich das Gefühl, dass das Theater hier mit angezogener Handbremse fährt. Continue reading Welt? Burg? Dorf?